Lehrereinstellungstest nicht bestanden – und trotzdem Klassenleitung? — Kein „unqualifizierter Lehrer“, sondern fast eine vollzeitbeschäftigte Lehrkraft mit befristeter Ernennung

Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Jemand besteht das Auswahlverfahren für eine reguläre Stelle an einer öffentlichen Schule nicht, arbeitet aber we

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Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Jemand besteht das Auswahlverfahren für eine reguläre Stelle an einer öffentlichen Schule nicht, arbeitet aber weiter in Vollzeit und übernimmt sogar eine Klasse.

Der entscheidende Punkt lautet: Ein nicht bestandenes Einstellungsverfahren bedeutet nicht, dass keine Lehrbefähigung vorhanden ist.

In Japan sind die Lehrbefähigung und das Auswahlverfahren, mit dem eine Gebietskörperschaft reguläre Lehrkräfte bestimmt, zwei verschiedene Dinge.[1]

1. Die Fünf-Sekunden-Antwort

Reguläre Lehrkräfte und befristete Vollzeit-Lehrkräfte können sehr ähnliche Aufgaben übernehmen. Der wichtigste Unterschied ist häufig nicht „darf diese Person unterrichten?“, sondern wie stark die Weiterbeschäftigung abgesichert ist, wenn der vorübergehende Bedarf verschwindet.

Teilzeit-Lehrkräfte sind wieder eine andere Kategorie: weniger Arbeitsstunden, hauptsächlich Fachunterricht und häufig keine Klassenleitung.[2]

2. Lehrbefähigung und reguläre Einstellung sind zwei verschiedene Türen

Das japanische Bildungsministerium erklärt, dass eine Lehrkraft die nötige Lehrbefähigung braucht und außerdem eingestellt werden muss.[1]

Die Befähigung beantwortet „darf diese Person unterrichten?“. Das Auswahlverfahren beantwortet „wird sie regulär eingestellt?“.

Wer im Auswahlverfahren scheitert, verliert deshalb nicht seine Lehrbefähigung. Das Ministerium nennt ausdrücklich auch die Möglichkeit einer befristeten Vollzeitbeschäftigung oder einer Teilzeittätigkeit.[1]

3. Darf eine befristete Vollzeit-Lehrkraft wirklich eine Klasse leiten? Ja

Aichi liefert ein klares offizielles Beispiel. Die Informationen von 2026 nennen als Aufgaben das Füllen von Vakanzen, Vertretungen für Mutterschutz und Elternzeit, Fach- und Klassenleitung, Schulfahrten, Besprechungen und Fortbildungen. Die Arbeitszeit beträgt montags bis freitags 7 Stunden 45 Minuten pro Tag.[2]

Teilzeit-Lehrkräfte werden auf derselben Seite hauptsächlich für Fachunterricht eingesetzt und übernehmen keine Klassenleitung.[2]

Der Begriff „befristete Lehrkraft“ allein sagt deshalb noch wenig über den tatsächlichen Verantwortungsumfang aus.

4. Geht es einfach um billigere Arbeitskräfte? Der Kern ist eher Personal-Flexibilität

Das Bildungsministerium verlangt, dass die Vergütung vorübergehend ernannter Beschäftigter auf den Gehaltstabellen und Einstiegsregeln regulärer Vollzeitbeschäftigter basiert und Ausbildung, Befähigung und Erfahrung berücksichtigt.[3]

In Aichi liegt das Beispiel für einen vierjährigen Hochschulabschluss zum 1. Januar 2026 bei 305.182 Yen pro Monat und wird als an regulären Lehrkräften orientiert beschrieben. Es gibt Bonuszahlungen; ab sechs Monaten kann eine Austrittsleistung greifen; Familien-, Fahrt- und Wohnungszulagen entsprechen grundsätzlich denen regulärer Beschäftigter.[2]

Das ist nicht überall exakt gleich. Der institutionelle Vorteil ist aber eher „nahezu reguläre Arbeitsleistung genau für den benötigten Zeitraum“ als „Lehrer zum halben Preis“.

5. Der größte Unterschied: Was passiert, wenn der vorübergehende Bedarf endet?

Reguläre kommunale Beschäftigte haben gesetzlichen Statusschutz und können nicht ohne gesetzlich vorgesehenen Grund gegen ihren Willen entlassen werden.[5]

Eine vorübergehende Ernennung beginnt dagegen mit einer Frist. Die allgemeine Regel des japanischen Kommunalbeamtenrechts erlaubt bis zu sechs Monate und eine einmalige Verlängerung um höchstens weitere sechs Monate.[5]

In Aichi dauert die normale Vakanzvertretung sechs Monate mit einer möglichen Verlängerung; Vertretungen für Mutterschutz und Elternzeit richten sich nach dem benötigten Zeitraum.[2]

Einfach gesagt: Reguläre Lehrkräfte haben eine deutlich stärkere Beschäftigungssicherheit; bei befristeten Lehrkräften kann die Ernennung mit dem vorübergehenden Bedarf enden.

