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Warum Japans Wiedereinstellung nach der Rente so leicht zum Gehalts-Reset wird - Beschreibungsvorschlag:
Japans System zur Wiedereinstellung nach dem Rentenalter soll Arbeitsplätze sichern, wird in der Praxis der Firmen aber oft zum Gehalts-Reset. Wir ordnen das Thema ein: Beschäftigung Älterer, Gehalt nach Dienstalter, Führungsposten, Generationenwechsel, Steuern und Sozialversicherung. - Erwartete Suchbegriffe:
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Was am Wiedereinstellungssystem nicht stimmt
Am japanischen Wiedereinstellungssystem stört einiges ganz gewaltig.
Offiziell klingt es so: Es gibt zu wenige Geburten, die Gesellschaft altert, und Arbeitskräfte fehlen.
Manche kommen mit der Rente allein nicht gut über die Runden.
Also soll man auch nach dem Rentenalter weiterarbeiten können.
Bis hierhin leuchtet es ein.
In der Praxis läuft es aber oft so ab:
- Die Person wird zunächst formal in den Ruhestand versetzt
- Der Titel wird ihr genommen
- Der Arbeitsvertrag wird neu geschlossen
- Das Gehalt wird kräftig gekürzt
- Sie landet in einem Status nahe an Zeitvertrag oder Teilzeit
- Erfahrung und Wissen werden trotzdem genauso genutzt wie zuvor
Anders gesagt: Nach außen heißt es „Beschäftigung sichern", in der Praxis kommt es eher auf „Erfahrung abschöpfen, Gehalt zurücksetzen" hinaus.
Genau das macht das System so unangenehm.
Das Gesetz verlangt nicht „gleiche Bedingungen", sondern „einen Platz zum Arbeiten"
In Japan verpflichtet das Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung Älterer die Unternehmen, Maßnahmen zu ergreifen, die Beschäftigung bis 65 sichern.
Der Weg dorthin ist aber nicht festgelegt.
Unternehmen wählen im Wesentlichen eine dieser Möglichkeiten:
- Das verpflichtende Rentenalter anheben
- Das verpflichtende Rentenalter abschaffen
- Ein System der Weiterbeschäftigung einführen (Wiedereinstellung nach dem Ruhestand)
Wichtig ist: Das Gesetz verlangt nicht, jemanden zu denselben Bedingungen wie vor dem 60. Lebensjahr weiterzubeschäftigen.
Verlangt wird eher, „einen Weg bereitzustellen, auf dem man bis 65 arbeiten kann".
Bis 70 gibt es nur eine Bemühenspflicht. Firmen sollen sich bemühen, mehrere Optionen einzuführen, nicht nur ein höheres Rentenalter: Weiterbeschäftigung, Werkverträge, gemeinnützige Tätigkeiten und Ähnliches.
Das System gibt sich also als Schutz für die Beschäftigten, lässt den Unternehmen aber einen ziemlich großen Spielraum.
Warum Firmen bei der Wiedereinstellung das Gehalt kürzen
Die Logik der Firmen ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.
Das Gehalt kurz vor 60 spiegelt nicht nur den reinen Wert der Tätigkeit wider. Es enthält auch Dinge wie:
- Gehalt nach Dienstalter
- Erhöhungen nach Jahren im Betrieb
- Funktionszulagen
- Familienzulagen
- Nachgezahlte Vergütung für frühere Leistungen
- Die innerbetriebliche Rangordnung
- Eine Gehaltsstruktur, die auf lebenslange Beschäftigung ausgelegt ist
Für ein Unternehmen ist es deshalb eine schwere Last, nach 60 dasselbe Gehalt weiterzuzahlen.
Besonders wenn der Titel wegfällt, der Verantwortungsbereich schrumpft, die Arbeitszeit kürzer wird oder Überstunden entfallen, ist ein niedrigeres Gehalt gut begründbar.
Hier beginnt das Problem.
Es gibt Fälle, in denen Aufgaben und Verantwortung kaum leichter geworden sind, das Gehalt aber trotzdem stark fällt.
