0. Kurz gesagt: Das Eigenheim zählt als Vermögen, aber die Spar-Mediane von 41,12 Mio. Won ist nicht der Hauswert
Stellt man Sparzahlen junger Haushalte aus Japan, China, Südkorea und den USA nebeneinander, fällt Südkorea sofort auf.
Naheliegende Fragen sind: „Sparen die wirklich so viel?“, „verdienen sie deutlich mehr?“ oder „ist die Zahl nur so hoch, weil ein gekauftes Haus als Vermögen mitgerechnet wird?“
Die letzte Vermutung stimmt nur teilweise.
Das selbst genutzte Eigenheim wird in Südkorea als Sachvermögen erfasst und kann das Bruttovermögen stark erhöhen. In der Haushaltsfinanz- und Wohlfahrtserhebung 2024 hatten Haushalte mit einer 30- bis 39-jährigen Referenzperson jedoch einen durchschnittlichen Sparbestand von 70,79 Mio. Won und einen Median von 41,12 Mio. Won. Das Eigenheim selbst steckt nicht in dieser Sparzahl.[1]
Außerdem ist dies eine Haushaltsstatistik, kein Kontostand einer einzelnen Person.
1. „Sparen“ bezeichnet in den vier Ländern nicht dasselbe
| Land | Gruppe | Mittelwert | Median | Gemessen wird |
|---|---|---|---|---|
| Japan | 20er, Einpersonenhaushalt | 2,55 Mio. Yen Finanzvermögen | 0,37 Mio. Yen | Einlagen, Aktien, Fonds usw. |
| Japan | 30er, Einpersonenhaushalt | 5,01 Mio. Yen | 1,00 Mio. Yen | Gleich |
| Südkorea | Referenzperson ≤29 | 34,00 Mio. Won | 18,90 Mio. Won | Sparen im weiten Sinn |
| Südkorea | Referenzperson 30–39 | 70,79 Mio. Won | 41,12 Mio. Won | Weite Spar-Definition |
| USA | Referenzperson <35 | 20.540 USD | 5.400 USD | Transaktionskonten |
| USA | Referenzperson 35–44 | 41.540 USD | 7.500 USD | Gleich |
| China | Referenzperson ≤34 | Ø 58.172 Yuan Einlagen | Nicht verifiziert | Einlagen, 2019 |
| China | Referenzperson 35–44 | Ø 51.240 Yuan | Nicht verifiziert | Gleich |
Es sind unterschiedliche statistische Kästen.
2. Die koreanische Spar-Kategorie ist viel breiter als Bankguthaben
저축액 umfasst Bargeld und Einlagen, aber auch Fonds, Sparversicherungen, Aktien, Anleihen, Futures und Optionen.[1][2]
Ein Median von 41,12 Mio. Won bedeutet deshalb nicht, dass dieser Betrag auf einem normalen Sparkonto liegt.
Mietkautionen werden separat als Finanzvermögen erfasst.
2024 besaßen Haushalte mit 30- bis 39-jähriger Referenzperson im Durchschnitt 141,71 Mio. Won Finanzvermögen: 70,79 Mio. Won Sparvermögen und 70,92 Mio. Won Mietkautionen.[1]
3. Trotzdem ist es nicht nur ein Definitions-Trick
Für 30–39-jährige Haushalte im Jahr 2024:
- Sparvermögen: Ø 70,79 Mio. Won, Median 41,12 Mio.
- Einlagen-/anlageähnliches Sparvermögen: Ø 66,71 Mio., Median 40,00 Mio.
- Finanzvermögen insgesamt: Ø 141,71 Mio., Median 83,60 Mio.
Auch ohne Eigenheim sind die Finanzbeträge erheblich.[1]
Aber die Einheit ist der Haushalt. Ein Doppelverdiener-Paar und ein Einpersonenhaushalt können in derselben Altersgruppe liegen.
4. Zählt ein gekauftes Haus als Vermögen? Ja, und zwar stark
Südkorea trennt Finanz- und Sachvermögen. Immobilien einschließlich der Hauptwohnung gehören zum Sachvermögen.[1][2]
2024 bei Haushalten mit Referenzperson 30–39:
- Durchschnittliches Sachvermögen: 220,04 Mio. Won
- 35,4 % besaßen ihre Wohnung
- Medianer Wohnungswert unter Eigentümern: 340 Mio. Won
- Durchschnittlicher Wohnungswert über alle Haushalte der Gruppe: 141,10 Mio. Won
Das Eigenheim kann das Bruttovermögen also deutlich erhöhen.
Hypothekenschulden werden separat als Verbindlichkeiten erfasst. Bruttovermögen ist nicht Nettovermögen.
5. Eine Jeonse-Kaution ist kein Haus, aber auch kein frei verfügbares Bargeld
Große Mietkautionen, besonders beim Jeonse-System, sind ein wichtiger koreanischer Sonderfall.
