Am Anfang steht nur „Antworte kurz“. Die nächste Antwort ist zu oberflächlich, also kommt „Bei schwierigen Fragen ausführlich erklären“ dazu. Danach folgen „Fakten prüfen“, „Witze nicht streichen“ und „Alle Prüfschritte einhalten“. Irgendwann steht über jeder Zeile „höchste Priorität“. Es ist Berufsverkehr in der U-Bahn der Prioritäten, und jeder Fahrgast will zuerst einsteigen.
Die Lösung ist eine klare Aufteilung: Benutzerdefinierte Anweisungen regeln die übliche Antwortweise, die Erinnerungsfunktion liefert Kontext aus früheren Gesprächen, Projektanweisungen gelten für eine bestimmte Arbeit und GitHub-Dokumente enthalten ausführliche Abläufe. Eine gespeicherte Datei ist noch keine gelesene Datei.[1][2][3][4]
1. Vier Ablageorte erfüllen vier unterschiedliche Aufgaben
Benutzerdefinierte Anweisungen eignen sich für allgemeine Wünsche: zuerst die Frage beantworten, Fakten von Vermutungen trennen und veränderliche Informationen überprüfen. Laut OpenAI werden diese Vorgaben auf Unterhaltungen angewendet.[1]
Die Erinnerungsfunktion hilft ChatGPT, relevante Informationen aus früheren Gesprächen und anderen verfügbaren Quellen zu nutzen. Sie eignet sich für langfristige Interessen und laufende Vorhaben. Sie ist aber kein wortgetreues Archiv sämtlicher Gespräche.[2]
Projektanweisungen gelten nur für die jeweilige Arbeit. Für einen Artikel sind Quellenkontrolle und verständliche Sprache wichtig; bei der Frage nach dem Abendessen braucht es keine Redaktionskonferenz. In einem ChatGPT-Projekt haben die Projektanweisungen Vorrang vor den allgemeinen benutzerdefinierten Anweisungen.[3]
GitHub-Dokumente eignen sich für umfangreiche Regeln mit nachvollziehbaren Änderungen: Aufbau von Artikeln, Prüfungen für verschiedene Sprachen, Speicherorte und Fehlerbehandlung. Manche Programmierassistenten lesen AGENTS.md innerhalb eines Repositories. Daraus folgt nicht, dass jeder normale Chat automatisch alle GitHub-Dateien öffnet.[4]
2. Warum immer mehr Regeln zu schlechteren Ergebnissen führen können
Stell dir diese Liste vor: „Fass dich kurz.“ „Erkläre alles.“ „Keine langen Ausführungen.“ „Führe sämtliche Belege auf.“ Jede einzelne Forderung hat ihren Grund. Was fehlt, ist die Bedingung für ihre Anwendung.
„Einfache Fragen knapp beantworten, bei wichtigen Entscheidungen Belege und Alternativen erläutern“ fasst mehrere Anweisungen sinnvoll zusammen.
Eine dreißigteilige Veröffentlichungs-Checkliste in die Erinnerungsfunktion zu stopfen, ist wie die Bedienungsanleitung der Waschmaschine im Kühlschrank aufzubewahren. Platz ist vorhanden. Doch wer sucht bei einer Fehlermeldung im Gemüsefach? Erinnerungen liefern Hintergrundwissen, Handbücher liefern genaue Arbeitsschritte.
3. Vier Fragen helfen beim Sortieren
Gilt die Vorgabe für fast jedes Gespräch? Dann gehört sie in die allgemeinen Anweisungen. Handelt es sich um persönlichen Kontext, der sich ändern kann? Dafür ist die Erinnerungsfunktion gedacht. Betrifft sie nur ein Schreib- oder Softwareprojekt? Dann gehört sie zu diesem Projekt. Braucht sie viele Einzelheiten, Prüfschritte und eine Änderungshistorie? Dann passt ein versioniertes Dokument.
Der Auftrag für heute bleibt in der aktuellen Nachricht: „Dieser Artikel soll lustig sein, keine identifizierenden persönlichen Angaben enthalten und zwölf vollständige Sprachfassungen in einer Datei bieten.“ Die nächste Frage nach dem Einkaufszettel muss deshalb nicht in zwölf Sprachen beantwortet werden.
