Die Haare mit Regen zu waschen, der direkt vom Himmel fällt, ist hygienisch schon keine besonders gute Idee.
Sie anschließend mit Wasser aus einer überfluteten Straße auszuspülen, ist eine ganz andere Risikokategorie.
Dieses Wasser kann Schlamm, Öl, Tierkot, Ablagerungen aus Straßeneinläufen und bei starkem Hochwasser auch Abwasser oder gefährliche Chemikalien aufgenommen haben. Klar aussehendes Wasser ist nicht automatisch sauber.
Der Kern ist einfach: Regen aus der Luft und Wasser auf einer überfluteten Straße sind hygienisch nicht dasselbe. Bei der Verdunstung werden Wassermoleküle zu Wasserdampf. Salz, Schlamm, Fäkalien und Bakterien verwandeln sich nicht einfach gemeinsam mit ihnen in Wasserdampf. Mikroorganismen können trotzdem in die Atmosphäre gelangen, aber über andere Wege wie Tröpfchen, Sprühnebel und Staub.
1. Es bleibt H₂O, aber der Weg bestimmt die Mitfahrer
Regen ist nicht steril.
Beim Fallen kann er Partikel, Mikroorganismen und Chemikalien aus der Luft aufnehmen. Die CDC behandeln unbehandeltes Regenwasser nicht automatisch als sicheres Trink- oder Badewasser.
Nach Kontakt mit einem Dach können Dachmaterial, Staub, Schmutz aus der Regenrinne und Vogelkot hinzukommen.
Auf der Straße wird die Zutatenliste länger: Erde, Abrieb und Schmutz von Fahrzeugen und Fahrbahn, Öl, Müll, tierische Ausscheidungen und Ablagerungen aus der Entwässerung.
Bei Überschwemmungen können zusätzlich menschliche und tierische Fäkalien, Abwasser, gefährliche Chemikalien und Trümmer enthalten sein.
Der Spruch „ist das nicht praktisch Haarewaschen mit Kackwasser?“ ist kein Laborbefund, führt aber zur richtigen praktischen Entscheidung: Hochwasser ist kein sauberes Waschwasser.
2. Wie Abwasser bei Starkregen ins Wasser gelangen kann
Japan nutzt getrennte und Mischkanalisation.
Bei einem Trennsystem fließen häusliches Abwasser und Regenwasser in verschiedenen Leitungen.
Bei einem Mischsystem nutzen beide dasselbe Kanalnetz.
Das japanische Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus erklärt, dass bei Überschreiten eines bestimmten Durchflusses während Regen ein Teil des Gemischs aus Abwasser und Regenwasser direkt in öffentliche Gewässer abgeleitet werden kann. Nicht behandelte Einleitungen bei Starkregen werden ausdrücklich als Problem für öffentliche Gesundheit und Wasserqualität genannt.
Extremregen und Überschwemmungen können Abwassersysteme außerdem überlasten oder beschädigen, sodass ungeklärtes Abwasser in die Umwelt überläuft.
Das bedeutet aber nicht, dass jede Pfütze Abwasser ist.
Manche Gebiete haben Trennsysteme, und oft sammelt sich Wasser einfach deshalb auf der Straße, weil es schneller regnet, als die Entwässerung es abführen kann.
Die präzise Schlussfolgerung lautet: Hochwasser kann Abwasser oder fäkale Verunreinigung enthalten; solange die Sicherheit nicht nachgewiesen ist, sollte es als verunreinigt behandelt und Kontakt vermieden werden.
3. Ist Regen einfach verdunstetes Abwasser, das wieder herunterkommt?
Nein.
Verdunstung ist der Übergang von flüssigem Wasser zu Wasserdampf. Der USGS beschreibt sie als den Übergang von Wassermolekülen aus der flüssigen Phase in die Atmosphäre.
Wenn Meerwasser verdunstet, fliegt nicht das gesamte Salz mit nach oben. Salzgewinnung funktioniert gerade deshalb, weil Wasser verschwindet und Salz zurückbleibt.
Schlamm, Fäkalien und Bakterien werden ebenfalls nicht zu H₂O-Molekülen, um mitzuverdunsten.
Wassermoleküle durchlaufen den Wasserkreislauf.
Kot selbst bekommt keine Beförderung zum „Wasserdampf“.
In diesem Sinn wirkt Verdunstung wie ein riesiger natürlicher Trennschritt.
