Verantwortung mündlich abschieben zieht bei Protokollführern nicht

Es gibt Leute im Job, die versuchen, Verantwortung mündlich und ganz nebulös zu verschieben.

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Eckdaten zum Artikel

  • Vorgeschlagener Dateiname: verbal-laundering-vs-workplace-logs.md
  • Vorgesehener Titel: Mündliche Geldwäsche funktioniert nicht bei Leuten, die mitprotokollieren
  • Untertitel: Wenn schlampige Schuldabwälzung, der zum Zuständigen erklärte Helfer und die Von-oben-herab-Masche durchschaut werden
  • Zielgruppe:
    • Menschen, die aus Gutmütigkeit geholfen haben und plötzlich die Verantwortung aufgebrummt bekamen
    • Menschen, die sich an den schlampigen Umdeutungen von Chefs oder Teamleitern stören
    • Menschen, die spüren, wie wichtig Nachweise, Protokolle und Chatverläufe im Job sind
  • Suchbegriffe:
    • Schuldabwälzung Arbeitsplatz Protokoll
    • aus Gutmütigkeit geholfen und jetzt verantwortlich
    • Chef mündliche Anweisung Nachweis
    • mündliche Geldwäsche
    • Arbeit Dokumentation Bedeutung
    • am Arbeitsplatz Protokoll führen
    • Chef macht aus Bitte eine Standpauke
  • Meta-Beschreibung:
    • Am Arbeitsplatz schieben manche die Verantwortung auf den, der gutmütig geholfen hat: die „mündliche Geldwäsche". Wer mitprotokolliert, durchschaut solche Ausflüchte und Machtspielchen. Dieser Artikel erklärt, warum diese schlampige Dominanz gefährlich ist und wie Sie sich schützen.

Einstieg: Glauben Sie, mit ein bisschen Reden im Moment sei die Sache erledigt?

Es gibt Leute im Job, die versuchen, Verantwortung mündlich und ganz nebulös zu verschieben.

Ein typisches Beispiel.

Der eigentlich Zuständige hat die Sache nicht erledigt.
Eine andere Abteilung fragt nach.
Es muss eilig ein Brand gelöscht werden.
Und dann sagt man zu der Person, die aus Gutmütigkeit nur weitergeleitet oder kurz ausgeholfen hat:

Das ist doch Ihr Juniorkollege, oder?
„Ich hab's ihm auf den Tisch gelegt, geht mich nichts mehr an" gilt eben nicht.
Fragen Sie per LINE nach.
Na ja, diesmal drücke ich ein Auge zu.

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine ganz normale Anweisung oder Ermahnung.

Bei genauerem Hinsehen ist es aber ziemlich merkwürdig.

Eigentlich hätte es gereicht zu sagen: „Der Zuständige hat das nicht bearbeitet. Tut mir leid, dass es eilt, könnten Sie das ausnahmsweise diesmal übernehmen?"
Stattdessen wird aus der Bitte eine Standpauke, eine Erlaubnis, eine Senioritätspredigt, ein Vorwurf.

Das ist ziemlich billig.

Denn in der heutigen Arbeitswelt bleiben Spuren.

Wer die Anfrage wann erhalten hat.
Wer sie per Chat weitergegeben hat.
Ob sie gelesen wurde.
Wo das Originaldokument hingelegt wurde.
Wer es liegen gelassen hat.
Wer am Ende den Brand gelöscht hat.
Wer mit welchen Worten versucht hat, die Verantwortung abzuschieben.

Das alles bleibt erhalten.

Wer also nur im Moment mündlich ein Machtgefälle herstellt oder Verantwortung verschiebt, wird von jemandem, der mitprotokolliert, durchschaut.

In diesem Artikel ordne ich dieses Muster als „Arbeitsplatz, an dem im Zeitalter der Protokolle mündliche Geldwäsche versucht wird" ein.


1. Das Unbehagen, das viele kennen: Man hilft aus Gutmütigkeit und steht plötzlich als der Schuldige da

Genau hier beginnt bei vielen das Unbehagen.

Man ist eigentlich nicht zuständig.
Aber jemand steckte in der Klemme.
Es war eilig.
Also hat man aus Gutmütigkeit weitergeleitet.
Oder kurz bei der Arbeit mit angepackt.