Sie zählen zum Finanzvermögen.[1][2]
2024 hatten 58,1 % der Haushalte im Alter 30–39 eine Mietkaution; der Median unter den Haltern lag bei 87 Mio. Won.[1]
Ein hoher Finanzvermögensbetrag bedeutet daher nicht, dass alles morgen ausgegeben werden kann.
Ein Teil kann im Wohnen gebunden sein.
6. Verdienen koreanische Dreißiger viel? Das Haushaltseinkommen ist hoch, aber kein persönliches Gehalt
In der Erhebung 2024 lag das Jahreseinkommen 2023 der Haushalte mit Referenzperson 30–39 bei:
- Mittelwert 71,99 Mio. Won
- Median 61,75 Mio. Won
- Verfügbares Einkommen im Mittel 58,38 Mio. Won
- Median des verfügbaren Einkommens 50,79 Mio. Won.[1]
Die offizielle Zeitreihe für junge Haushalte zeigt in der Erhebung 2025 für 30–39 Jahre 73,86 Mio. Won im Mittel und 62,19 Mio. Won Median.[3]
Das Haushaltseinkommen ist also durchaus hoch.
Es ist aber nicht das Durchschnittsgehalt einer einzelnen Person. Einkommen des Partners, Selbstständigkeit und Vermögenseinkommen können enthalten sein.
7. Auch in Japan ist „fast niemand in den Dreißigern hat 10 Mio. Yen“ übertrieben
J-FLEC 2025 weist für japanische Einpersonenhaushalte in den Dreißigern durchschnittlich 5,01 Mio. Yen Finanzvermögen, einen Median von 1 Mio. Yen und durchschnittliche Einlagen von 2,37 Mio. Yen aus.[4]
Die Gruppen ab 10 Mio. Yen ergeben zusammen 15,7 %.
Das ist ungefähr jeder sechste bis siebte Haushalt.
Eine Minderheit, aber keineswegs „fast niemand“.
Ab 4 Mio. Yen ergeben die veröffentlichten Klassen ungefähr 27 %. „4 Mio. Yen ist schon recht weit oben“ passt daher besser.
8. China und die USA haben ihre eigenen Definitionsfallen
Die jüngste umfassende US-Haushaltserhebung ist weiterhin die Survey of Consumer Finances 2022 der Federal Reserve.[5]
Familien mit Referenzperson unter 35 hielten auf Transaktionskonten durchschnittlich 20.540 USD, Median 5.400 USD. Bei 35–44 Jahren waren es 41.540 USD im Mittel und 7.500 USD Median.
Das ist nicht das Gesamtvermögen.
Für China zeigt eine Auswertung von CHFS 2019 durchschnittliche Einlagen von 58.172 Yuan bei Haushalten mit Referenzperson bis 34 und 51.240 Yuan bei 35–44.[6]
Ein vergleichbarer Median ließ sich in den hier verwendeten öffentlichen Unterlagen nicht verifizieren.
CHFS stellt Forschungsdaten offiziell bis 2021 bereit; die Erhebungen 2023 und 2025 waren laut jüngster offizieller Auskunft noch nicht allgemein veröffentlicht.[7]
9. Fazit: Die koreanischen Zahlen sind groß, aber nicht weil der Hauspreis als „Sparen“ getarnt wird
„Verdienen koreanische Haushalte in ihren Dreißigern viel?“
Das Haushaltseinkommen ist hoch, aber kein Einzelgehalt.
„Zählt das Eigenheim als Vermögen?“
Ja, als Sachvermögen.
„Enthält der Spar-Median von 41,12 Mio. Won das Haus?“
Nein.
„Ist das also alles Bankguthaben?“
Auch nein. Anlagen und Versicherungen gehören zur Definition.
Die präziseste Lesart lautet: Koreanische Haushalte mit 30- bis 39-jähriger Referenzperson besitzen auch ohne Eigenheim beträchtliches Finanzvermögen, sind aber nicht direkt mit japanischen Einpersonenhaushalten vergleichbar. Immobilien prägen das Gesamtvermögen stark, Mietkautionen wiederum das Finanzvermögen.
Bevor man fragt, welches Land mehr spart, sollte man fragen:
„Was hat diese Statistik eigentlich in die Schachtel mit der Aufschrift Sparen gepackt?“
Quellen
https://www.j-flec.go.jp/data/kakekin_2025/
https://www.kostat.go.kr/boardDownload.es?bid=215&list_no=434107&seq=4
https://www.mods.go.kr/board.es?act=view&bid=215&list_no=439535&mid=a10301040300
https://www.federalreserve.gov/econres/scfindex.htm
https://oss.aisixiang.com/download/314218a078a3beadefc8968e60daab77.pdf
https://chfs.swufe.edu.cn/sjzx/sjsq.htm
Quellen (7)
- Südkorea, Household Finance and Welfare Survey 2024
- Südkorea, Household Finance and Welfare Survey 2025
- Koreanischer Nationalindikator, Einkommen junger Haushalte
- J-FLEC, Household Financial Behavior Survey 2025
- U.S. Federal Reserve, Survey of Consumer Finances 2022
- Altersanalyse mit CHFS 2019
- China Household Finance Survey, Datenzugang