Das macht Regen aber nicht vollkommen rein. In der Atmosphäre befinden sich bereits Partikel und Mikroorganismen, die Regentropfen vor dem Auftreffen auf den Boden aufnehmen können.
4. Wenn Bakterien nicht verdunsten, warum gibt es sie in Luft und Wolken?
Weil sie andere Transportmittel benutzen.
Bakterien können an vom Wind aufgewirbeltem Staub haften oder in winzigen Tröpfchen reisen, die durch Wellen, Spritzer und Regen entstehen. Landwirtschaft, Abwasserbehandlung und menschliche Aktivitäten können ebenfalls biologische Partikel in die Luft bringen.
Solche luftgetragenen biologischen Partikel heißen Bioaerosole. Die Forschung zur atmosphärischen Mikrobiologie zeigt Bakterien, Pilze und anderes biologisches Material in der Luft; Mikroorganismen werden auch in Wolken gefunden.
Das richtige Modell lautet deshalb nicht „Bakterien verdunsten mit dem Wasser“.
Sondern: „Wasser verdunstet als Wassermoleküle; Bakterien nehmen einen anderen Transportweg über Staub oder Tröpfchen.“
5. „Ich habe es doch nicht getrunken“ ist kein Sicherheitsnachweis
Das Risiko von Hochwasser hängt nicht nur vom Verschlucken ab.
Die CDC weisen darauf hin, dass Hochwasser menschliche und tierische Ausscheidungen, Keime, gefährliche Chemikalien und andere Verunreinigungen enthalten kann, und empfehlen, sich möglichst fernzuhalten.
Offene Wunden und gereizte Haut können sich nach Kontakt infizieren. Wasser kann außerdem Augen, Nase und Mund erreichen. Nach Kontakt sollte exponierte Haut mit Seife und sauberem Wasser gewaschen und Wunden sollten angemessen versorgt werden.
Hochwasser über den Kopf zu gießen ist damit ein erstaunlich effizientes Verteilersystem für eine unbekannte Mischung auf Haut und mehrere Schleimhäute gleichzeitig.
Zusätzlich gibt es Risiken durch scharfe Gegenstände, Elektrizität und Chemikalien.
6. Spätere Krankheit beweist nicht automatisch, welche Pfütze die Ursache war
Kontakt mit Hochwasser kann das Risiko verschiedener Erkrankungen und Wundinfektionen erhöhen.
Treten später Symptome auf, beweist die zeitliche Reihenfolge allein aber nicht, dass eine bestimmte Pfütze die Ursache war.
Selbst Bakterien in einer Urinuntersuchung würden für sich genommen nicht beweisen, dass die Bakterien aus diesem Hochwasser stammten und in die Harnwege gelangten. Dafür wären weitere mikrobiologische und klinische Informationen nötig.
„Hochwasser kann gefährlich sein“ und „dieses Wasser verursachte genau diese Infektion“ sind zwei verschiedene Fragen.
7. Ein nützliches Denkmodell: Himmel → Dach → Straße → Hochwasser
Das ist keine universelle Rangliste von Bakterienzahlen, sondern eine Darstellung zunehmender möglicher Verunreinigungsquellen.
- Direkter Regen: kann Partikel, Mikroorganismen und Chemikalien aus der Luft enthalten.
- Dach- und Rinnenwasser: kann zusätzlich Dachmaterial, Staub und Vogelkot aufnehmen.
- Straßenpfützen: zusätzlich Schlamm, Öl, tierische Verunreinigung und Schmutz aus der Entwässerung.
- Hochwasser: zusätzlich möglich sind Abwasser, menschliche und tierische Ausscheidungen, Chemikalien und Trümmer.
Die Natur hat bei der Verdunstung bereits einen großen Teil der Trennarbeit erledigt.
Es gibt keinen Grund, das Wasser auf den letzten Metern wieder zur Straßensuppe zu machen und damit anschließend die Haare auszuspülen.
8. So etwas Dummes machen und in Japan trotzdem nur 30 % zahlen?
Die oft genannten 30 % Eigenanteil in Japan gelten hauptsächlich bis zum Alter von 69 Jahren. Für 70- bis 74-Jährige beträgt der reguläre Anteil grundsätzlich 20 %, ab 75 grundsätzlich 10 %; je nach Einkommen kann auch ein Anteil von 30 % gelten.
Riskantes Verhalten macht eine Behandlung nicht automatisch zu 100 % Selbstzahlerleistung.
