Warum Firmenfeiern und Kollegen-Besäufnisse so auslaugen: die "Arbeit im Privatkostüm"

Viele Menschen tun sich mit Firmenveranstaltungen und gemeinsamen Trinkabenden schwer.

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Suchbegriffe

  • Keine Lust auf die Firmenfeier
  • Keine Lust auf den Kneipenabend mit den Kollegen
  • Gebeten werden, Kollegen nach der Feier nach Hause zu fahren
  • Firmenveranstaltung "freiwillig", aber schwer abzulehnen
  • Verpflichtende Firmenveranstaltungen sind anstrengend
  • Im Büro als Mädchen für alles behandelt werden
  • Wie lehne ich Fahrdienste nach einer Firmenfeier ab
  • Wie sage ich eine Firmenveranstaltung ab
  • Keine Lust auf Firmenveranstaltung am freien Tag
  • Grenze zwischen Privatleben und Arbeit

Einleitung: Vielleicht hasst du gar nicht die Firmenfeiern, sondern das Gefühl, als Mädchen für alles benutzt zu werden

Viele Menschen tun sich mit Firmenveranstaltungen und gemeinsamen Trinkabenden schwer.

Aber der Grund ist vielleicht nicht einfach "Ich mag keine Geselligkeit" oder "Ich will nicht mit Leuten von der Arbeit reden".

Was wirklich schlaucht, ist, dass Firmenfeiern und Trinkabende unbemerkt zu einer seltsamen Last werden, die weder Arbeit noch Privatleben ist.

Zum Beispiel:

  • Man soll gleich gebeten werden, nach der Feier Leute heimzufahren
  • Wer ein Auto hat, wird wie ein Gratis-Taxi behandelt
  • Jemand steht im Morgengrauen auf, um Plätze zu reservieren
  • Anfeuern und Dabeisein werden als "alle packen mit an" verkauft
  • Wenn man ablehnt, wird die Stimmung vermutlich kippen
  • Es soll freiwillig sein, aber es fühlt sich an, als wären die, die nicht kommen, im Unrecht
  • Es ist keine Arbeit, aber man bekommt eine Verantwortung wie bei der Arbeit

Spätestens da ist es keine gewöhnliche Firmenveranstaltung mehr.

Das ist Arbeit im Privatkostüm (in Japan nennen manche es "als Privatsache getarnte Arbeit").

Wenn es Arbeit ist, dann bitte mit Arbeitszeit, einem Verantwortlichen, klaren Anweisungswegen, Vergütung und Rücksicht auf die Sicherheit. Wenn es privat ist, dann bitte wirklich freiwillig, sodass ein Nein kein Problem ist.

In der Realität entsteht aber genau dazwischen eine Stimmung aus Sätzen wie diesen:

Ist keine Arbeit, aber hilf doch mal mit Ist freiwillig, aber du kommst doch, oder? Ist deine Freizeit, aber setz dich mal für die Firma ein Wenn du eh fährst, nimm mich doch mit

Diese Unschärfe zehrt an den Leuten.


Fazit: Anstrengend ist nicht die "Veranstaltung", sondern eine Last, die weder Arbeit noch freiwillig ist

Dass Firmenfeiern und Trinkabende auslaugen, liegt nicht an der Veranstaltung selbst.

Der Kern ist dieser:

Berufliche Verantwortung und private Gutmütigkeit werden nach Belieben und zum eigenen Vorteil vermischt.

Arbeit sollte man als Arbeit behandeln. Freiwilliges sollte man als Freiwilliges behandeln.

Bei Firmenfeiern und Trinkabenden verschwimmt diese Grenze aber.

Normalerweise hört man:

Das ist Arbeit Das ist die Organisation Das sind die Regeln Übernimm Verantwortung

Und sobald es eine Firmenfeier oder ein Trinkabend ist, kippt der Ton plötzlich:

Wir packen alle mit an Wenn wir schon mal die Gelegenheit haben Du kannst doch kommen, oder? Nimm mich auf dem Weg doch mit Reservier uns doch Plätze Komm wenigstens zum Anfeuern

Genau das schlaucht.

Wer Verantwortung wie bei der Arbeit verlangt, muss es auch als Arbeit behandeln. Wer es als freiwillige Veranstaltung behandelt, muss die Freiheit zum Ablehnen lassen.

In diesem Zwischenzustand werden nur der freie Tag, das Auto, die Zeit und die Kraft des Einzelnen verbraucht. Das ist "Arbeit im Privatkostüm".