Ein Wunsch wie „Baue gelegentlich einen kurzen englischen Ausdruck in normale Gespräche ein“ ist eine allgemeine Antwortpräferenz. Wer eine Änderung genehmigen darf, die andere Teammitglieder betrifft, richtet sich dagegen nach den tatsächlichen Zuständigkeiten. Persönliche Vorlieben und gemeinsame Entscheidungsrechte gehören in verschiedene Schubladen.
4. Für die allgemeinen Anweisungen reicht ein tragfähiges Gerüst
Eine kurze Fassung könnte so aussehen:
Beantworte zuerst die eigentliche Frage. Halte einfache Antworten kurz und erläutere bei komplexen Entscheidungen Belege und Alternativen. Prüfe veränderliche Fakten. Unterscheide Beobachtungen von Vermutungen. Nutze nur relevanten früheren Kontext. Lies bei Projektarbeit die aktuellen Regeln, soweit sie zugänglich sind, und sage offen, wenn ein Dokument nicht gelesen werden konnte.
Das ist das Gerüst. Detaillierte Vorgaben für zwölf Sprachen, Veröffentlichungsschritte und Fehlerbehandlung können im Projekthandbuch stehen.
Kürze Wiederholungen, nicht wichtige Schutzregeln. Datenschutz und Sicherheitsgrenzen müssen auch in einer kompakten Fassung eindeutig bleiben.
5. GitHub überträgt Regeln nicht durch Gedankenlesen
Eine gemeinsame Regeldatei macht Änderungen nachvollziehbar und reduziert widersprüchliche Kopien. Ein kurzer Hinweis in den Projekteinstellungen kann auf sie verweisen.
Aber auf GitHub gespeichert bedeutet nicht in diesem Gespräch gelesen. Der Assistent braucht Zugriff und eine Möglichkeit, die Datei zu öffnen. Fehlen diese, muss der betreffende Abschnitt über einen unterstützten Weg bereitgestellt werden. Den Dateinamen zu nennen ist kein Lesebeleg.
Auch Entwurf fertig, Datei gespeichert, Inhalt zurückgelesen, Website aktualisiert und öffentliche Seite geprüft sind getrennte Meilensteine. Ein grüner Haken bei „gespeichert“ beweist keine Veröffentlichung. Genauso wenig aktualisiert eine geänderte Regeldatei nachweislich alle laufenden Zeitpläne.
6. Zwei echte Aufgaben zeigen, ob es funktioniert
Teste eine Alltagsfrage und eine typische Projektaufgabe, die bisher Schwierigkeiten gemacht hat. Bei der Alltagsfrage zählt, ob die Antwort direkt und die Fakten sorgfältig sind. Bei der Projektaufgabe zählt, ob das aktuelle Handbuch tatsächlich gelesen wurde, die Schritte eingehalten wurden und unerledigte Arbeit klar benannt wird.
Wenn etwas schiefgeht, unterscheide fehlenden Dateizugriff, unklare Regeln, widersprüchliche Anweisungen sowie fehlende Werkzeuge oder Berechtigungen. Überall ein weiteres „UNBEDINGT IMMER“ hinzuzufügen, macht den vollen Bahnsteig nur noch voller.
7. Ein guter Assistent muss nicht das ganze Büro auswendig kennen
Erinnerungen liefern Kontext, benutzerdefinierte Anweisungen regeln die übliche Antwortweise, Projektanweisungen steuern einen Auftrag, GitHub bewahrt das ausführliche Handbuch auf und die aktuelle Frage beschreibt das heutige Ziel.
Kommt eine neue Regel hinzu, sollte zuerst ihr Ablageort feststehen. Statt im Kopf der KI ein weiteres Lagerhaus anzubauen, gib ihr die Adresse des Handbuchs – und prüfe, ob sie die richtige Schublade geöffnet hat.
Quellen (4)
[1] OpenAI Help Center, ChatGPT Custom Instructions: https://help.openai.com/en/articles/8096356-chatgpt-custom-instructions
[2] OpenAI Help Center, Memory in ChatGPT: https://help.openai.com/en/articles/8590148-memory-in-chatgpt
[3] OpenAI Help Center, Projects in ChatGPT: https://help.openai.com/en/articles/10169521-projects-in-chatgpt
[4] GitHub Docs, Repository custom instructions: https://docs.github.com/en/copilot/how-tos/copilot-in-your-ide/customize-copilot/configure-custom-instructions/add-repository-instructions-in-your-ide