Und später heißt es:

Warum haben Sie das nicht bis zum Ende im Auge behalten?
Sie haben es doch weitergegeben, oder?
Das ist doch Ihr Juniorkollege, oder?
„Ich hab's ihm auf den Tisch gelegt, geht mich nichts mehr an" gilt eben nicht.

In diesem Moment fühlt sich das richtig schräg an.

Denn was man getan hat, war keine „offizielle Übernahme der Zuständigkeit", sondern eine „vorübergehende Weiterleitung" oder „Hilfe aus gutem Willen".

Nehmen wir an, Sie bekommen eine Anfrage, einen Vertrag zu ändern.

  • Eine andere Abteilung schickt die Anfrage
  • Sie geben die Änderungen per Chat an den zuständigen Kollegen weiter
  • Die Nachricht wird gelesen
  • Sie legen das Original auf den Schreibtisch des Kollegen
  • Die Ausstellung und Änderung des Vertrags gehörte eigentlich zu seinen Aufgaben

Wenn Sie so weit gegangen sind, haben Sie Ihre Rolle als Vermittler erfüllt.

Natürlich kann bei Eile noch mehr nötig sein.
Aber dann braucht es eine klare Bitte von einem Vorgesetzten oder Verantwortlichen.

Der Zuständige hat das nicht bearbeitet, und es gibt eine Frist. Bitte übernehmen Sie das dringend und nur diesmal als Vertretung.

So etwas versteht man.

Wenn daraus aber wird:

Das ist doch Ihr Juniorkollege, oder?
Ich drück ein Auge zu.

dann ist es etwas anderes.

Das ist keine Bitte.
Das ist ein Verantwortungs-Trick.


2. Geordnet nach den Spielregeln: Zuständiger, Vermittler und Leitung sind verschiedene Ebenen

In der Arbeit gibt es mindestens drei Rollen.

Der Zuständige

Derjenige, der die Aufgabe tatsächlich ausführt.

Einen Vertrag ändern.
Eine Stellenanzeige erstellen.
Die Ausgangsdaten aktualisieren.
Ein Dokument ausstellen.

Der Vermittler

Derjenige, der Anfragen oder Informationen an den Zuständigen weitergibt.

Per Chat teilen.
Das Originaldokument übergeben.
Die Beteiligten informieren.
Die Brücke schlagen: „Es ist folgende Anfrage gekommen."

Die Leitung

Diejenige Person, die Fortschritt und Prioritäten des Zuständigen im Blick hat.

Wenn etwas liegen bleibt, entscheidet sie, wer einspringt.
Sie sorgt dafür, dass Fristen eingehalten werden.
Sie legt klar fest, wer wofür zuständig ist.
Sie überlegt, wie man Wiederholungen verhindert.

Eigentlich sind diese drei Rollen voneinander getrennt.

In einem Betrieb voller Löcher vermischen sie sich aber.

Wer nur weitergeleitet hat, wird plötzlich zum Zuständigen gemacht.
Wer einmal geholfen hat, wird zum Fortschrittsverantwortlichen.
Wer aus Gutmütigkeit ein Loch gestopft hat, wird zum Besitzer des Lochs.

Das nenne ich die „Sorgerechts-Geldwäsche für gutmütige Arbeit".

Einmal angefasst, und schon heißt es:

Das ist doch Ihr Kind, oder?

Das ist ziemlich plump.


3. In heutigen Begriffen: Die Gefahr, im Zeitalter der Protokolle mündlich Geld zu waschen

Mit heutigen Worten ist das mündliche Geldwäsche im Zeitalter der Protokolle.

Früher konnte man vielleicht mit Schwung und Stimmung im Moment alles durchdrücken.

Hab ich das gesagt?
Passen Sie doch bitte besser auf.
Es war doch klar, dass Sie das machen, oder?
Na ja, diesmal drück ich noch ein Auge zu.

Bei solchen Sätzen blieb dem Gegenüber manchmal nichts anderes übrig, als es zu schlucken.

Heute ist das anders.

Es gibt den Chatverlauf.
Es gibt Lesebestätigungen.
Es gibt E-Mails.
Es gibt die Änderungshistorie von Dateien.
Es gibt Sendezeiten.
Es gibt Bearbeitungsprotokolle.
Es gibt Notizen.