Das japanische Krankenversicherungsgesetz schließt Leistungen aus, wenn eine Person den Versicherungsfall vorsätzlich herbeiführt oder durch eine vorsätzliche Straftat verursacht. Bei Ursachen wie Schlägerei, starker Trunkenheit oder erheblich unangemessenem Verhalten können Leistungen ganz oder teilweise eingeschränkt werden.
Das Gesetz über die nationale Krankenversicherung enthält vergleichbare Einschränkungen.
Das System ist also kein „Dummheitspunktestand“, bei dem ab 80 Punkten automatisch 100 % selbst bezahlt werden.
Öffentliche Krankenversicherung deckt medizinische Risiken; sie vergibt keinen Preis für gutes Urteilsvermögen.
Das bedeutet aber auch nicht, dass jede vorsätzliche oder extreme Handlung sicher gedeckt ist. Ob eine gesetzliche Einschränkung greift, hängt von den Umständen und der Entscheidung des Versicherers ab.
9. Zusammenfassung — Wasser zirkuliert, Straßenschmutz fährt nicht auf dieselbe Weise mit
- Bei der Verdunstung werden Wassermoleküle zu Wasserdampf; Salz, Schlamm, Fäkalien und Bakterien werden nicht einfach mit zu Dampf.
- Mikroorganismen können dennoch über Tröpfchen, Staub und andere Bioaerosole in die Atmosphäre gelangen.
- Regen ist nicht steril, und nach Kontakt mit Dächern und Straßen kommen weitere Verunreinigungsquellen hinzu.
- Hochwasser kann Abwasser, Fäkalien, Chemikalien und Trümmer enthalten und sollte nicht zum Baden, Haarewaschen oder Spielen genutzt werden.
- Nicht getrunken zu haben reicht nicht; Haut, Wunden und Schleimhäute sind ebenfalls relevant.
- Die Ursache einer einzelnen Infektion lässt sich nicht allein aus der zeitlichen Reihenfolge oder einem einzigen Test ableiten.
- Die japanische öffentliche Krankenversicherung wird durch eine riskante Entscheidung nicht automatisch zu 100 % Selbstzahlung, auch wenn gesetzliche Leistungseinschränkungen für vorsätzliche und bestimmte andere Ursachen bestehen.
Die kürzeste Version:
Regen ist Regen.
Wasser auf einer überfluteten Straße ist Regen, nachdem er einmal durch die gesamte Schadstoffabteilung einkaufen war.
Die Wassermoleküle dürfen weiter zirkulieren.
Die Kopfhaut muss dem Logistiknetz der Straßensuppe nicht beitreten.
Official sources / 公的・学術資料
- Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism, Japan — 下水道施設の構成と下水の排除方式
https://www.mlit.go.jp/mizukokudo/sewerage/mizukokudo_sewerage_tk_000416.html - Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism, Japan — 合流式下水道の改善
https://www.mlit.go.jp/mizukokudo/sewerage/crd_sewerage_tk_000136.html - U.S. Centers for Disease Control and Prevention — Safety Guidelines: Floodwater
https://www.cdc.gov/floods/safety/floodwater-after-a-disaster-or-emergency-safety.html - U.S. Centers for Disease Control and Prevention — Guidelines for Septic and Onsite Wastewater Systems
https://www.cdc.gov/floods/safety/guidelines-for-septic-and-onsite-wastewater-systems.html - U.S. Centers for Disease Control and Prevention — Collecting Rainwater and Your Health: An Overview
https://www.cdc.gov/drinking-water/about/collecting-rainwater-and-your-health-an-overview.html - U.S. Geological Survey — Evaporation and the Water Cycle
https://www.usgs.gov/water-science-school/science/evaporation-and-water-cycle - Šantl-Temkiv et al. — Microbial ecology of the atmosphere, FEMS Microbiology Reviews / PubMed Central
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9249623/ - Ministry of Health, Labour and Welfare, Japan — 医療費の窓口負担割合等のご相談窓口について
https://www.mhlw.go.jp/stf/seisakunitsuite/bunya/kenkou_iryou/iryouhoken/newpage_00008.html - Ministry of Health, Labour and Welfare, Japan — 健康保険法 第116条・第117条(保険給付の制限)
https://www.mhlw.go.jp/web/t_doc?dataId=84024000&dataType=0 - Ministry of Health, Labour and Welfare, Japan — 国民健康保険法 第60条・第61条(給付制限)
https://www.mhlw.go.jp/web/t_doc?dataId=84079000&dataType=0