Auch wenn man von einer "Frage der Verantwortung" spricht: Es ist von Anfang an nur eine Veranstaltung

Das Lästige an Firmenveranstaltungen ist, dass sie, sobald es unbequem wird, plötzlich wie eine "Frage der Verantwortung" behandelt werden.

Nehmen wir jemanden, der nicht mehr an der Veranstaltung teilnehmen kann und:

  • den Teilnahmebeitrag bezahlt hat
  • eine Vertretung gesucht hat
  • das Einverständnis der Vertretung eingeholt hat
  • die Formalitäten innerhalb der Änderungsfrist erledigt hat
  • die nötigen Erklärungen gegeben hat

Angenommen, all das ist geschehen.

Dann hat diese Person schon ziemlich viel getan.

Und trotzdem hört sie am Tag selbst oder am Tag davor:

Was ist da eigentlich los? Hast du die Übergabe etwa nicht richtig gemacht? Das bringt uns hier in Schwierigkeiten, weißt du Übernimm gefälligst die Verantwortung

Das fühlt sich falsch an.

Denn das ist von Anfang an keine Arbeit, sondern eine Veranstaltung.

Natürlich braucht es Rücksicht, damit man anderen keine Umstände macht. Ohne Bescheid wegzubleiben oder alles komplett liegen zu lassen, ist nicht in Ordnung.

Aber wer den Beitrag bezahlt, eine Alternative angeboten, die Formalitäten erledigt und alles erklärt hat, hat weit mehr als das Minimum getan.

Wenn man darüber hinaus noch mehr als "Verantwortung" fordert, ist es keine Veranstaltung mehr, sondern Arbeit.

Ist es Arbeit, dann bitte mit Arbeitszeit, Verantwortlichem, Anweisungswegen, Vergütung und Steuerung durch das Unternehmen. Ist es eine Veranstaltung, darf man das nicht in dem Maß einer einzelnen Person aufbürden.

Sie tritt als Veranstaltung auf, aber sobald es unbequem wird, verlangt man Verantwortung wie bei der Arbeit.

Genau das schlaucht.


Wer seinen Teil getan hat, dem darf man nicht auch noch das Chaos am Tag selbst aufladen

Bei Problemen mit einer Firmenveranstaltung kommt es darauf an, die Zuständigkeiten sauber zu trennen.

Was die Person tun sollte, die nicht teilnehmen kann, ist zum Beispiel:

  • Früh Bescheid geben
  • Entscheiden, was mit dem Teilnahmebeitrag passiert
  • Eine Vertretung suchen
  • Falls es eine Änderungsfrist gibt, die Formalitäten innerhalb der Frist erledigen
  • Die nötigen Erklärungen geben

So ungefähr.

Wer das alles getan hat, steht ziemlich sauber da.

Wenn dagegen die Vertretung, die zugesagt hatte, am Vortag ins Wanken gerät, ist das ein anderes Thema.

Wer nicht teilnehmen kann, muss nicht ewig die Gefühle des anderen am Tag selbst, die Telefonate, das Durcheinander vor Ort oder gar den Dienstplan des anderen mittragen.

Wenn man das vermischt, wird einem nach und nach immer mehr aufgeladen:

Dass die Vertretung wackelt, ist auch deine Verantwortung Dass wir heute in der Klemme stecken, ist auch deine Verantwortung Dass man dich nicht erreicht, ist auch deine Verantwortung Dass die Veranstaltung nicht rundläuft, ist auch deine Verantwortung

Aber das ist keine Verantwortung, sondern abgewälztes Chaos am Tag selbst.

Wer seinen Teil getan hat, soll nicht auch noch das ganze Geschehen vor Ort schultern müssen.


Fahrdienste nach dem Trinkabend werden schnell zum "Gratis-Taxi"

Besonders anstrengend bei Firmenfeiern und Trinkabenden ist das Heimfahren der Leute.

Man hat ein Auto. Man trinkt nicht. Man kann schlecht Nein sagen. Man wohnt in der Nähe. Wenn man gebeten wird, bringt man es nicht übers Herz abzulehnen.

Solche Leute werden bei Trinkabenden mühelos zum Gratis-Taxi.

Nimm mich doch auf dem Weg mit Kannst du mich auf dem Rückweg heimfahren? Den da bitte auch Du trinkst ja nicht, also passt das doch, oder? Ist doch bei dir um die Ecke, das geht schon, oder?

Dieses "auf dem Weg" ist gefährlich.

Fahrdienste kosten Zeit, Mühe, Spritgeld, Unfallrisiko und Verantwortung. Und nach einem Trinkabend ist der Fahrgast womöglich betrunken.

Das ist keine einfache Gefälligkeit mehr. Das ist eine ziemlich schwere Rolle.