Wer wann was bis wohin getan hat, bleibt erhalten.

Deshalb zieht schlampige mündliche Dominanz kaum noch.

Im Gegenteil: Für jemanden, der mitprotokolliert, liegt die ganze Plattheit offen da.

Aha, gerade hat er aus der Bitte eine Standpauke gemacht.
Aha, die Koordinationsverantwortung will er auf mich abwälzen.
Aha, den gutmütigen Vermittler will er zum Zuständigen machen.
Aha, und dass alles protokolliert ist, hat er nicht auf dem Schirm.

So läuft das.

Das ist ziemlich gefährlich.

Denn die Person glaubt, sie führe geschickt, während das Gegenüber es als „schlampige Schuldabwälzung" beobachtet.


4. Warum heißt es „Ich erlaube es" statt „Bitte"?

Warum können solche Leute nicht einfach normal bitten?

Eigentlich müssten sie nur sagen:

[Name] kann gerade nicht. Tut mir leid, dass es eilt, aber könnten Sie das diesmal übernehmen?

Damit wäre alles erledigt.

Trotzdem bringen manche das nicht über die Lippen.

Ein Grund ist wohl: Sie haben das Gefühl, sich durch eine Bitte klein zu machen.

Wer bittet, gibt zu, die Hilfe des anderen zu brauchen.
Er gibt zu, dem anderen eine Last aufzubürden.
Er muss „tut mir leid, aber" sagen.

Manche halten diesen kurzen Moment des Rangverlusts nicht aus.

Also verwandeln sie die Bitte in etwas anderes.

Die Bitte in eine Standpauke verwandeln

Das ist doch Ihr Juniorkollege, oder?

Das Bitten in eine Erlaubnis verwandeln

Diesmal drück ich ein Auge zu.

Den Hilferuf in einen Vorwurf verwandeln

„Ich hab's ihm auf den Tisch gelegt, geht mich nichts mehr an" gilt eben nicht.

Die Koordinationspflicht der Leitung in eine Senioritätspredigt verwandeln

Er ist doch Ihr Junior, da müssen Sie schon mal nach ihm schauen.

So steht man oberflächlich wieder oben.

In Wahrheit will man Hilfe.
In Wahrheit soll der andere es übernehmen.
In Wahrheit müsste man als Leitung selbst koordinieren.

Aber das gibt man nicht zu und verpackt es als Erlaubnis, Standpauke oder Senioritätsgerede.

Das ist der Kern des Unbehagens.


5. Warum man durchschaut wird: Wer mitprotokolliert, sieht die Struktur, nicht die Worte

Wer mitprotokolliert, ist nicht einfach nur pedantisch.

Er sieht die Struktur hinter den Aussagen.

  • Wer eigentlich zuständig ist
  • Wer nur weitergeleitet hat
  • Wer die Sache liegen ließ
  • Wer als Leitung hätte nachfragen müssen
  • Wer am Ende den Brand gelöscht hat
  • In welchem Moment die Verantwortung verschoben wurde
  • Mit welchen Worten das Rangverhältnis hergestellt wurde

Genau das sieht er.

Deshalb fallen schlampige Umdeutungen sofort auf.

Nehmen wir den Satz „Ich drück ein Auge zu".

Auf den ersten Blick wirkt der Chef großzügig.

Strukturell sieht es aber so aus.

Eigentlich hatte der Zuständige nichts getan.
Es brauchte dringend eine Vertretung.
Die Leitung hätte darum bitten müssen.
Trotzdem wird der Helfer in die Rolle dessen gesteckt, dem verziehen wird.

Das ist schon sehr seltsam.

Wer bittet, stellt sich auf die Seite dessen, der verzeiht.

Wer mitprotokolliert, sieht das.

Deshalb wird nicht nur durchschaut, „was gesagt wurde", sondern auch, „warum es so gesagt wurde".


6. Ein Satz, der sitzt: Wenn du bittest, dann sag, dass du bittest. Es wird protokolliert.

Wenn man dieses Muster in einem Satz fassen will, dann in diesem.

Wenn du bittest, dann sag, dass du bittest. Es wird protokolliert.

Mehr ist es nicht.

Ist der Zuständige nicht da, soll man das sagen.
Ist es eilig, soll man das sagen.
Will man vorübergehende Hilfe, soll man darum bitten.
Belastet man jemanden außerhalb seines Bereichs, soll man sich bedanken und den Umfang klar benennen.

