Es gibt Tage, an denen die übliche Entspannungsmusik vor der Arbeit einfach nicht ankommt.
Sanftes Klavier. Naturgeräusche. Langsame Wohlfühlmusik.
Schlecht ist die natürlich nicht. Aber an Tagen, an denen die Stimmung im Büro schon morgens schwer ist, am Montag vor dem Arbeitsbeginn, an Tagen, an denen die Nerven schon auf roter Lebensleiste laufen, wirkt solche Musik manchmal seltsam fern.
Was dann hilft, sind Kampfstücke mit heiliger Aura aus Spielen wie NieR, Persona, Dark Souls und Monster Hunter.
Das sind nicht einfach nur wilde Stücke. Nicht einfach nur fröhliche Stücke. Auch nicht einfach nur gruselige Stücke.
Es sind heilige Stücke mit Weltuntergangsstimmung und Endboss-Gefühl, in denen sich Seele, Gebet, Entschlossenheit, Erlösung, Zusammenbruch und Neustart mischen.
Was man vor der Arbeit braucht, ist also vielleicht gar nicht „Entspannung", sondern der Wechsel in die zweite Phase.
Wir gehen in Phase zwei! (Boss-Gebrüll, lol)
Das klingt wie ein Scherz, trifft den Kern aber ziemlich gut.
Vor der Arbeit sind die Nerven schon fast im Kampfmodus
Wenn es einem vor der Arbeit schwerfällt, ist der Körper nicht einfach nur „müde" oder „schlapp".
Im Kopf läuft schon der Warnmodus:
- Heute habe ich wieder keine Lust aufs Büro
- Die Stimmung wird bestimmt drückend
- Ich will nicht von irgendeinem komischen Typen angegangen werden
- Bestimmt landet wieder eine Aufgabe auf dem Tisch, von der keiner weiß, wem sie gehört
- Vielleicht wird mein Gruß ignoriert, oder es kommt ein rätselhafter Druck
- Ich will schon morgens nicht diese schwüle Luft zwischenmenschlicher Beziehungen einatmen
Für den Körper ist das ziemlich nah am Zustand „kurz vor dem Kampf".
Wenn man in diesem Zustand plötzlich ein Wohlfühlstück auflegt, reagieren die Nerven manchmal so:
Hallo? Ich gehe nicht an einen Waldbach. Ich gehe zur Arbeit. Das hier ist kein Wellnessbereich, sondern der Nebel vor dem Bossraum.
Es liegt also nicht daran, dass Entspannungsmusik schlecht wäre, sondern daran, dass dein aktuelles Wachheitsniveau nicht zur Energie des Stücks passt.
Der BPM-Wert beeinflusst das vegetative Nervensystem
In der Forschung zu Musik und Körperreaktionen gilt das Tempo als wichtige Variable.
Laut der Studie von Bernardi und Kollegen löst Musik einen Aktivierungseffekt aus, der vor allem mit dem Tempo zusammenhängt. Schnelle Rhythmen steigern Aufmerksamkeit und Wachheit, während langsame Musik und Stille zwischen den Stücken eher Entspannung auslösen.
Musik hängt außerdem mit Reaktionen des vegetativen (autonomen) Nervensystems zusammen, etwa mit Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Hautleitfähigkeit (die Veränderung der Schweißaktivität auf der Haut, mit Sensoren gemessen). Musik mit schnellem Tempo, starken Akzenten und leicht staccatohaftem Charakter (kurze, abgesetzte Töne) lässt Atmung und Puls tendenziell steigen.
Grob gesagt gibt der BPM-Wert (Schläge pro Minute) den Nerven „Geschwindigkeit" vor.
| Gefühlte BPM | Wohin es leicht geht |
|---|---|
| 50 bis 70 | Beruhigung, Müdigkeit, Ruhe |
| 70 bis 90 | Stabilität, Spazierengehen, Gelassenheit |
| 90 bis 120 | Arbeit, Konzentration, Normalbetrieb |
| 120 bis 150 | Wachheit, Aufbruchsstimmung, Sport, Kampfbereitschaft |
| 150 bis 180 | Hochgefühl, Bosskampf, Neustart von der roten Leiste aus |
| Über 180 | Kann zur Überaktivierung werden, bei Lieblingsstücken wird daraus aber Glut und Versunkensein |
Natürlich entscheidet nicht allein der BPM-Wert des Stücks. Auch Lautstärke, Rhythmusstärke, Klangfarbe, Harmonik, Vorlieben und die Erinnerungen, die an dem Stück hängen, spielen eine Rolle.