6. Wenn Lehrkräfte fehlen, warum macht man dann nicht alle Stellen regulär?

Weil nicht jeder Mangel dauerhaft ist.

Eine im März 2026 veröffentlichte Untersuchung des Ministeriums zählte zum 1. Mai 2025 landesweit 3.827 fehlende Lehrkräfte, eine Quote von 0,45 %.[4]

Genannte Gründe waren mehr Mutterschutz- und Elternzeiten, mehr Krankheitsausfälle, mehr Sonderförderklassen, weniger registrierte Vertretungskräfte und der Umstand, dass frühere befristete Lehrkräfte regulär eingestellt wurden.[4]

Daraus entsteht ein Paradox:

mehr reguläre Einstellungen → frühere Vertretungskräfte werden regulär → der Pool für kurzfristige Vertretungen wird kleiner.

Das spricht nicht gegen reguläre Einstellungen. Eine mehrmonatige Abwesenheit und ein struktureller Personalbedarf für Jahrzehnte sind nur zwei verschiedene Planungsprobleme.

7. Wenn jemand jahrelang Klassenleitung macht, ist das nicht längst die echte praktische Prüfung?

Der Einwand ist nachvollziehbar. Echter Unterricht, Klassenführung, Elternkontakte und Schulveranstaltungen sind starke Leistungsnachweise.

Erfahrung kann auch berücksichtigt werden. Beim Auswahlverfahren in Aichi für 2027 können qualifizierte ehemalige Lehrkräfte und erfahrene befristete Lehrkräfte vom Teil Lehrberuf und Allgemeinbildung der ersten Stufe befreit werden. Bestimmte Bewerber für Grund- und Mittelschulen können mit mindestens drei Jahren anrechenbarer Erfahrung und einer Empfehlung der kommunalen Bildungsleitung von der gesamten ersten Stufe befreit werden.[6]

Zwei Jahre Arbeit führen aber nicht automatisch zu einer regulären Stelle. Das Kommunalbeamtenrecht bestimmt außerdem, dass die vorübergehende Ernennung keinen automatischen Vorrang bei der formellen Ernennung gibt.[5]

8. Deshalb ist „so ähnlich wie ein befristeter Vertragsmitarbeiter“ als Vergleich ziemlich gut

Juristisch ist es nicht dasselbe. Strukturell passt es: reguläre Auswahl nicht geschafft, trotzdem Vollzeit, ähnliche Verantwortung, möglicherweise ähnliches Gehalt – aber deutlich weniger Garantie, nach Ende des vorübergehenden Bedarfs weiterbeschäftigt zu werden.

In einer Schule kann diese Verantwortung eine ganze Klasse sein. Dadurch wirkt das von außen besonders drastisch.

9. Fazit — wenn man das System versteht, klingt „weiter antreten und die reguläre Stelle gewinnen“ ziemlich logisch

Die tatsächliche Kette lautet: Lehrbefähigung vorhanden → befristete Vollzeit-Ernennung → viele Aufgaben wie reguläre Lehrkräfte → Klassenleitung möglich → schwächerer langfristiger Beschäftigungsschutz.

Wer eine reguläre Stelle will, sammelt Berufserfahrung, nutzt Sonderauswahlverfahren für Erfahrene und bewirbt sich weiter um die formelle Einstellung.

Die interessantere politische Frage lautet: Wenn befristete Lehrkräfte fast dieselbe Verantwortung tragen, wie stark sollte ihre nachgewiesene Arbeitsleistung beim Übergang in reguläre Stellen zählen?

Quellen

[1] https://www.mext.go.jp/a_menu/shotou/kyoin/main13_a2.htm [2] https://www.pref.aichi.jp/soshiki/kyosyokuin/paperteacher-conference1.html [3] https://www.mext.go.jp/content/20250926-mxt_syoto01-000045031_01.pdf [4] https://www.mext.go.jp/content/20260302-mxt_kyoikujinzai01-000047773_1_1.pdf [5] https://laws.e-gov.go.jp/law/325AC0000000261 [6] https://www.pref.aichi.jp/uploaded/attachment/615359.pdf

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