Eigentlich sollte die Verbesserungsrunde unnötige Arbeit abschaffen. In der Praxis entstand vor allem eines: immer neue Versionen derselben Präsentation.
Ich habe so eine Qualitätszirkel-Aktion am Arbeitsplatz erlebt. Das Prinzip klang vernünftig: Problem erkennen, mögliche Ursache prüfen, Maßnahme ausprobieren und anschließend messen, ob sie geholfen hat.
Doch die Führungskraft hatte die Geschichte bereits fertig. Jetzt mussten die Folien nur noch zu dieser Geschichte passen. Belastbare Zahlen? Kaum vorhanden.
Die Daten fehlten entschuldigt. Die Erzählung war immer pünktlich da.
Die Ursache steht fest, bevor jemand nachgesehen hat
Auf den Folien sah alles hervorragend aus: Problem, Grundursache, Gegenmaßnahme, Erfolg.
Bloß wurde kaum geprüft, ob die angebliche Grundursache tatsächlich stimmte. Wer nach Daten fragte, bekam nicht unbedingt Daten, sondern Kritik an seiner Sichtweise.
Zum üblichen Vorgehen bei Qualitätsverbesserungen gehören die Bestandsaufnahme, die Ursachenanalyse und die Kontrolle der Wirkung.[1] Eine Vermutung ist ein sinnvoller Anfang. Sie ungeprüft zum Ergebnis zu erklären, ist keiner.
Der Chef verlangt eine Änderung. Dessen Chef verwirft sie
Auf Anweisung wird umformuliert. Im Vorher-nachher-Vergleich ist nicht erkennbar, was daran besser sein soll. Trotzdem wird die Version eingereicht.
Dann kommt die Rückmeldung von weiter oben: „Das stimmt doch so nicht, oder?“
Die ehrliche innere Antwort lautet: „Eben.“
Nur landet die nächste Überarbeitung wieder bei der Person, die die Folien erstellt hat. Wenn zwei Vorgesetzte unterschiedlicher Meinung sind, könnten sie sich vielleicht zuerst untereinander einigen. Beschäftigte sind keine Tischtennisplatten für Führungsdebatten.
Die Frist steht fest, das Ziel nicht
„Die Aussage muss stärker sein.“ „So überzeugt mich das nicht.“ Was genau als fertig gilt, bleibt offen.
Der Abgabetermin dagegen ist klar, knapp und unverrückbar. Neue grundlegende Vorgaben ändern nichts an der Frist. Reicht die Zeit nicht, liegt die Verantwortung angeblich bei der ausführenden Person.
Das ist wie ein Computerspiel mit Countdown, bei dem niemand die Siegbedingung verrät. Fragt man nach den Regeln, heißt es: „Mehr Eigeninitiative!“ Vielleicht braucht das Spiel ein Update.
„Du hast dabei viel gelernt“ ersetzt keine Arbeitsstunden
Natürlich kann man auch aus schwierigen Aufgaben etwas lernen. Das beweist aber nicht, dass jede unnötige Korrekturschleife den Zeitaufwand wert war.
Auch Führung ist lernbar: Ziele klären, Entscheidungen begründen, widersprüchliche Rückmeldungen abstimmen und bei zusätzlichem Aufwand Termine neu verhandeln.
Die Zeit anderer Menschen ist kein kostenloses Übungsheft.
Qualitätsmanagement für den Qualitätszirkel?
Man könnte die Sache tatsächlich messen: Wie viele Stunden gingen für Folienkorrekturen drauf? Welche Änderungen verbesserten das Ergebnis? Wie oft entstand Nacharbeit, weil Führungskräfte gegensätzliche Vorgaben machten?
Das ist ein Erlebnis aus einem Betrieb, keine pauschale Kritik an allen Qualitätszirkeln. Verbesserungen auf Basis von Daten sind sinnvoll. Deshalb wirkt ein Verfahren, das Daten durch Meinungen ersetzt, besonders absurd.
Ein Thema für die nächste Runde wäre da: „Unnötige Nacharbeit durch unsere eigenen Verbesserungsrunden reduzieren.“
Vermutlich käme der Titel mit Änderungswünschen zurück.
Quelle
[1] Union of Japanese Scientists and Engineers: QC Story und Qualitätsmethoden. Die Schilderung stammt aus einer anonymisierten Erinnerung, nicht aus einer unabhängigen Untersuchung.