Trotzdem passt zu Nerven auf roter Leiste vor der Arbeit manchmal ein Stück mit etwas Tempo und Druck besser als ein langsames Beruhigungsstück.
Nicht jedes schnelle Stück, sondern das „heilige" Kampfstück wirkt
Wichtig ist: Schnell allein reicht nicht.
Ein Stück, das nur laut ist. Ein Stück, das nur aggressiv ist. Ein Stück, das nur einen hohen BPM-Wert hat.
An Tagen mit roter Leiste können solche Stücke sogar mehr ermüden.
Heilige Kampfstücke dagegen haben neben Tempo und Druck auch Bedeutung.
Zum Beispiel:
- Persona-Stil: Seele, Urteil, Tod, Entschlossenheit
- NieR-Stil: Weltende, Gebet, Opfer, Erlösung
- Dark-Souls-Stil: Untergang, Feuer, Könige, Nachfolge, der letzte Kampf
- Uralte Drachen aus Monster Hunter (riesige, fast göttliche Monster): gewaltige Natur, Göttlichkeit, Katastrophe, Gegenüberstehen
Solche Stücke heben nicht nur die Stimmung.
Sie verwandeln den kleinlichen Alltagsstress in eine riesige Geschichte.
Die Realität vor der Arbeit ist ziemlich armselig.
Der Gruß wird nicht erwidert. Schon morgens hängt schwere Luft im Raum. Es gibt einen rätselhaften Anpassungsdruck. Es herrscht diese feuchte Stimmung wie nach einem Schul-Marathon. Es fühlt sich an, als finge gleich die Selbstkritik-Runde des Affenrudels an.
Unangenehm ist das, aber als Geschichte zu schwach. Man wird nur Stück für Stück abgenutzt.
Doch wenn ein heiliges Kampfstück läuft, ändert sich die Bedeutung, die man im Kopf den Dingen gibt.
Das ist kein gewöhnlicher Arbeitsweg. Das ist der Dienstantritt der Seele. Das ist die Verwandlung in die zweite Phase. Heute durchquere ich nur den Nebel vor dem Endboss. Das ist kein Affenfelsen, sondern eine Bühne der Mythologie.
Diese Umdeutung ist ziemlich stark.
Iso-Prinzip: Mit der Musik beginnen, die zum jetzigen Zustand passt
In der Musiktherapie gibt es die Idee des Iso-Prinzips (iso principle).
Einfach gesagt: Man legt nicht gleich die Musik des Wunschzustands auf, sondern wählt zuerst Musik, die zur aktuellen Stimmung und zum Wachheitsgrad passt, und wechselt von dort langsam in den gewünschten Zustand.
Wenn man einem wütenden Menschen zum Beispiel plötzlich ein friedliches Stück vorspielt, kommt das Gemüt manchmal nicht mit. Dann ist es natürlicher, mit einem Stück anzufangen, das der Wut oder Aufgewühltheit nahe ist, und allmählich zu ruhigeren überzugehen.
Heilige Kampfstücke vor der Arbeit funktionieren ähnlich.
Wenn die Leiste schon morgens rot ist und man sich mit einem Entspannungsstück bei 60 BPM sofort herunterziehen will, verweigern die Nerven das.
Besser passt diese Treppe:
- Mit einem heiligen Kampfstück das aktuelle Wachheitsniveau treffen
- Die Gefühle verbrennen
- Danach zu einem etwas erhabenen, ruhigeren Stück wechseln
- Zum Schluss zur Musik für den normalen Betrieb zurückkehren
Musik vor der Arbeit ist keine „Entspannung", sondern ein „Formwandel"
Was man vor der Arbeit braucht, ist nicht unbedingt Entspannung.
Im Gegenteil: An manchen Tagen kommt man nicht mehr in Gang, wenn man zu entspannt ist.
An Arbeitstagen muss der Körper vom „Pflanzenfressermodus" in den „Modus für die Außenwelt" wechseln. Aber nicht, indem man aus Wut oder Angst planlos losstürmt, sondern indem man mit einem heiligen Kampfstück die Haltung ordnet.
Das ähnelt einem Formwandel durch Musik.
Erste Phase: Bett, Zuhause, Pflanzenfressermodus
↓
Heiliges Kampfstück
↓
Zweite Phase: Modus für die Arbeit
↓
Ab ins Büro
↓
Mit der endlosen Grenzlinie die Schwüle des Affenrudels abwehren
Wichtig ist, dass das Stück einen nicht bloß mit „Kämpf!" aufpeitscht.
Ein heiliges Kampfstück bringt einen weniger zum Kämpfen, sondern richtet die Haltung aus.