Stattdessen macht man aus der Bitte eine Standpauke, aus dem Bitten eine Erlaubnis und aus der Leitungsverantwortung eine Senioritätspredigt.

Im Moment mag das durchgehen.

Aber im Protokoll bleibt es stehen.
Im Gedächtnis des anderen auch.
Und das Vertrauenskonto schrumpft.

Und dann hilft einem beim nächsten Mal niemand mehr.


7. Warum die „Rettungstruppe der guten Absicht" dichtmacht

Wenn das so weitergeht, helfen gerade die Fähigen immer weniger.

Denn sie lernen.

Wer aus Gutmütigkeit weiterleitet, wird zum Zuständigen gemacht.
Wer einmal hilft, wird zum Fortschrittsverantwortlichen.
Wer eilig einen Brand löscht, dem wird es beim nächsten Mal selbstverständlich wieder zugeschoben.
Und statt Dank gibt es eine Standpauke oder eine „Erlaubnis".

So macht niemand mehr etwas, was nicht seine Aufgabe ist.

Chefs und Leitende sagen dann vielleicht:

Keiner hat Eigeninitiative.
Die Leute können nicht mitdenken.
Sie fühlen sich nicht verantwortlich.

In Wirklichkeit ist es umgekehrt.

Wer Eigeninitiative gezeigt hat, wurde einfach durch Verantwortungswäsche verheizt.

Wer guten Willen gezeigt hat, hat einfach draufgezahlt.

Deshalb macht die Rettungstruppe der guten Absicht dicht.

Das ist keine Kälte.
Das ist gesunde Selbstverteidigung.


8. Gegenmaßnahme: Protokolle nicht als Waffe, sondern als Rüstung führen

Was also tun in so einem Betrieb?

Zuerst: Protokolle führen.

Aber das Protokoll ist keine Waffe, um den anderen anzugreifen, sondern darf einfach eine Rüstung zum eigenen Schutz sein.

Was festgehalten werden sollte

  • Datum und Uhrzeit des Auftragseingangs
  • Wer die Anfrage gestellt hat
  • Wer zuständig ist
  • Was weitergegeben wurde
  • Auf welchem Weg
  • Ob es gelesen oder beantwortet wurde
  • Wo das Original oder die Daten liegen
  • Was Sie selbst erledigt haben
  • Was noch offen ist
  • Wer als Nächstes dran ist

Wenn Sie das festgehalten haben, können Sie später, auch wenn man Ihnen die Verantwortung zuschieben will, sagen:

Die Fakten sind folgende.

Sie müssen nicht emotional widersprechen.
Allein die Nachweise stärken Ihre Verteidigung.


9. Gegenmaßnahme: Wenn Sie aus Gutmütigkeit einspringen, schreiben Sie zuerst den Umfang auf

Wenn Sie aus Gutmütigkeit aushelfen, schreiben Sie zuerst den Umfang auf.

Ein brauchbarer Satz

Da es eilt, übernehme ich das diesmal vorübergehend. Alles Weitere bitte wieder auf Seiten der Zuständigen.

Etwas höflicher:

Da diese Sache eilt, übernehme ich sie diesmal selbst.
Zuständig ist jedoch [Name]. Weitere Änderungen, die Fortschrittskontrolle und die abschließende Verwaltung bleiben bitte dort.

Bei einer Vertragsänderung kann man zum Beispiel schreiben:

Wegen einer dringenden Rückfrage habe ich im Erstellungsblatt die Arbeitszeit vorläufig von 9:30 auf 9:00 geändert und an die zuständigen Abteilungen geschickt.
Die Ausgangsdaten sind noch nicht geändert; bitte lassen Sie diese anschließend von den Zuständigen korrigieren.

Diese Formulierung hat drei Stärken.

  1. Es ist klar, dass es sich um eine eilige, vorübergehende Maßnahme handelt
  2. Ausgangsdaten und die offizielle Verwaltung bleiben bei den Zuständigen
  3. Sie zeigt, dass Sie nicht offiziell zuständig geworden sind

Ohne das wird aus gutmütiger Hilfe leicht eine feste Zuständigkeit.


