Manche Arbeitsplätze sind selbst nach Feierabend noch im Kopf präsent. Die Gespräche, Konflikte und anstrengenden Besprechungen laufen innerlich weiter.
Und dann muss man plötzlich nicht mehr dorthin. Der Druck lässt erstaunlich stark nach.
Sind die schwierigen Kollegen netter geworden? Sind die Probleme gelöst? Wurden alle unnötigen Meetings gestrichen?
Wahrscheinlich nicht.
Man selbst muss einfach nicht mehr hin.
Büro: „In der heutigen Folge gibt es wieder Streit!“ Ehemaliger Mitarbeiter: „Tut mir leid, ich gehöre nicht mehr zur Besetzung.“
Die alte Schule macht auch nach deinem Abschluss weiter
In der Schulzeit können Streit in der Klasse oder die Laune einer Lehrkraft riesige Themen sein. Sie bestimmen gefühlt den ganzen Alltag.
Nach dem Abschluss kommen neue Schüler, Klassen werden neu zusammengestellt, Lehrer wechseln und neue Konflikte entstehen.
Wenn jemand erzählt: „Du glaubst nicht, was gerade in deiner alten Klasse los ist!“, kann man ganz entspannt antworten:
„Ich bin da doch längst nicht mehr.“
Die Schule ist nicht plötzlich konfliktfrei geworden. Man nimmt nur nicht mehr an ihrem täglichen Geschehen teil.
Die Serie im Büro braucht kein Finale
Auch nach einer Kündigung laufen Besprechungen weiter, neue Leute werden eingestellt und der nächste Streit lässt nicht lange auf sich warten.
Zweite Staffel. Dritte Staffel. Vielleicht sogar ein Spin-off, das niemand bestellt hat.
Doch man muss nicht für jede neue Folge zur Verfügung stehen.
Nicht jedes Problem muss verschwinden, damit es einen nicht mehr belastet. Manchmal reicht es, aus der Situation herauszukommen, in der man ständig damit zu tun hatte.
Nicht jeder Stress lässt sich wegentspannen
Bei Belastung im Beruf bekommt oft die einzelne Person Ratschläge: mehr Gelassenheit, besser abschalten, am Wochenende ordentlich erholen.
Das kann helfen. Wenn dieselben Bedingungen jeden Tag neuen Stress erzeugen, reicht es aber möglicherweise nicht.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, neben persönlicher Unterstützung auch die Arbeitsbedingungen selbst zu verbessern und Risiken am Arbeitsplatz zu reduzieren. [1] Auch das US-Institut NIOSH stellt das Beseitigen belastender Bedingungen in den Vordergrund. [2]
Wer in einem verrauchten Zimmer sitzt, braucht nicht nur Atemübungen, sondern womöglich einen Ausgang.
Natürlich ist Kündigen nicht immer die richtige Antwort. Ein Teamwechsel, andere Arbeitsabläufe oder klare Grenzen können ebenfalls etwas ändern.
Entscheidend ist, überhaupt wählen zu können
Die Erleichterung nach dem Abschied ist groß. Noch wichtiger ist die Erkenntnis: Der Ort, an dem man gerade ist, muss nicht der Ort für immer sein.
Ein Wechsel ist nicht für alle sofort möglich. Einkommen, Verträge und Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen bleiben wichtig. Wegzugehen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben.
Aber wer weiß, dass sich Alternativen vorbereiten lassen, fühlt sich heutigen Problemen weniger ausgeliefert.
Die nächste Staffel läuft ohne dich
Die alte Schule beginnt ein neues Schuljahr. Die ehemalige Firma produziert weiterhin ihre täglichen Geschichten.
Sollen sie ruhig.
Ihre Geschichte geht weiter. Deine auch – nur an einem anderen Ort.
Man muss eine Serie nicht bis zum Ende ansehen, wenn man längst ausgestiegen ist.
Quellen: [1] Weltgesundheitsorganisation, Mental health at work: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/mental-health-at-work [2] CDC/NIOSH, Hierarchy of Controls: https://www.cdc.gov/niosh/twh/php/hierarchy/