Es ist kein Stück, um wütend loszuschlagen. Es ist ein Stück, das die Seele wieder aufrichtet.
So baust du eine Playlist für vor der Arbeit
Für den Einsatz vor der Arbeit teilst du die Stücke am besten in 3 Stufen ein.
Stück 1: das Startstück für die zweite Phase
Ziel ist, die rote Leiste der Nerven in einen „Aufbruch mit Sinn" zu verwandeln.
Mögliche Richtungen:
- Persona-Kampfstücke mit Seelen-Thematik
- NieR-Stücke über Weltende und Gebet
- Dark-Souls-Stücke über den Endboss, Könige und die Weitergabe des Feuers
- Monster-Hunter-Stücke über uralte Drachen, das Verbotene und das Göttliche
- Heilige, schnelle Klavierstücke aus Rhythmusspielen, etwa von xi
Der gefühlte BPM-Wert liegt bei etwa 120 bis 180. Wähle weniger nach dem echten BPM-Wert, sondern danach, ob „der Körper aufwacht" und ob sich ein „Aufbruchsgefühl" einstellt.
Stück 2: das erhabene Stück zum Halten des Zustands
Nach dem Start mit dem ersten Stück geht es ein wenig herunter. Hier ist ein Stück mit Erhabenheit und Nachhall besser als eines mit Wucht.
Ziel ist, nicht in die Überaktivierung zu rutschen und die Haltung zu bewahren.
Stück 3: das Stück für den Normalbetrieb
Kurz vor der Ankunft am Arbeitsplatz oder vor Arbeitsbeginn wechselst du zu einem Stück, das dem Alltag näher ist.
Ziel ist, nicht noch im Endbosskampf in den Besprechungsraum zu gehen.
Wer in der zweiten Phase durchdreht, wird bloß zu einem übermäßig starken Menschen. Die Musik für den Arbeitsweg soll nicht zum Durchdrehen dienen, sondern zum Ordnen.
Achtung: An Tagen mit Überaktivierung die Lautstärke senken
Heilige Kampfstücke sind praktisch, aber falsch eingesetzt führen sie zur Überaktivierung.
Vor allem, wenn du
- zu wenig geschlafen hast
- Kopfschmerzen hast
- Magenschmerzen hast
- ohnehin schon sehr wütend bist
- im Büro kurz davor bist, heftig zu widersprechen
- schon eine lange Nachricht schicken möchtest
- gleich anfängst, über Kündigung oder eine große Lebensbilanz nachzudenken
An solchen Tagen solltest du BPM und Lautstärke etwas senken.
Heilige Kampfstücke eignen sich für den Aufbruch. Aber sie sind keine Musik, um im Büro eine „Domänenerweiterung" (die Ultimativ-Attacke aus dem Anime Jujutsu Kaisen) zu entfesseln.
Das Ziel ist,
die eigene Seele vor der Arbeit zu schützen,
nicht,
den Affenfelsen niederzubrennen.
Das ist ziemlich wichtig.
Fazit: An Arbeitstagen reicht ein heiliges Kampfstück
Dass ein heiliges Kampfstück vor der Arbeit wirkt, ist ziemlich plausibel.
Der BPM-Wert beeinflusst das vegetative Nervensystem und die Wachheit. Dazu kommt das Iso-Prinzip: mit der Musik beginnen, die zur aktuellen Stimmung und zum Wachheitsgrad passt. Und Spielemusik weckt nicht nur das Stück selbst, sondern auch Erinnerungen an Kämpfe, an Siege, an die Geschichte und die Spielwelt.
Deshalb passen heilige Kampfstücke wie die aus NieR, Persona, Dark Souls und Monster Hunter so gut zu den Nerven vor der Arbeit.
Statt sich mit Entspannungsmusik mühsam herunterzuziehen, verwandelst du die rote Leiste erst einmal in den „Dienstantritt der Seele".
In einem Satz:
Was man vor der Arbeit braucht, ist vielleicht keine Entspannung, sondern eine sichere Verwandlung in die zweite Phase.
Und was nach der Verwandlung zu tun ist, ist einfach.
Wir gehen in Phase zwei! (Boss-Gebrüll, lol)
↓
Mit einem heiligen Kampfstück zur Arbeit
↓
Im Büro die endlose Grenzlinie
↓
Die Schwüle des Affenrudels nicht einatmen
↓
Nach Feierabend zurück in den Pflanzenfressermodus
Musik vor der Arbeit ist nicht bloß Stimmungswechsel. Sie ist der Verwandlungsgürtel deiner Nerven.
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