Arbeitstitel
Warum machen „Fisch-Lebensläufe“ Ausstellungen spannender? Wie ein Aquarium Fische als Individuen zeigt
Haupttext
Schon der Name ist stark: „Uorekisho“, also „Fisch-Lebenslauf“ (ein Wortspiel mit „Rirekisho“, dem japanischen Wort für Lebenslauf).
Ein Lebenslauf für einen Fisch.
Das heißt: Das Aquarium will den Fisch nicht bloß als Art zeigen, sondern als ein einzelnes Individuum.
Genau das finde ich spannend.
In einem Aquarium werden Fische leicht als „Sorte“ wahrgenommen.
Clownfisch.
Riesenkrabbe.
Riesenassel.
Muräne.
Seeteufel.
Natürlich ist der Artname wichtig.
Aber wenn es nur den Artnamen gibt, wird das Tier zum Etikett.
Man denkt „aha, so einer“ – und damit hat es sich.
Mit dem Format Fisch-Lebenslauf dagegen taucht plötzlich das Individuum auf.
Woher kommt er?
Welche Besonderheiten hat er?
Was kann er besonders gut?
Was für ein Charakter scheint er zu sein?
Was ist er aus Sicht des Tierpflegers für ein Typ?
Wir Menschen sind schwach für das Profilformat.
Lebenslauf.
Profil.
Selbstvorstellung.
Namensschild.
Charakterblatt.
Mit so etwas sehen wir etwas nicht mehr als bloßen Gegenstand, sondern fangen an, jemanden darin zu sehen.
Der Fisch-Lebenslauf nutzt diese Kraft für die Ausstellung.
Das lässt sich eins zu eins auf Personalarbeit und Recruiting übertragen.
Ein Lebenslauf soll eigentlich den Werdegang und die Eigenheiten eines Menschen vermitteln.
Aber ein gewöhnlicher Lebenslauf ist manchmal schwer zu lesen.
Die Fakten stehen aufgereiht da, doch man sieht weder die Persönlichkeit noch den Zusammenhang.
Die Darstellung nach Art eines Fisch-Lebenslaufs hilft Lesern dagegen zu verstehen: „Wer ist dieses Individuum eigentlich?“
Kurz gesagt: Der Fisch-Lebenslauf ist Profildesign in der Ausstellungsversion.
Er macht den Fisch im Becken von einem beliebigen Fisch zu etwas, das man sich gern ansieht.
Man könnte auch sagen: Der Fisch bekommt einen Charakter.
Man muss ihn allerdings nicht übertrieben vermenschlichen.
Wichtig ist die Beobachtung des einzelnen Tiers.
Was ist an diesem Fisch interessant?
Worauf sollen die Besucher achten?
Was unterscheidet ihn von den anderen Fischen?
Mit diesen Informationen gehen Besucher viel seltener einfach am Becken vorbei.
Genau hier sind die handgeschriebenen Schilder und die Fisch-Lebensläufe des Takeshima-Aquariums, eines kleinen Aquariums in Japan, richtig gut.
Sie stellen die Tiere nicht nur aus, sondern bringen einen dazu, über sie zu lesen.
Wer liest, schaut länger hin.
Wer länger hinschaut, behält mehr.
Und was man behält, will man auch weitererzählen.
Als Ausstellungsdesign ist das ziemlich stark.
Bei Blogartikeln ist es genauso.
Reine Informationen werden selten gelesen.
Macht man daraus aber ein Profil, gibt ihnen einen Charakter und stellt sie in einen Zusammenhang, wird mehr gelesen.
Der Fisch-Lebenslauf ist ein Format, das Fische zu Content macht.
Darum funktioniert er auch als Artikelthema gut.
Die Frage „Warum lesen wir Fisch-Lebensläufe immer bis zum Ende?“ gilt nicht nur für Aquarien, sondern hängt auch mit Recruiting, Selbstvermarktung, Profiltexten und Charakterdesign zusammen.
Der Kern in einem Satz
Der Fisch-Lebenslauf ist ein Profildesign, das Fische als „Individuum“ statt als „Art“ zeigt.
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