Ein viraler japanischer Meme-Song sollte offenbar in den Karaoke-Katalog von JOYSOUND aufgenommen werden. Kurz nach der Ankündigung meldete sein Urheber die Löschung. Im Netz entstand daraus ein Witz mit einem neuen Opfer: dem erfundenen Prüfer. Wer den Song freigibt, ist angeblich Fan. Wer ihn ablehnt, muss ihn ja erkannt haben.
Für den 16. Oktober angekündigt, am 13. schon wieder entfernt
Am 13. Oktober 2026 gab der Schöpfer von „INMU KING / YAJU-MC“ bekannt, den Song bei JOYSOUND angemeldet zu haben. Wenn alles glatt liefe, sollte er am 16. Oktober um 10 Uhr japanischer Zeit auf Karaoke-Geräten auswählbar sein.
Noch am 13. Oktober berichtete der Urheber jedoch, dass der Eintrag rasch gelöscht worden sei. Wer mitsingen wolle, solle weiterhin ein Smartphone anschließen und das Musikvideo oder ein Karaoke-Video abspielen.
Ein konkreter Grund für diesen Einzelfall geht aus den hier geprüften öffentlichen Unterlagen von JOYSOUND nicht hervor. Die Geschichte vom Mitarbeiter, der den Meme-Ursprung erkennt, ist eine erfundene Netz-Szene und kein Einblick in interne Abläufe.
Schon das Erkennen wird zum „Beweis“
„INMU“ bezeichnet eine japanische Internet-Subkultur aus Zitaten, Zusammenschnitten und Parodien, die ursprünglich mit Material für Erwachsene verbunden sind. Mit „Inmu-chū“ werden Kenner dieser Anspielungen scherzhaft aufgezogen.
Ein Post stellt sich einen Prüfer vor, der denkt: „Wenn ich sage, dass das INMU ist, merken alle, dass ich es kenne. Vielleicht sollte ich es lieber durchwinken.“ Dann taucht ein mutiger Kollege auf: „Das ist INMU! Auf keinen Fall freigeben!“
Die unmittelbare Gegenfrage lautet: „Moment – woher wissen Sie das so genau?“
Der Mitarbeiter will ein Problem melden und wird gerade deshalb verdächtigt. Das Wissen, das man für eine Warnung braucht, wird im Witz kurzerhand mit Begeisterung für den Inhalt gleichgesetzt.
Egal welche Entscheidung: Das Urteil steht vorher fest
Freigabe? „Bei JOYSOUND sitzt heimlich ein INMU-Fan!“ Ablehnung? „Sie haben den Song sofort erkannt!“ Hinweis auf problematische Textstellen? „Interessant, wie genau Sie hingeschaut haben.“ Keine ausführliche Begründung? „Was wird da wohl verheimlicht?“
Die Logik ist absichtlich unfair. Jede mögliche Antwort wird zur Bestätigung derselben Unterstellung umgedeutet. Selbst der mutige Kollege verliert.
Und schon entwickelt sich eine zweite absurde Frage: Wenn ein Mitarbeiter das Meme kennt, wie viele Kollegen wissen ebenfalls Bescheid? Aus einer gewöhnlichen Inhaltsprüfung wird in der Fantasie eine Fahndung nach einem geheimen Fanclub.
Was bei einer echten Prüfung zählt
Die offiziellen Bedingungen von JOYSOUND Music Post untersagen unter anderem Inhalte, die Urheber- oder Persönlichkeitsrechte verletzen könnten, sowie obszöne oder ungeeignete Inhalte. Der Dienst kann Einträge entsprechend stoppen oder löschen.
Liedtexte, Videos und Nutzungsrechte zu überprüfen gehört zur Arbeit. Einen problematischen Inhalt zu erkennen ist etwas völlig anderes, als sein Fan zu sein. Welche konkrete Regel in diesem Fall angewandt wurde, ließe sich erst mit einer entsprechenden Einzelfallauskunft beurteilen.
Gerade weil es sachliche Gründe für eine Ablehnung geben kann, wirkt die gnadenlose Verdächtigung im Meme so überdreht.
Platz zwei auf YouTube, trotzdem eigene Karaoke-Regeln
„INMU KING“ landete in Oricons wöchentlichem YouTube-Ranking für den 25. September bis 1. Oktober 2026 auf Platz zwei, mit rund 3,87 Millionen Aufrufen innerhalb dieser Woche. Ein Video-Hit erhält dadurch aber noch keine automatische Freigabe für kommerzielle Karaoke-Systeme.
In Japan kursierte bereits die Vorstellung, dass ein Geschäft den Song ahnungslos als Hintergrundmusik spielt, während gerade die eingeweihten Kunden nervös werden. Der JOYSOUND-Witz dreht die Rollen um: Jetzt wird ausgerechnet die Person hinterfragt, die das Lied stoppen möchte. Eine bestimmte tatsächliche Ausstrahlung über USEN wird hier nicht als gesichert behauptet.
Belegt sind die angekündigte Anmeldung und die gemeldete Entfernung. Die Verhandlung gegen den Prüfer findet allein in der Meme-Welt statt.
„Dieses Lied dürfen wir nicht freigeben.“
„Ach ja? Woher wissen Sie denn das?“
Eigentlich sollte er Songs prüfen. Am Ende muss er im Internet erklären, woher sein gesamtes Meme-Wissen stammt.