Trotzdem wird man ganz beiläufig darum gebeten, mit "wenn wir schon dabei sind", "das würde uns echt helfen" und "für alle".

Das ist es, als Mädchen für alles benutzt zu werden.

Ist es Arbeit, sollte es als Arbeit behandelt werden. Ist es privat, sollte man ablehnen dürfen.

In diesem Zwischenbereich nur die Gutmütigkeit derer auszunutzen, die schlecht Nein sagen können, ist ziemlich unfair.


Plätze reservieren, Anfeuern, Mitgliederzahl auffüllen: Wer will, und wer mitgezogen wurde, gehört getrennt

Bei Firmenveranstaltungen kommen auch Anfeuern und Platzreservieren häufig vor.

Manche reservieren schon frühmorgens Plätze. Manche gehen zum Anfeuern. Manche freuen sich richtig auf die Veranstaltung.

Das ist an sich nichts Schlechtes.

Wenn die, die wollen, es tun, ist das ihre Freiheit.

Das Problem ist, diese Begeisterung von allen zu verlangen.

Leute, die von sich aus mitmachen wollen. Leute, die Veranstaltungen mögen. Leute, die anfeuern wollen. Leute, die Plätze reservieren wollen.

Diese Leute können sich mit ihrer eigenen Begeisterung bewegen.

Aber Leute eigenmächtig mitzuzählen und selbst die, die eigentlich nicht hinwollen, mit derselben Begeisterung hineinzuziehen, ist nicht in Ordnung.

Alle gehen hin, weißt du? Du könntest wenigstens zum Anfeuern kommen, oder? Es gibt Leute, die Plätze reservieren, weißt du? Teilnehmen ist doch normal, oder?

So eine Stimmung ist wirklich belastend.

Wer freiwillig bei der Veranstaltung mitmacht, und wer einfach auf die Liste gesetzt wurde, hat völlig andere Voraussetzungen.

Wenn man das vermischt, wird die Firmenveranstaltung im Handumdrehen zu einem Sportfest voller Löcher, lieblos zusammengeschustert.


Dein freier Tag und deine Nerven sind mehr wert als 1000 Yen Teilnahmebeitrag

Bei Firmenveranstaltungen ist der Teilnahmebeitrag manchmal gering.

Zum Beispiel 1000 Yen.

Nur auf den Betrag geschaut, ist das nicht viel.

Aber was man wirklich verliert, sind nicht nur 1000 Yen.

  • Die Zeit am freien Tag
  • Den Schlaf am Morgen
  • Die Fahrzeit
  • Die Kraft am Tag selbst
  • Die Laune am Vortag
  • Den Stress durch die Beziehungen am Arbeitsplatz
  • Antworten auf LINE (der in Japan meistgenutzte Messenger)
  • Telefonate am Tag selbst
  • Das unangenehme Gefühl, als Mädchen für alles behandelt zu werden

All das kommt obendrauf.

Deshalb ist es manchmal billiger, die 1000 Yen zu zahlen und sich zurückzuziehen.

Das ist kein "Geld verbrennen".

Man kauft sich eine Grenze.

Wenn man nur den Umstand betrachtet, dass man nicht hingeht, wirkt es vielleicht ein wenig nach Fehlverhalten. Aber wer den Beitrag bezahlt, eine Vertretung organisiert und die Formalitäten erledigt hat, hat die Sache ziemlich sauber gelöst.

Man muss nicht die volle Punktzahl holen.

Man muss seinen Schlaf, seinen freien Tag und seine Nerven nicht an ein Sportfest voller Löcher spenden.


Die Struktur, die Firmenveranstaltungen anstrengend macht

Die Struktur, durch die Firmenveranstaltungen anstrengend werden, läuft meist ungefähr so ab:

  1. Die Firma oder die Abteilung plant eine Veranstaltung
  2. Offiziell ist die Teilnahme freiwillig
  3. In Wirklichkeit werden aber Teilnehmerzahl, Stimmung und Mithilfe erwartet
  4. Es entsteht eine Atmosphäre, in der die, die nicht kommen, im Unrecht sind
  5. Fahrdienste, Platzreservierung und Koordination bleiben an einigen wenigen hängen
  6. Bei Problemen spricht man plötzlich von "Verantwortung"
  7. Aber es gibt weder eine Steuerung wie bei der Arbeit noch eine Vergütung
  8. Am Ende werden die abgenutzt, die schlecht Nein sagen können, die Netten und die Praktischen

Das ist nicht bloß eine Frage persönlicher Vorlieben.

Es ist ein Konstruktionsproblem.

