Beschreibung: Dating-Apps machen Begegnungen möglich. Warum bezahlen manche jüngere Frauen trotzdem für intime Dienstleistungen? Eine japanische Umfrage von 2026 zeigt Altersgruppen, Beziehungsstatus, Ausgaben und Wünsche.
0. Männer kennenlernen und gewünschte Nähe erleben sind nicht dasselbe
„Frauen in ihren Zwanzigern oder Dreißigern können doch Männer über Dating-Apps treffen. Warum sollten sie dafür bezahlen?“
Der Gedanke übersieht einen Unterschied: Jemanden kennenlernen zu können bedeutet noch nicht, eine intime Begegnung nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. In Japan gibt es bezahlte, an Frauen gerichtete Intimdienstleistungen, oft Jofū genannt. Je nach Anbieter gehören Begleitung, Umarmungen oder sinnliche Massagen dazu.
Auch die Annahme, jede jüngere Frau könne mühelos einen idealen Partner finden, ist zunächst nur eine Vermutung. Was sagen stattdessen die Menschen, die solche Angebote tatsächlich genutzt haben?
1. Wie alt sind die befragten Kundinnen?
Das unabhängige Projekt Jofū Hakusho befragte im Juli und August 2026 online 7.301 Frauen zwischen 20 und 59 Jahren aus Tokio. 333 von ihnen, rund 4,6 %, gaben an, schon einmal eine sexuelle Dienstleistung für Frauen genutzt zu haben. In einer anschließenden Befragung von 296 erfahrenen Nutzerinnen waren 34 % in ihren Zwanzigern, 41 % in ihren Dreißigern, 20 % in ihren Vierzigern und 5 % in ihren Fünfzigern.
Damit waren 75 % dieser zweiten Gruppe zwischen 20 und 39 Jahre alt. Für die Zwanziger wurden zusätzliche Teilnehmerinnen gewonnen; die Verteilung lässt sich also nicht auf alle japanischen Kundinnen übertragen. Auch Onlinebewertungen sind keine vollständige Kundenstatistik: Alter bleibt oft privat und Stammkundinnen schreiben mehrfach.
Untersuchungsmethode · Altersverteilung
2. Was suchen die Frauen: Entspannung, Romantik oder Berührung?
Unter den 296 Nutzerinnen wurden als häufigste Motive Entspannung und Trost (29 %), ein romantisches Gefühl (28 %) sowie vertraute körperliche Nähe (25 %) genannt. Neugier erreichte 24 %, weniger Einsamkeit 23 %. Bis zu drei Antworten waren möglich.
Daraus folgt nicht, dass sexuelle Lust nebensächlich wäre: Sie wurde in dieser Frage nicht als eigener Antwortpunkt angeboten. In einer weiteren Befragung von 280 Nutzerinnen nannten 42 % Ganzkörperberührungen als angenehm und 41 % Umarmungen oder engen Körperkontakt.
Zuwendung und körperliche Lust schließen einander nicht aus. Menschliche Wünsche halten sich selten an die Ordnung eines Fragebogens.
Motive · Angenehme Erfahrungen
3. Warum bezahlen, wenn es Dating-Apps gibt?
Bei einer Dating-App müssen sich beide füreinander entscheiden. Nachrichten, Terminabsprachen und unterschiedliche Erwartungen gehören dazu. Daraus kann eine echte Beziehung entstehen – genau das Richtige, wenn man eine Beziehung sucht.
Bei einer bezahlten Dienstleistung werden Dauer, Preis und angebotener Rahmen vorher beschrieben. Kundinnen können nach einer passenden Person suchen. Von Männern begehrt zu werden und eine intime Erfahrung selbst gestalten zu können sind zwei verschiedene Dinge. Das ist eine Deutung der Dienstleistungsstruktur; die Umfrage hat nicht bewiesen, dass Dating-Apps den Frauen zu mühsam sind.
Bei der letzten Buchung zahlten 22 % der 296 Befragten 30.000 bis 49.999 Yen und 20 % 50.000 bis 69.999 Yen. Unter den 198 Frauen, die innerhalb des vergangenen Jahres ein Angebot genutzt hatten, waren 25 % zwei- bis dreimal dort und 30 % vier- bis sechsmal.
Dating-Apps filtern Alter, Hobbys und Entfernung. Der Filter „Freitagabend eine liebevolle Umarmung, ohne sofort eine Beziehung anzubahnen“ fehlt meistens.
Ausgaben · Nutzung im letzten Jahr
4. Viele Kundinnen haben bereits einen Partner
57 % der 296 Befragten hatten nach eigenen Angaben einen Partner oder Ehepartner. Unter Frauen in ihren Zwanzigern waren es 49 %, unter denen in ihren Dreißigern 57 %.
Das beweist weder Unzufriedenheit in ihren Beziehungen noch eine bestimmte Ursache der Buchung. Ein Beziehungsstatus erklärt nicht automatisch jeden persönlichen Wunsch.
Eine gesonderte Studie von 2022 mit 8.000 Japanerinnen und Japanern zwischen 20 und 49 Jahren fand: 48,3 % der Männer und 4,0 % der Frauen hatten irgendwann im Leben eine kommerzielle sexuelle Dienstleistung genutzt. Sie erfasste ein wesentlich breiteres Angebot als die Umfrage von 2026; ein direkter Zahlenvergleich wäre irreführend.
Beziehungsstatus · Studie von 2022
5. Bezahlen garantiert weder echte Gefühle noch Sicherheit
Eine Buchung kann Erwartungen regeln, aber keine Zuneigung erzwingen oder vollständige Sicherheit kaufen. In einer anderen Gruppe von 287 Nutzerinnen berichteten 20 % von ungewolltem Geschlechtsverkehr und 15 % davon, etwas Unerwünschtes nicht abgelehnt zu haben. Es handelt sich um Selbstauskünfte einer bestimmten Online-Stichprobe, nicht um eine allgemeine Risikowahrscheinlichkeit.
Einverständnis, klar besprochene Grenzen und die Möglichkeit, jederzeit aufzuhören, bleiben unverzichtbar.
6. Das Fazit: Eine Größe fehlte in der Rechnung
„Warum zahlen, wenn man Männer auch kostenlos kennenlernen kann?“ Die wichtigste Rückfrage lautet: Was soll bei dieser Begegnung eigentlich entstehen?
Eine Partnerschaft wächst durch gegenseitige Entscheidungen. Eine Dienstleistung bietet eine vorher festgelegte Art von Aufmerksamkeit für eine bestimmte Zeit. Verschiedene Ziele führen zu verschiedenen Entscheidungen.
Der Taschenrechner war völlig in Ordnung. Es fehlte nur eine Eingabe.


