0. Bevor wir „passives Einkommen!“ feiern, holen wir den Taschenrechner
Ein leerer Stellplatz am Haus sieht nach kostenlosem Geld aus. Man stellt ein Carsharing-Fahrzeug hin oder listet den Platz auf einer Buchungsplattform, und plötzlich beginnt ein Rechteck aus Beton Geld zu verdienen.
Klingt gut.
Die entscheidende Frage lautet aber nicht nur „Verdient es Geld?“, sondern „Womit vergleichen wir es?“
Zwei völlig verschiedene Modelle werden oft vermischt:
- Land neu kaufen, um Parkeinnahmen zu erzielen;
- bereits vorhandenen, ungenutzten Raum monetarisieren.
Das erste ist eine Kapitalanlage. Das zweite ist eine Entscheidung über zusätzlichen Gewinn.
1. Land kaufen und einen ohnehin leeren Stellplatz vermieten sind verschiedene Spiele
Angenommen, ein Grundstück kostet 5 Millionen Yen und bringt 8.000 Yen pro Monat.
Das sind 96.000 Yen pro Jahr oder rund 1,9 % einfache Bruttorendite.
Danach kommen Grundsteuer beziehungsweise japanische Fixed-Asset-Tax, Reparaturen, Leerstand, Wartung und Einkommensteuer.
Als neue Investition ist das nicht automatisch attraktiv.
Anders sieht es aus, wenn der Stellplatz bereits neben dem Haus existiert und normalerweise leer bleibt.
Das Grundstück ist sowieso da. Ein Teil der Besitzkosten entsteht sowieso. Der bisherige Umsatz ist null.
Dann zählt:
zusätzlicher Umsatz - zusätzliche Kosten durch die Vermietung.
Wenn das Grundstück allerdings verkauft, bebaut oder rentabler genutzt werden könnte, bleibt sein heutiger Marktwert ein Opportunitätskostenfaktor.
2. Parkplatz-Plattformen machen meist aus null ein paar Tausend Yen, nicht ein Vermögen
Im Oktober 2026 gibt akippa an, Eigentümern 46,3 % der Parkgebühr auszuzahlen. Toku-P nennt eine Gebühr von 30 % bei tatsächlich genutzten Reservierungen, sodass vereinfacht etwa 70 % beim Eigentümer verbleiben.
Bei 1.000 Yen pro Tag und 10 belegten Tagen im Monat:
- Bruttozahlungen: 10.000 Yen
- akippa-Modell: etwa 4.630 Yen
- Toku-P-Modell: etwa 7.000 Yen
- Direktvertrag bei gleichem Preis und gleicher Auslastung: bis zu 10.000 Yen vor Eigenkosten
Das ist kein „Job kündigen“-Geld.
Eher Immobilien-Cashback.
Ein Platz, der vorher null verdiente, trägt plötzlich einen Teil seiner eigenen Haltekosten.
3. Beim Times-Modell wird der Standort gegen feste Miete überlassen
Times Car funktioniert anders als ein Reservierungsmarktplatz.
Nach den Informationen für Eigentümer wird die Miete unter anderem anhand lokaler Monatsparkpreise und der Nutzung nahegelegener Times-Car-Stationen kalkuliert. Fahrzeugkauf, Beschilderung, Markierungen und Betriebskosten trägt grundsätzlich der Betreiber; der Eigentümer erhält eine feste Miete.
Times24 beschreibt zudem ein Modell, bei dem ungenutztes Land angemietet, monatlich fest vergütet und grundsätzlich vom Betreiber ausgestattet und verwaltet wird.
Der Eigentümer verkauft also nicht „eine Parkstunde“.
Er verkauft das Nutzungsrecht am Standort.
Das senkt Auslastungsrisiko und Verwaltungsaufwand, begrenzt aber auch die zusätzliche Upside bei sehr hoher Nutzung.
4. „Warum nicht den Mittelsmann entfernen und direkt vermieten?“ ist eine sehr vernünftige Frage
Bei einem einzigen Monatsmieter kann ein Direktvertrag wirtschaftlich stark sein.
Zahlt derselbe Kunde 10.000 Yen monatlich:
- direkt: etwa 10.000 Yen minus Eigenkosten
- Toku-P: etwa 7.000 Yen
- akippa: etwa 4.630 Yen
Aber das Entfernen des Vermittlers entfernt nicht dessen Aufgaben.
Marketing, Identitätsprüfung, Vertrag, Inkasso, Zahlungsverzug, Zeitplanung, Stornierungen, Überziehen, falsche Fahrzeuge, Fragen, Schäden und Streitfälle landen wieder beim Eigentümer.
Der Mittelsmann verschwindet. Seine Arbeit zieht bei dir ein.
