Kagoshimas südliches Flair kommt nicht nur von Palmen: Warum Straßenbäume voller Nokishinobu-Farne sein können

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Fragt man nach Pflanzen, die Kagoshima „tropisch“ wirken lassen, denkt man zuerst an Palmen.

Die gibt es natürlich.

Aber Palmen stehen inzwischen vor Hotels, Ferienanlagen, Freizeitparks und an Küstenstraßen in ganz Japan. Sie sind fast die landesweite Filiale für Tropenoptik.

Viel merkwürdiger kann ein ganz gewöhnlicher Straßenbaum wirken.

Am Stamm wachsen kleine Pflanzen und Farne, sodass der Baum beinahe behaart aussieht. Und das nicht nur an einem einzigen Baum.

Ein sehr wahrscheinlicher Kandidat ist Nokishinobu, Lepisorus thunbergianus, ein immergrüner epiphytischer Farn.

0. In 30 Sekunden: Das südliche Gefühl kann von „Pflanzen auf Pflanzen“ kommen

In Kagoshima sieht man Washingtonpalmen, Phoenix-Palmen, Cycadeen, Gajumaru, Akou-Feigen und Pandanus.

Palmen werden jedoch vielerorts als Zierpflanzen gesetzt. Selbst Unterlagen des Präfekturmuseums Kagoshima führen Washingtonia und Phoenix als eingeführte Straßenbäume.

Am Shiroyama mitten in Kagoshima-Stadt wurden dagegen tatsächlich Epiphyten wie Mamezuta, Shinobu, Hitotsuba und Nokishinobu dokumentiert.

Nokishinobu ist nicht auf Kagoshima beschränkt. In Japan kommt die Art vom südlichen Hokkaido an weit verbreitet vor.

Trotzdem passt das Bild gut zur Umgebung. Die normale Jahresniederschlagsmenge 1991–2020 beträgt in Kagoshima 2.434,7 mm, in Nagoya 1.578,9 mm. Auch Herbst und Winter sind in Kagoshima milder.

Das Auffällige ist deshalb vielleicht nicht: „Da steht eine Palme.“

Sondern:

„Sogar auf gewöhnlichen Straßenbäumen leben noch weitere Pflanzen.“

Der Baum wird zum Wohnhaus für Pflanzen.

1. Die offensichtlich südlich wirkenden Pflanzen

Washingtonia

Sehr hoher, schlanker Stamm mit Blättern an der Spitze. Sie erzeugt sofort das Bild einer südlichen Allee, wird aber häufig als Zierbaum gepflanzt.

Phoenix-Palmen

Dickerer Stamm und große, federartige Blätter. Sie wirken wie der Eingang eines Ferienresorts und werden ebenfalls häufig gepflanzt.

Cycadeen

Sie sehen wie Palmen aus, sind aber keine. Harte Blätter strahlen von einem dicken Stamm aus. Die Pflanze wirkt so urzeitlich, dass ein Dinosaurier daneben kaum stören würde. Am Kap Sata gibt es geschützte natürliche Bestände.

Gajumaru und Akou

Diese Feigenbäume warmer Regionen bilden komplizierte Wurzeln und Stämme. Gajumaru wächst am Kap Sata; offizielle Informationen über die Amami-Inseln beschreiben Tieflandwälder mit Akou und Gajumaru.

Pandanus

Lange, harte Blätter und Früchte, die etwas an Ananas erinnern. An den Küsten der Amami-Inseln bilden sich Pandanus-Gesellschaften.

Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr wird aus dekorativer Südseeoptik echte subtropische Vegetation.

2. Die Pflanze, bei der man fragt: „Was wächst da aus dem Baum?“

Nokishinobu ist ein immergrüner Farn aus der Familie Polypodiaceae.

Seine schmalen Blätter wachsen direkt auf der Rinde. Aus der Entfernung sieht es aus, als ob:

der Baum Haare bekommen hätte, mitten aus dem Stamm Gras wächst oder der Straßenbaum das Rasieren vergessen hätte.

Botanische Unterlagen der Okayama University of Science beschreiben die Art vom südlichen Hokkaido durch Japan sowie in Korea, China, Taiwan und auf den Philippinen. Sie wächst auf der Rinde großer Bäume, an Felsen und ähnlichen Oberflächen.

Es handelt sich also nicht um eine seltene Kagoshima-Spezialität.

Ungewöhnlich ist eher, wie oft sie in einer normalen Stadtlandschaft ins Auge fallen kann.

3. Sie ist kein Parasit, der dem Baum Nahrung stiehlt

Eine Pflanze auf einer anderen Pflanze sieht leicht nach Parasitismus aus.

Nokishinobu funktioniert im Allgemeinen anders.

Pflanzen, die Baumstämme oder Felsen als Lebensraum nutzen, nennt man Epiphyten.

Der Baum ist ein Wohnhaus, kein Kühlschrank.

Material der Fukuoka University of Education erklärt, dass Epiphyten Wasser und Nährstoffe selbst aufnehmen und sich damit von Parasiten unterscheiden.

Nokishinobu vermehrt sich über Sporen. Gelangt eine Spore in eine geeignete Rindenspalte, kann sie sich dort ansiedeln.

Bei Regen nutzt die Pflanze Wasser, bei Trockenheit hält sie durch.

Kein Boden?

Offenbar kein Grund, das Projekt abzusagen.

