Wer schreibt, möchte oft mit der interessantesten Erkenntnis oder der besten Pointe beginnen. Aber jemand, der über eine Suchmaschine kommt, kennt die Vorgeschichte noch nicht. Erzählt man sofort den Schlusswitz, fragt das Publikum womöglich „Moment, wer ist das?“ statt zu lachen. Das ist eine Verbeugung, bevor der Vorhang aufgeht.
Vor dem Schreiben sollte daher feststehen, welche konkrete Frage der Artikel für seine Leser beantworten wird.
1. Eine Suchfrage statt eines riesigen Themas
„Bloggen“ ist ein Thema; „Was sollte ich vor einem suchfreundlichen Blogartikel recherchieren?“ ist eine nachvollziehbare Aufgabe. Hilfreich sind aktuelle Suchergebnisse, verwandte Fragen, alltägliche Formulierungen und – sofern vorhanden – echte Suchanfragen, bei denen die eigene Website eingeblendet wurde. Gleiche Ziele gehören zusammen: etwas verstehen, vergleichen, eine Anleitung finden oder Änderungen nachlesen.
Ein einzelner Vorschlag der Suchvervollständigung beweist kein Suchvolumen. Impressionen der eigenen Seite entsprechen nicht dem gesamten Markt. Fehlende Zahlen bleiben unbekannt.
2. Fünf Prüfungen vor dem ersten Absatz
- Frage der Leser: Was möchten sie wissen, und welche Antworten zeigt die Suche? Eine Hauptfrage festlegen.
- Sprache und Region: Ortsübliche Namen, Alltagssprache und unterschiedliche Interessen prüfen. Eine wörtliche Übersetzung der japanischen Überschrift ersetzt keine Recherche.
- Vorhandene Texte: Beantwortet eine andere Seite der eigenen Website bereits dieselbe Frage? Dann zunächst aktualisieren, zusammenführen oder die Aufgaben der Texte klar trennen.
- Unterschied zu den ersten Treffern: Welche Beispiele, Originalquellen, eigenen Beobachtungen oder Vergleiche fehlen? Bloßes Umformulieren schafft wenig neuen Wert.
- Titel und Einstieg: Im Titel eine klare Antwort versprechen, diese zu Beginn geben und anschließend Belege, Beispiele und Humor liefern. Das Fazit muss zur Ausgangsfrage zurückkehren.
Wer das erst nach dem fertigen Entwurf überlegt, hat das ganze Haus gebaut und sucht dann einen Platz für die Haustür.
3. Die Pointe behalten, aber später bringen
Stellen wir uns ein frei erfundenes Meme vor: Eine Katze entschuldigt sich bei einem Kühlschrank. Die schreibende Person findet vor allem die Deutung witzig, darin zeige sich das Schuldgefühl der modernen Gesellschaft. Ein neuer Zuschauer möchte dagegen vielleicht zuerst wissen: „Woher stammt der Clip?“ oder „Was passiert hier?“.
Wenn sich die Herkunft prüfen lässt, erklärt man sie zuerst. Anschließend darf die absurde Interpretation folgen. Der Eingang beantwortet „Was ist das?“; im Text wartet das „Wie kommt man denn auf DIESE Idee?!“. Die Katze ist erfunden; Suchzahlen dazu wurden nicht gemessen.
4. Zwölf Sprachen brauchen zwölf Leserperspektiven
Ein Werk oder Meme kann in verschiedenen Sprachen anders heißen. Selbst Regionen mit derselben Sprache haben möglicherweise verschiedene Einstiegsfragen. Für jede Fassung sollte man lokale Bezeichnungen, mögliche Suchfragen, bestehende Ergebnisse, erforderliche Fakten und verständliche Beispiele prüfen.
Auch eine flüssige Übersetzung kann die falsche Frage beantworten. Ohne örtliche Nachfragedaten darf man keinen angeblich beliebten Suchbegriff erfinden.
5. Spitzenartikel sind Vergleichsmaterial, keine Kopiervorlage
Enthalten sie nur Anleitungen, ergänzt man konkrete Fehlerfälle. Sind sie vage, fügt man einen klaren Vergleich hinzu. Fehlen Belege, sucht man die Originalquelle. Eigene Beobachtungen und Witze sind ein Mehrwert, solange Fakten und Deutungen getrennt bleiben.
Wichtiger als das ständige Wiederholen von Suchwörtern ist eine Antwort, nach der Leser dieselbe Frage nicht sofort erneut suchen müssen.
6. Eine kleine Notiz genügt für den Anfang
Vor der Arbeit festhalten: Hauptfrage, direkte Antwort, vorhandene und fehlende Belege, Überschneidungen mit bestehenden Seiten, eigener Mehrwert, lokale Begriffe und die Übereinstimmung von Titel, Einstieg und Schluss. Eine zentrale Frage reicht pro Artikel.
Nach der Veröffentlichung sollten die erreichbare Seite, Entdeckung und Indexierung durch Suchmaschinen sowie Impressionen und Klicks getrennt überprüft werden. Ein guter Artikel garantiert weder sofortige Indexierung noch hohe Platzierungen.
Die Suche ist die Haustür. Die originelle Idee macht das Innere sehenswert. Behalte die Pointe – und versetze die Tür.
Quellen (3)
Die Beispiele sind keine Messwerte oder Rankinggarantien.