10. Gegenmaßnahme: Nicht gar nicht helfen, sondern nur bei erfüllten Bedingungen

„Ich helfe nicht mehr", das zu denken, ist natürlich.

Wenn man schon mehrfach mit Verantwortungswäsche überzogen wurde, sollte man tatsächlich nicht mehr bedingungslos helfen.

Aber statt gar nichts mehr zu tun, ist es realistischer, nur dann zu helfen, wenn die Bedingungen stimmen.

Bedingungen fürs Helfen

  • Der Zuständige ist klar
  • Die Frist ist klar
  • Der Auftraggeber ist klar
  • Wer am Ende prüft, ist klar
  • Ihr eigener Aufgabenumfang ist klar
  • Es ist klar, ob es einmalig ist oder Sie dauerhaft zuständig werden
  • Es ist klar, wer nach Ihrer Hilfe die Ausgangsdaten und die Nacharbeit korrigiert

Aufgaben ohne das greift man nicht auf.

Auch wenn man ein Loch sieht, ist es nicht unbedingt das eigene.

Ich sehe das Loch, aber es ist nicht mein Loch.
Wenn es eilt, fragt bitte an mit Zuständigem, Frist und Prüfer.

Diese Haltung genügt.


11. Eine Botschaft an Chefs und Leitende: Oberflächliche Dominanz wird durchschaut

An Chefs und Leitende gerichtet möchte ich Folgendes sagen.

Oberflächliche Dominanz wird durchschaut.

Auch wenn Sie durch Ihre Wortwahl im Moment ein Rangverhältnis herstellen, das Gegenüber beobachtet Sie.

Aha, diese Person kann nicht um etwas bitten.
Aha, diese Person will die Koordination als Leitung nicht leisten und einfach durchreichen.
Aha, diese Person will gutmütige Hilfe zur festen Zuständigkeit machen.
Aha, diese Person weiß nicht, dass alles protokolliert wird.

So wird gedacht.

Und das Vertrauen sinkt.

Besonders bei fähigen Leuten, bei Leuten, die Strukturen sehen, die Protokolle führen und schriftlich Nachweise hinterlassen, verfängt das kaum.

Diese Leute reagieren oberflächlich vielleicht sachlich.
Innerlich beobachten sie aber sehr nüchtern.

Das ist Schuldabwälzung.
Das ist, einen gutmütigen Helfer zum Zuständigen zu machen.
Er verwandelt eine Bitte in eine Erlaubnis.
Beim nächsten Mal greife ich das nicht auf.

So entscheiden sie.

Und eines Tages hilft einem niemand mehr.


12. Fazit: Gute Absicht stirbt, wenn man sie schlampig behandelt

Menschen, die aus Gutmütigkeit helfen, sind für einen Betrieb ziemlich wertvoll.

Sie merken, wenn jemand in Not ist.
Sie leiten Anfragen weiter.
Wenn es eilt, löschen sie den Brand.
Wenn nötig, stopfen sie vorübergehend ein Loch.

Weil es solche Menschen gibt, läuft ein Betrieb manchmal irgendwie weiter.

Aber behandelt man diese gute Absicht schlampig, stirbt sie.

Man macht aus guter Absicht eine feste Zuständigkeit.
Und kanzelt dann auch noch ab.
Man hält eine Standpauke, obwohl es eine Bitte war.
Man „erlaubt", obwohl man bittet.
Man drückt die Koordination, die Sache der Leitung wäre, per Senioritätsgerede auf andere ab.

Wer das tut, bei dem ziehen sich gerade die Fähigen zurück.

Am Ende bleibt ein Betrieb, in dem niemand mehr etwas Zusätzliches tut.

Und dann „keine Eigeninitiative" zu sagen, ist ziemlich bequem.

Vielleicht tötet gerade der Betrieb die Eigeninitiative, der gute Absicht in Verantwortung umwandelt.

Noch ein letztes Wort.

Wenn du bittest, dann sag, dass du bittest.
Stell dich nicht auf die Seite dessen, der erlaubt.
Mündliche Geldwäsche funktioniert im Zeitalter der Protokolle nicht.
Mach den, der aus Gutmütigkeit eine Brücke gebaut hat, nicht zur Brückenverwaltung.

In einem Betrieb, der das nicht versteht, ist es nur natürlich, dass die Rettungstruppe der guten Absicht dichtmacht.

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