„Vielleicht ist das mein Talent.“
Manchmal hat man dieses Gefühl.
Zum Beispiel kann man den ganzen Tag an etwas arbeiten und wird merkwürdigerweise nicht müde.
Niemand hat es einem aufgetragen, aber der Kopf denkt von selbst darüber nach.
Plötzlich sind schon Stunden vergangen.
Und es macht nicht nur Spaß: Es entstehen auch immer mehr fertige Ergebnisse.
In so einem Zustand fragt man sich leicht: „Ist das Talent?“
Aber hier ist ein bisschen Vorsicht angebracht.
Dass man etwas den ganzen Tag machen kann, heißt nicht automatisch, dass es Talent ist.
Da mischen sich neben dem Talent auch Interesse, Umfeld, Werkzeuge, das Gefühl der Belohnung und der Reiz des Neuen.
Um Talent richtig einzuschätzen, reicht die Frage „Habe ich diese Fähigkeit?“ nicht aus. Man muss auch schauen, ob diese Fähigkeit in einem Umfeld steckt, in dem sie sich auszahlt.
„Nicht müde werden“ liegt nicht nur am Talent
Oft heißt es: „Wenn man etwas gern macht, wird man nicht müde.“
Das stimmt teilweise.
Bei Dingen, die uns interessieren, ist die Hürde vor dem Anfangen klein.
Die Hände bewegen sich, ohne dass man sich aufraffen muss.
Es ist keine Pflicht, sondern man nähert sich ganz von selbst.
Aber wenn es nur das ist, bleibt es vielleicht bloß ein Hobby.
Zum Beispiel: Wer gern Manga liest, kann deshalb noch lange nicht alle Manga-Kritiken schreiben.
Wer gern Musik hört, kann daraus nicht automatisch Musikgeschichte oder eine Theorie über Generationen machen.
Wer gern mit Menschen redet, kann aus Gesprächen nicht automatisch Artikel oder Projekte entwickeln.
Interesse ist also der Treibstoff, aber Treibstoff allein ergibt noch kein Ergebnis.
Was hier gebraucht wird, ist Umwandlungsfähigkeit.
Interesse ist der Treibstoff, Talent ist der Umwandlungsmotor
Den Zustand, in dem man sein Talent nutzt, versteht man leichter, wenn man ihn so aufteilt:
- Interesse: neugierig sein, es spannend finden, mehr wissen wollen
- Talent: es leichter verarbeiten als andere, die Struktur erkennen
- Stärke: es in ein Ergebnis verwandeln können
- Umfeld: ohne Reibung weitermachen können
- Werkzeuge: sie beschleunigen die Arbeit
- Gefühl der Belohnung: je mehr man tut, desto mehr kommt zurück
Angenommen, im Alltagsgespräch taucht ein halbwegs interessantes Thema auf.
Normalerweise sagt man „Ach so“ und es ist erledigt.
Selbst wenn es einen etwas bewegt, endet es bei „War lustig“ oder „Hat mich geärgert“.
Aber wenn man von diesem Thema aus weiterdenken kann bis zu
- warum es interessant ist
- wo die Struktur steckt
- welche Suchanfragen dahinterstehen
- was für ein Artikel daraus werden könnte
- mit welchem Titel er gelesen würde
- welche Leser er ansprechen würde
dann ist das nicht bloß Interesse.
Dann hat man die Kraft, Interesse als Rohmaterial zu nehmen, zu strukturieren und in ein Ergebnis zu verwandeln.
Genau hier liegen Talent und Stärke.
Passt das Umfeld nicht, wird Talent zur Zermürbung
Allerdings: Selbst mit Talent zehrt ein schlechtes Umfeld einen aus.
Das ist ziemlich wichtig.
Auch die gleiche „Fähigkeit, Ungereimtheiten zu bemerken“ führt je nach Umfeld zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.
Angenommen, man entdeckt in der Firma eine Aufgabe, die niemand definiert hat.
Und dann
- sammelt man die Annahmen ein, die niemand festgelegt hat
- klärt es mit den Beteiligten ab
- ordnet die Abläufe
- bringt die Besprechungen voran
- übernimmt auch noch die praktische Umsetzung
- macht daraus ein vorzeigbares Ergebnis
So weit sei es gekommen.
Eigentlich wäre das ziemlich wertvoll.
In einem schlechten Umfeld läuft es aber so:
- Man bekommt keinen Entscheidungsspielraum
- Man hat auch keine Freigabebefugnis
- Aber die Verantwortung landet trotzdem bei einem
- Man wird zum Mädchen für alles
- Man wird im Nachhinein bewertet
- Am Ende heißt es: „Seien Sie proaktiver“
Dann wird das Talent nicht genutzt, sondern ausgesaugt.
