Im Erwachsenenleben fällt es manchmal schwerer, neuen Menschen zu vertrauen.
Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes.
Vielleicht hast du nicht die Fähigkeit verloren, anderen zu vertrauen. Vielleicht hast du nur gelernt, Vertrauen vorsichtiger zu vergeben.
Als Kinder hatten wir Umgebungen wie dieselbe Schule, dieselbe Klasse oder denselben Verein.
Wir sahen uns jeden Tag.
Es standen weniger Interessen auf dem Spiel.
Wir hatten Zeit, andere zu beobachten.
Und wenn etwas schiefging, gab es Gelegenheiten, die Beziehung wieder zu reparieren.
Dadurch fiel Vertrauen leichter.
Im Erwachsenenleben kommen Arbeit, Geld, Partnerschaft, Ehe, Familie, Zeit und persönliche Grenzen hinzu.
Es ist ganz natürlich, jemandem nicht sofort zu vertrauen.
Das bedeutet aber nicht, dass du niemandem vertrauen musst.
Vertrauen kann schrittweise freigegeben werden.
Am Anfang reicht eine Art „Gastzugang“.
Zuerst nur grüßen.
Dann ein wenig Small Talk.
Danach über Hobbys sprechen.
Später eine kleine Sorge teilen.
Dann beobachten, ob die Person Versprechen einhält.
Danach schauen, ob sie deine Grenzen respektiert.
Und schließlich beobachten, wie sie sich verhält, wenn etwas Schwieriges passiert.
Wenn die Person stabil und verlässlich bleibt, kannst du dich nach und nach weiter öffnen.
Wenn sie andere übertrumpfen will, Vertrauliches weitererzählt, Schwächen ausnutzt oder Grenzen überschreitet, kannst du an dieser Stelle stoppen.
Das ist kein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Menschen.
Es ist eine Sicherheitsprüfung.
Wenn es dir schwerfällt, neuen Menschen zu vertrauen, musst du dich nicht zu sofortigem Vertrauen zwingen.
Du kannst es Schritt für Schritt ausprobieren.
Vertrauen ist nicht nur 0 oder 100.
Es kann von 10 auf 20 und dann auf 30 wachsen.