Das wirkt unnatürlich.
Warum Unternehmen Posten freimachen wollen
Beim Wiedereinstellungssystem spielt auch die Postenfrage eine Rolle.
Bleiben dieselben Leute nach 60 auf Führungsposten, kommen Jüngere und das mittlere Management nicht voran.
Die Organisation erneuert sich nicht mehr.
Man kann die Posten nicht an die nächste Generation weitergeben.
Dass Firmen mit 60 einen Schnitt machen, indem sie den Führungsposten beenden oder in den Ruhestand schicken, ist daher verständlich.
Problematisch wird es, wenn nur der Titel entfällt, die tatsächliche Verantwortung und das nie aufgeschriebene Wissen aber bei der Person bleiben.
Nehmen wir an, jemand macht nach der Wiedereinstellung weiterhin Folgendes:
- Jüngere anlernen
- Erklären, wie es zu früheren Entscheidungen kam
- Ansprechperson sein, wenn vor Ort etwas schiefläuft
- Zwischen Kunden und Geschäftspartnern vermitteln
- Fachliches und praktisches Know-how weitergeben
- Führungskräfte unterstützen
- Lücken im Tagesgeschäft stopfen
Das ist keine einfache Hilfstätigkeit.
Wenn die Bedingungen trotzdem auf das Niveau eines Berufsanfängers oder einer Teilzeitkraft zurückfallen, wurde nicht „der Posten freigemacht", sondern „der Titel entzogen und die Verantwortung behalten".
Der Staat will, dass du arbeitest. Die Firma will dich billig beschäftigen.
Um dieses System zu verstehen, muss man die Ziele des Staates von denen der Unternehmen trennen.
Der Staat will, dass Ältere arbeiten.
Die Gründe liegen auf der Hand:
- Der Arbeitskräftemangel wird gemildert
- Einkommensteuer und Kommunalsteuer fließen
- Sozialversicherungsbeiträge fließen
- Die Rentenkassen lassen sich leichter entlasten
- Ältere nehmen stärker am gesellschaftlichen Leben teil
- Es entsteht ein Leben, das nicht allein von der Rente abhängt
Die Unternehmen wollen dagegen nicht dauerhaft hohe Gehälter nach Dienstalter tragen.
Ihre Ziele sehen so aus:
- Wir brauchen Leute
- Wir wollen das Wissen der Erfahrenen nutzen
- Aber das hohe Gehalt mit 60 ist eine Last
- Wir wollen Führungsposten freimachen
- Wir wollen Aufstiegschancen für Jüngere offenhalten
- Deshalb wollen wir Gehalt und Rolle bei der Wiedereinstellung neu festlegen
Der Staat sagt also: „Bitte arbeitet weiter."
Die Firma sagt: „Wir beschäftigen euch weiter, wenn es billig ist."
Und die Beschäftigten sagen: „Ich muss leben, und viele andere Möglichkeiten gibt es nicht, also nehme ich es an."
Das Wiedereinstellungssystem ist der Kompromiss zwischen diesen drei Seiten.
Der Kern: „Beschäftigung gesichert, Bedingungen zurückgesetzt"
Der Kern des Wiedereinstellungssystems lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Die Beschäftigung wird gesichert.
Die Bedingungen werden nicht geschützt.
Genau das ist das Unbehagen an dem System.
Wenn Arbeitszeit und Verantwortung wirklich stark sinken, ist ein niedrigeres Gehalt natürlich nicht von vornherein unvernünftig.
In der Realität wird aber manchmal weiterhin Erfahrung, Urteilsvermögen, Anleitung von Jüngeren, nicht aufgeschriebenes Wissen und die Bereitschaft erwartet, Lücken vor Ort zu stopfen.
Dann nutzt das Unternehmen den Wert des Veteranen.
Und kürzt trotzdem das Gehalt mit der Begründung „weil es eine Wiedereinstellung ist".