Die Fähigkeit, Ungereimtheiten zu bemerken, zu strukturieren und umzusetzen, rechnet sich in einem schlechten Umfeld alles nur im Minus.
Das ist genau so, als würde man seine eigene Trinkflasche einem „löchrigen Zoo“ hinhalten (so nenne ich Orte voller Lücken, die niemand stopft).
Im passenden Umfeld wird dieselbe Fähigkeit zum Vermögenswert
Umgekehrt: Dieselbe Fähigkeit, in ein passendes Umfeld gesetzt, wird sofort profitabel.
Zum Beispiel, wenn man hat:
- Spracheingabe auf dem Smartphone
- eine KI, mit der man Ideen durchsprechen kann
- eine Möglichkeit, Einfälle sofort in ein Markdown-Dokument (MD) zu verwandeln
- einen Weg, sie an Codex (ein KI-Programmierwerkzeug) oder ein CMS (ein System zum Veröffentlichen von Artikeln) weiterzugeben
- Ergebnisse, die als Artikel erhalten bleiben
- die Chance, später über SEO (Suchmaschinenoptimierung) oder soziale Medien gelesen zu werden
- die Freiheit, Themen selbst zu wählen
Mit so einem Umfeld werden alltägliche Ungereimtheiten und Gespräche zu Vermögenswerten.
Small Talk, Nachrichten, Eindrücke von einem Anime, Stress im Job, eine Frage zu Taifunen: Alles wird zum Rohstoff für Artikel.
Das ist weniger „sich anstrengen, Artikel zu schreiben“ als vielmehr ein System, das tägliche Eindrücke in Vermögenswerte umwandelt.
Wichtig ist hier nicht nur die Fähigkeit selbst.
Dass man ein Umfeld geschaffen hat, in dem sich die Fähigkeit auszahlt, fällt stark ins Gewicht.
„Ich kann es, weil ich es mag“ ist nicht dasselbe wie „Es bringt Ergebnisse, weil es meine Stärke ist“
Was man gern macht, hält man leicht durch.
Aber bloßes Mögen bringt manchmal keine Ergebnisse.
Umgekehrt hält man auch bei Dingen, die man gut kann, ohne Interesse nicht lange durch.
Und selbst mit Talent zehrt ein schlechtes Umfeld einen aus.
Wenn man sich also fragt „Ist das Talent?“, hilft es, so zu unterscheiden.
1. Interesse
Man will es tun.
Es weckt die Neugier.
Man will mehr sehen.
Man recherchiert von selbst.
Das ist der Treibstoff.
2. Talent
Man kann es leichter als andere.
Man sieht die Struktur.
Man kann es in Worte fassen.
Man verarbeitet es schnell.
Das ist der Motor.
3. Stärke
Man kann daraus ein Ergebnis machen.
Man kann es anderen erklären.
Man kann es in Artikel, Unterlagen, Projekte oder Systeme umsetzen.
Das ist die Fähigkeit, daraus ein Produkt und einen Vermögenswert zu machen.
4. Umfeld
Wenig Reibung.
Niemand stört.
Man hat Entscheidungsspielraum.
Man hat Werkzeuge.
Die Ergebnisse bleiben bestehen.
Das ist das Ziel, wohin die Ergebnisse fließen.
Wenn diese vier zusammenkommen, gerät man leicht in den Zustand „den ganzen Tag arbeiten können, ohne müde zu werden“.
Merkmale, wenn man sein Talent nutzt
Wenn das Talent arbeitet, zeigen sich einige Merkmale.
Der Einstieg kostet wenig
Es beginnt mit „Ich mach mal ein bisschen“, nicht mit „Ich muss“.
Man muss sich nicht an den Schreibtisch setzen und aufraffen. Man kann auf dem Smartphone eine Notiz machen, per Sprache eingeben oder es einer KI zuwerfen.
Gewöhnliche Ereignisse sehen wie Rohmaterial aus
Gespräche mit Leuten, Nachrichten, Ungereimtheiten bei der Arbeit, Eindrücke zu Manga und Anime.
Was sonst einfach vorbeiziehen würde, sieht plötzlich nach Artikel, Projekt, Unterlage oder Produktidee aus.
Eigene Wörter entstehen
In Bereichen, in denen das Talent durchkommt, entstehen leicht eigene Bezeichnungen.