4. Warum können Kagoshimas Baumstämme voller wirken?

Man sollte nicht übertreiben. Es gibt keine einfache Statistik, nach der jeder Straßenbaum in Kagoshima mehr Nokishinobu trägt als jeder Straßenbaum in Zentraljapan.

Aber es gibt einen plausiblen Hintergrund.

Kagoshima ist niederschlagsreicher

Normalwerte 1991–2020:

  • Kagoshima: 2.434,7 mm/Jahr
  • Nagoya: 1.578,9 mm/Jahr

Der Unterschied beträgt rund 856 mm.

Spätherbst und Winter sind milder

Mittlere Temperaturen Oktober–Dezember:

  • Kagoshima: 21,6 °C, 16,2 °C, 10,9 °C
  • Nagoya: 18,6 °C, 12,6 °C, 7,2 °C

Mehr Regen bedeutet aber nicht automatisch mehr Farne.

Licht, Wasser, Position im Wirtsbaum, Rinde, Größe und Alter des Baums sowie Sporenquellen in der Umgebung spielen ebenfalls eine Rolle.

Die genauere Erklärung lautet:

regionales Klima + einzelner Baum + Mikroklima + Zeit.

Kein magischer „Süden“-Schalter.

5. Shiroyama zeigt, dass „Pflanzen auf Bäumen“ tatsächlich zur Stadtökologie Kagoshimas gehören

Vegetationsuntersuchungen am Shiroyama erfassten Mamezuta, Shinobu, Hitotsuba und Nokishinobu.

Ein Dokument von 2026 nennt mehr als 500 bestätigte Pflanzenarten, darunter Farne und Epiphyten.

Und das direkt neben dem Stadtzentrum.

Pflanzen am Boden. Pflanzen im Unterwuchs. Große Bäume. Und auf den großen Bäumen wieder Pflanzen.

Geringe Leerstandsquote.

Beim großen Kampferbaum von Shibushi berichtet eine offizielle Seite von 24 epiphytischen Pflanzenarten am Stamm.

Ein einzelner Baum kann zum ökologischen Hochhaus werden.

6. Eine bessere Art, Kagoshimas südliches Flair zu entdecken

Palmen sind leicht zu sehen, lassen sich aber fast überall pflanzen.

Also: auf den Stamm schauen.

Lange, schmale Blätter wachsen aus der Rinde

Möglicherweise Nokishinobu oder ein ähnlicher Farn.

Kleine rundliche Blätter kriechen über die Rinde

Mamezuta ist eine Möglichkeit.

Grüner Teppich

Wahrscheinlich Moose oder ähnliche Organismen.

Wurzeln und Stämme werden zu bizarren Skulpturen

Dann kommen warmklimatische Feigen wie Gajumaru oder Akou infrage.

Ein botanischer Garten ist nicht nötig.

Schon das Warten an der Ampel kann zur kleinen Feldstudie werden.

7. Nokishinobu gibt es auch in Zentraljapan

Die Art ist in Japan weit verbreitet.

„Sie gibt es nur in Kagoshima“ wäre also falsch.

Aber diese Beobachtung kann trotzdem stimmen:

„In anderen Städten fiel sie mir kaum auf, in Kagoshima sah ich sie plötzlich auf vielen Straßenbäumen.“

Verbreitung und Sichtbarkeit sind zwei verschiedene Fragen.

Menge, Wirtsbaumart, Rinde, Licht, Regen, Wintertemperaturen, Pflege und Baumalter verändern das Straßenbild.

Regionale Unterschiede bedeuten nicht nur „vorhanden oder nicht vorhanden“.

Sie bedeuten auch, wie gewöhnlich eine Art im Alltag wirkt.

8. Je weiter südlich, desto mehr wird aus Landschaftsgestaltung echte subtropische Vegetation

In Kagoshima-Stadt unterstützen gepflanzte Palmen das südliche Image.

Am Kap Sata säumen Cycadeen und Gajumaru die Wege.

Weiter südlich auf den Amami-Inseln beschreiben offizielle Quellen Vegetation mit Akou, Gajumaru, Pandanus-Gesellschaften und Mangroven.

Die Präfektur Kagoshima erstreckt sich weit von Nord nach Süd:

Kagoshima-Stadt: warmgemäßigte Stadt → Kap Sata: deutlich subtropischer Eindruck am südlichen Ende des japanischen Hauptlandes → Amami: voll ausgeprägte subtropische Inselvegetation

Die gesamte Präfektur einfach „tropisch“ zu nennen, lässt diesen interessanten Übergang verschwinden.

Auf dem Weg nach Süden wechselt das Betriebssystem der Pflanzen.

9. Fazit: Nicht nur auf die Palme schauen

Wer Kagoshimas südlichen Charakter entdecken will, muss nicht nur Palmen betrachten.

Phoenix-Palmen, Cycadeen und Gajumaru sind interessant.

Ein viel leiseres, aber aussagekräftiges Stadtmerkmal kann sein:

Farne und Moose, die ganz selbstverständlich die Stämme gewöhnlicher Straßenbäume besiedeln.

Nokishinobu ist eine weit verbreitete Art.

Doch wenn viele Stadtbäume wegen ihrer Epiphyten fast behaart wirken, wird die Umwelt plötzlich sichtbar.

Palmen kommen aufs Reiseplakat.

Nokishinobu macht still Geschäfte auf der Baumrinde.

Wer Kagoshima anders sehen will, sollte auf den Stamm schauen.

Quellen (9)

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