Wenn man es nicht als Arbeit behandelt, sollte man nicht zu viel Verantwortung verlangen. Wenn man es als freiwillig behandelt, sollte man es so gestalten, dass ein Nein kein Problem ist. Wenn man um Mithilfe bittet, sollte klar sein, wer was bis wohin macht.

Ohne diese Gestaltung nur mit "Wir packen alle mit an" zu arbeiten, zehrt die Gutmütigkeit am Arbeitsplatz auf.


Grundsätze fürs Absagen

Wenn du eine Firmenveranstaltung oder einen Trinkabend ablehnst, ist es wichtig, nicht zu viel zu erklären.

Wer zu viel erklärt, liefert dem Gegenüber Argumente zum Kontern.

Wenn du zum Beispiel sagst:

An dem Tag habe ich etwas vor Ich muss früh raus Ich bin in letzter Zeit müde Das Auto kann ich auch nicht nehmen Und gesundheitlich bin ich auch nicht ganz fit

kann die Antwort lauten:

Dann nur kurz Du kannst auch später dazukommen Dann wenigstens nur fahren Zeig dich wenigstens kurz

Deshalb reicht es grundsätzlich, sich kurz zu fassen.

Die Teilnahme ablehnen

Ich habe schon etwas vor und nehme deshalb nicht teil. Alles Nötige bitte über den Firmenchat.

Fahrdienste ablehnen

Tut mir leid, ich kann niemanden fahren. Bitte organisiert das künftig grundsätzlich jeder für sich.

Eine arbeitsähnliche Bitte ablehnen

Als Privatsache kann ich das nicht übernehmen. Wenn es dienstlich nötig ist, dann bitte über die Kommunikationswege der Firma.

Telefonate vermeiden

Bitte schreib mir, statt anzurufen.

Das genügt.

Du musst deine Gründe nicht im Detail erklären. Du musst den anderen nicht restlos überzeugen.

Eine Grenze zieht man nicht erst, nachdem der andere zugestimmt hat.


Checkliste: Ist das wirklich eine freiwillige Veranstaltung?

Wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen, ist die Firmenveranstaltung möglicherweise eine Last im "freiwillig"-Gewand.

  • Bei einer Absage wird die Stimmung schlechter
  • Wer nicht teilnimmt, wird getadelt
  • Der freie Tag oder der frühe Morgen wird beansprucht
  • Man wird um Fahrdienste oder Platzreservierungen gebeten
  • Es gibt außer dem Teilnahmebeitrag weitere Belastungen
  • Es könnte sich auf das Ansehen bei den Kollegen auswirken
  • Man soll Verantwortung übernehmen, obwohl es keine Arbeit ist
  • Es wird über den privaten LINE-Chat statt über die Firmenkanäle abgestimmt
  • Es ist unklar, wer verantwortlich ist
  • Nur bei Problemen heißt es "Nun reiß dich mal zusammen"

Je mehr davon zutreffen, desto weniger ist es eine bloße Veranstaltung und desto näher ist es an der Arbeit im Privatkostüm.


Zusammenfassung: Ist es Arbeit, soll die Firma das tun. Ist es freiwillig, soll man ablehnen dürfen.

Dass Firmenfeiern und Trinkabende auslaugen, heißt nicht unbedingt, dass man die Veranstaltung selbst hasst.

Anstrengend ist, dass eine schwammige Last entsteht, die weder Arbeit noch freiwillig ist.

Ist es Arbeit, dann bitte mit Arbeitszeit, Verantwortlichem, Anweisungswegen, Vergütung und Rücksicht auf die Sicherheit. Ist es freiwillig, dann so, dass ein Nein kein Problem ist.

Man wünscht sich eins von beiden.

Wenn man dazwischen hört:

Ist keine Arbeit, aber hilf mit Ist freiwillig, aber komm Ist privat, aber fahr uns Ist nur eine Veranstaltung, aber übernimm die Verantwortung

dann erschöpft das die Menschen.

Das ist keine Veranstaltung, sondern Arbeit im Privatkostüm.

Wer mitmachen will, soll mitmachen. Wer anfeuern will, soll anfeuern. Wer Plätze reservieren will, soll Plätze reservieren.

Aber man muss Leute, die eigenmächtig mitgezählt wurden, oder solche, die leicht als Mädchen für alles benutzt werden, nicht hineinziehen.

Was eine Firmenveranstaltung braucht, ist nicht Begeisterung, sondern Grenzen.

Ist es Arbeit, soll die Firma das tun. Ist es freiwillig, soll man ablehnen dürfen.

Das ist die Grundregel.

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