Zum Beispiel:
- Vermögensbildung in drei Fingertipps
- der löchrige Zoo
- Initiativen-Waschanlage (etwas, das einem andere aufgedrückt haben, als eigene Initiative erscheinen lassen)
- das Affentreffen (eine Besprechung, in der nichts entschieden wird)
- die bodenlose Untergrenze (ein Maßstab, der immer weiter sinkt)
Solche Wörter sind nicht bloß Metaphern.
Sie sind Denk-Kompressoren, mit denen sich eine komplizierte Struktur in einem Satz handhaben lässt.
Je mehr Ergebnisse, desto mehr Lust weiterzumachen
Bei gewöhnlicher Arbeit ermüdet man, je mehr man produziert.
Doch wenn das Talent in einem passenden Umfeld wirkt, fühlt es sich mit jedem weiteren Ergebnis eher an wie „Das nächste schaffe ich auch“.
Das liegt daran, dass die Arbeit nicht bloß Verbrauch ist, sondern etwas zurückbringt.
Aber Vorsicht vor dem Hochgefühl und körperlicher Erschöpfung
Hier noch ein Hinweis.
Auch wenn man sich „nicht müde“ fühlt, heißt das nicht, dass der Körper nicht müde ist.
Wenn das Gehirn Spaß hat, merkt man körperliche Erschöpfung kaum.
Mental mag man im Plus sein, aber Augen, Schultern, Rücken, Schlaf und Nerven nutzen sich ganz normal ab.
Besonders wenn man gerade eine neue Erfolgsformel gefunden hat, dreht das Gehirn leicht auf.
- Das gibt auch einen Artikel
- Jenes wird auch ein Vermögenswert
- Ich kann noch weiter
- Da lässt sich noch mehr herausholen
Ein solcher Zustand ist stark, aber nicht unendlich.
Wer sein Talent nutzen will, sollte Pausen fest einplanen.
Talent ist nichts, was man restlos verbrennt.
Man betreibt es zusammen mit Erholung, damit man es dauerhaft einsetzen kann.
Talent zahlt sich aus, wenn man es im „eigenen Garten“ einsetzt
In einer Firma oder Organisation können die eigenen Stärken ins Minus rutschen.
Man sieht es, also greift man es auf.
Man kann es, also wird es einem übertragen.
Es wird einem übertragen, also wächst die Verantwortung.
Aber weder Entscheidungsspielraum noch Anerkennung kommen zurück.
In diesem Zustand ist das Talent keine Stärke, sondern eine Quelle der Zermürbung.
Im eigenen Garten ist es anders.
Man wählt das Thema selbst.
Man erfindet die Bezeichnungen selbst.
Man macht selbst einen Artikel daraus.
Man macht selbst einen Vermögenswert daraus.
Man holt selbst den Ertrag ein.
In diesem Umfeld wird dieselbe Fähigkeit profitabel.
Talent zu nutzen bedeutet also nicht einfach, „das zu tun, was man gut kann“.
Es bedeutet, einen Zustand zu schaffen, in dem das, was man gut kann, sich mit dem eigenen Interesse verbindet und in einem reibungsarmen Umfeld als Ergebnis bestehen bleibt.
Fazit: Talent explodiert nicht allein, sondern im Zusammenspiel
„Was man den ganzen Tag machen kann“, lässt sich nicht allein mit Talent erklären.
Da ist Interesse.
Da ist ein Umfeld.
Da sind Werkzeuge.
Da ist das Gefühl der Belohnung.
Und auch der Reiz des Neuen.
Trotzdem: Wenn man all das in Ergebnisse umwandelt, steckt darin tatsächlich eine Stärke.
Wichtig ist, Talent nicht allzu sehr zu verklären.
Talent ist weniger ein Edelstein, der von Geburt an glänzt, sondern eher
ein Motor, der plötzlich auf Touren kommt, wenn man ihn in das passende Umfeld setzt.
Interesse ist der Treibstoff.
Talent ist der Umwandlungsmotor.
Das Umfeld ist die Straße.
Werkzeuge sind der Beschleuniger.
Das Ergebnis ist das Ziel und zugleich der Treibstoff für die nächste Fahrt.
Wenn all das ineinandergreift, gerät man in den Zustand „den ganzen Tag arbeiten können, ohne müde zu werden“.
Wer also sein Talent sucht, sollte die Frage neu stellen.
Nicht nur „Was kann ich gut?“ sondern auch
„In welchem Umfeld zahlt sich das aus?“
Talent sollte man samt Umfeld betrachten.
Das ist der erste Schritt, die eigenen Stärken wirklich zu nutzen.