Das ist ein „Rentenalter-Rabatt", und das ist „Erfahrung abschöpfen, Gehalt zurücksetzen".
Was wirklich nötig ist: Stellen für ältere Fachkräfte gestalten
Nötig ist weder, das Gehalt von vor dem Ruhestand einfach beizubehalten, noch, alle auf Teilzeitniveau zu drücken.
Nötig ist, die Aufgaben älterer Fachkräfte sauber zu gestalten.
Denkbar sind zum Beispiel diese Rollen:
- Zuständig für die Ausbildung Jüngerer
- Zuständig für die Weitergabe von Fachwissen
- Berater vor Ort
- Zuständig für die Vorbeugung von Störungen
- Zuständig für die Vereinheitlichung von Arbeitsabläufen
- Fachkraft mit kurzer Arbeitszeit
- Seniorenstelle mit regionaler Begrenzung
- Assistenz für Führungskräfte
Für jede Rolle werden Aufgaben, Verantwortung, Arbeitszeit und Gehalt klar festgelegt.
Es muss nicht dasselbe sein wie vor dem Ruhestand.
Aber wer Erfahrung und Verantwortung nutzt, muss auch einen entsprechenden Preis dafür zahlen.
Fazit: Warum die Wiedereinstellung so leicht zum Gehalts-Reset wird
Das Wiedereinstellungssystem selbst ist nicht schlecht.
Dass es auch nach dem Rentenalter Arbeitsplätze gibt, hat für Beschäftigte und Gesellschaft Bedeutung.
Je nach Handhabung kann es aber ziemlich einseitig zugunsten der Firma ausfallen.
Besonders problematisch sind Fälle wie diese:
- Die Arbeit ist fast dieselbe
- Die Verantwortung hat sich kaum geändert
- Von den Betroffenen werden weiterhin Anleitung Jüngerer und die Weitergabe von nicht aufgeschriebenem Wissen verlangt
- Trotzdem fallen die Bedingungen stark
Dann ist die Wiedereinstellung keine „Sicherung der Beschäftigung", sondern „Erfahrung abschöpfen, Gehalt zurücksetzen".
Der Staat will, dass Ältere arbeiten.
Die Unternehmen wollen nicht dauerhaft hohe Gehälter nach Dienstalter zahlen.
Die Beschäftigten müssen arbeiten, um zu leben.
Das Wiedereinstellungssystem besteht am Schnittpunkt dieser drei Seiten.
Gerade deshalb reicht es nicht zu sagen: „Hauptsache, es gibt einen Platz zum Arbeiten."
Man muss fragen, was man der Person überträgt, welche Verantwortung sie trägt und wie viel sie dafür bekommt.
Das Problem der Wiedereinstellung ist nicht, dass sie Ältere arbeiten lässt.
Das Problem ist, dass sie die Erfahrung nutzt und gleichzeitig den Preis zurücksetzt.
FAQ
Ist die Wiedereinstellung illegal?
Nein, das System der Wiedereinstellung ist an sich nicht illegal.
Nach dem Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung Älterer ist die Weiterbeschäftigung eine der Maßnahmen, mit denen Beschäftigung bis 65 gesichert wird.
Gibt es aber einen unangemessenen Unterschied bei den Bedingungen im Verhältnis zu Aufgaben und Verantwortung, kann das im Einzelfall zum Problem werden.
Ist ein Gehaltsrückgang nach dem Rentenalter unvermeidlich?
Ändern sich Arbeitszeit, Verantwortung, Titel und Aufgaben stark, lässt sich ein niedrigeres Gehalt erklären.
Bleiben Arbeit und Verantwortung aber fast gleich und das Gehalt sinkt kräftig, ist das schwer zu akzeptieren.
Was wäre eigentlich richtig?
Ältere Fachkräfte nicht als „billige Hilfskräfte" behandeln, sondern echte Aufgaben wie Ausbildung, Wissensweitergabe, Vereinheitlichung von Abläufen und Unterstützung vor Ort gestalten und das Gehalt an dieser Rolle ausrichten.