5. Direktverträge sind stark bei einem stabilen Mieter; Plattformen bei vielen kurzen Nutzungen
Direkt passt besonders gut, wenn:
- eine Person einen festen Stellplatz nutzt;
- der Monatsbetrag fest ist;
- automatisch bezahlt wird;
- Kündigungsfristen klar sind;
- kein tägliches Buchungsmanagement nötig ist.
Bei stundenweiser Vermietung, Eventtagen und ständig wechselnden Nutzern werden Kalender, Zahlungsabwicklung, Kundengewinnung und Support der Plattform wertvoll.
3.000 Yen Gebühr zu sparen und dafür jeden Monat drei Stunden Verwaltung zu übernehmen, kann passives Einkommen unauffällig in einen Nebenjob verwandeln.
6. Der echte Break-even enthält auch Zeitwert und erwartete Probleme
Plattformgewinn = Preis × belegte Tage × Eigentümeranteil
- verbleibende Zusatzkosten
Direktgewinn = erhaltene Miete
- Zahlungs- und Werbekosten
- Reinigung und Reparatur
- erwartete Verluste aus Ausfällen und Streit
- Wert der eigenen Verwaltungszeit
- zusätzliche Steuer durch Nutzungsänderung
„Selbst gemacht ist kostenlos“ bedeutet oft nur, dass die eigene Arbeit keine Rechnung geschickt hat.
7. Die japanische Fixed-Asset-Tax kann der leise Endgegner sein
Steuervergünstigungen für Wohnland können die Rechnung deutlich verändern.
Für kleines Wohnland bis 200 m² pro Wohneinheit wird die Bemessungsgrundlage typischerweise auf ein Sechstel für die Fixed-Asset-Tax und auf ein Drittel für die Stadtplanungssteuer reduziert.
Die Steuerbehörde Tokios nennt extern vermietete Monatsparkplätze, gebührenpflichtige Parkplätze und Carsharing-Flächen als Beispiele für Nichtwohnland.
Wird ein Wohnhaus abgerissen und das Grundstück zum Parkplatz, kann die Wohnlandvergünstigung je nach Sachverhalt entfallen.
Das sollte nicht mit „die Steuer wird exakt sechsmal so hoch“ vereinfacht werden. Bewertung, Anpassungsregeln, Kommune und tatsächliche Nutzung spielen eine Rolle.
8. Einen Stellplatz vermieten ist nicht dasselbe wie das eigene Auto vermieten
Die Nutzung eines Stellplatzes betrifft Grundstück oder Parkfläche.
Wer das eigene Privatfahrzeug wiederholt gegen Entgelt vermietet, bewegt sich dagegen im regulierten Mietwagengeschäft. Japanische Verkehrsbehörden erklären, dass der gewerbsmäßige entgeltliche Verleih privater Fahrzeuge eine Genehmigung nach dem Straßenverkehrsbeförderungsrecht benötigt.
Die Logik „Direktvertrag spart Gebühren“ lässt sich also nicht einfach auf das Auto übertragen.
Auch Parkeinnahmen bleiben steuerlich Einnahmen.
9. Fazit: keine Grundstückslotterie, sondern Rückgewinnung aus ungenutztem Vermögen
Wer Land speziell dafür kauft, sollte die Rendite streng prüfen.
96.000 Yen pro Jahr auf 5 Millionen Yen sind nur etwa 1,9 % brutto.
Wer dagegen bereits einen leeren Stellplatz besitzt, keine bessere Verwendung hat und geringe Zusatzkosten trägt, kann auch mit einigen Tausend Yen monatlich sinnvoll fahren.
- ein stabiler Nutzer → Direktvertrag
- viele kurze Nutzungen → Plattform
- minimale Arbeit → Betreiber mit Festmiete
- Abriss oder Nutzungsänderung → Steuer zuerst prüfen
- Auto selbst vermieten → separate Regulierung
Die realistische Idee lautet nicht „Mit passivem Einkommen reich werden“.
Sondern:
Ein Vermögenswert, der heute null verdient, soll mit möglichst wenig Aufwand einen Teil seiner eigenen Kosten tragen.
Quellen (8)
- akippa: https://support.akippa.com/hc/ja/articles/16362507802767
- Toku-P: https://media.toku-p.earth-car.com/owner/v6/
- Times Car: https://share.timescar.jp/owner/
- Times24: https://www.times24.co.jp/for_owners/land_use.html
- Steuerbehörde Tokio: https://www.tax.metro.tokyo.lg.jp/kazei/real_estate/kotei_tosi
- Nationale Steuerbehörde Japan: https://www.nta.go.jp/law/tsutatsu/kihon/shotoku/04/02.htm
- Parkgebühren und Verbrauchsteuer: https://www.nta.go.jp/taxes/shiraberu/taxanswer/shohi/6213.htm
- Mietwagenregulierung: https://wwwtb.mlit.go.jp/kinki/kyoto-honchosya/rentacar.html

