Du klappst den Klodeckel hoch. Ganz vorn an der Unterseite: irgendwas Gelbes.
Du wischst drüber. Geht nicht ab.
Noch mal geschrubbt. Geht immer noch nicht ab.
Bei genauem Hinsehen ist es nicht nur ein leichter Gelbstich, sondern sogar etwas Raues, fast wie Kristalle.
An diesem Punkt kommt bei den meisten Menschen der Gedanke: „Da hilft doch nur kratzen, zum Beispiel mit Alufolie oder irgendetwas Hartem."
Bevor du das machst, solltest du aber eins klären.
Ist das überhaupt Keramik – oder nicht eher der Kunststoff des WC-Sitzes?
Im Bad ist so viel weiß, dass alles nach demselben Material aussieht. Ganz normal ist aber: Die Toilettenschüssel besteht aus Keramik, der Sitz und das Gehäuse eines Dusch-WCs (in Japan ein Toilettensitz mit Warmwasser-Bidet) aus Kunststoff. Wer also den kräftigen Reiniger für die Schüssel einfach auf den Sitz überträgt, hat plötzlich ein ganz anderes Problem.
Und dann die große Frage.
Wie kommt das Zeug eigentlich an die Unterseite des Sitzes?
1. Die Unterseite des Sitzes ist kein so windstiller Ort, wie man denkt
In den Pflegehinweisen der Hersteller gelten die Außenseite der Toilettenschüssel und die Unterseite des Sitzes als Stellen, an die leicht Urin spritzt. Auch an der Montagefläche eines Dusch-WCs, heißt es, dringe leicht Urin ein und werde zur Ursache für gelbe Beläge und üblen Geruch.
Die Unterseite ist also kein Ort, der sauber bleibt, nur weil man ihn nicht direkt berührt.
Auch wer sich zum Pinkeln hinsetzt: Trifft der Strahl die Innenwand oder die Wasseroberfläche, springen feine Tröpfchen zurück. Je nach Haltung und Form der Schüssel kann manches sogar direkt die vordere Unterseite erreichen. Es muss gar nicht jedes Mal etwas Sichtbares sein. Schon winzige Mengen, die man nicht sieht, reichen, wenn sich das immer wieder wiederholt:
dranspritzen → antrocknen → wieder dranspritzen → wieder antrocknen
Irgendwann sieht es plötzlich aus wie eine Gesteinsschicht, und man fragt sich: „Seit wann gibt es hier eine Sedimentschicht?"
Es heißt also nicht, dass jemand jedes Mal wild herumspritzt. Gerade das Fiese ist, dass es jedes Mal so wenig ist, dass man gar nicht das Gefühl hat, etwas verschmutzt zu haben.
2. „Wie Kristalle" ist durchaus möglich. Aber zu Hause kann man keine Mineralien bestimmen
Urin besteht nicht nur aus Wasser, sondern enthält auch Harnstoff und verschiedene Ionen. Studien zu Anlagen, in denen Urin gesammelt oder gelagert wird, berichten: Unter bestimmten Bedingungen fallen anorganische Phosphatverbindungen aus, und es entstehen Niederschläge wie Struvit oder Hydroxylapatit.
Wenn man nur das liest, möchte man sagen:
„Genau, das Kristallzeug am Sitz ist Struvit."
So weit darf man nicht gehen.
Untersucht wurden Ausfällungen in Urinsammelanlagen, Rohrleitungen und Lagersystemen, nicht ein Krümel von der Unterseite eines Klodeckels im Haushalt. Zu Hause können in einer Ablagerung neben Bestandteilen aus dem Urin auch Hautfett, Staub, Reinigerreste, Feuchtigkeit und Veränderungen der Materialoberfläche stecken.
Auch wenn es kristallartig aussieht, ist deshalb nur diese Formulierung sicher:
„Gut möglich, dass es eine festsitzende Ablagerung mit Bestandteilen aus Urin ist, aber welches Mineral es ist, lässt sich nicht sagen."
Man wollte nur das Klo putzen und muss nicht auf halbem Weg ein Geologiestudium anfangen.
3. Stopp, bevor du mit Alufolie kratzt. Das ist wahrscheinlich Kunststoff
Sobald etwas kristallartig aussieht, will man es abkratzen.
Für den Kunststoffteil eines Dusch-WCs empfiehlt TOTO aber grundsätzlich ein weiches, feuchtes Tuch und bei hartnäckigem Schmutz ein mit Wasser verdünntes neutrales Spülmittel, danach mit Wasser nachwischen. Säurehaltige oder alkalische Reiniger sollen nicht verwendet werden, weil sie den Kunststoff angreifen und Risse verursachen können.
Außerdem steht in Herstellerunterlagen, dass im Bad Keramik, Kunststoff, Metall und weitere Materialien nebeneinander vorkommen und man Werkzeug passend zum Material wählen muss.
Als erste Wahl für die Unterseite des Sitzes sind deshalb gefährlich:
- mit Alufolie kräftig rubbeln
- Metallschwamm
- Scheuermilch mit Schleifmittel
- einfach irgendetwas Hartes zum Abkratzen
Entstehen beim Entfernen feine Kratzer, bleibt der Schmutz danach womöglich noch leichter in diesen Kratzern hängen. Man gewinnt die Schlacht gegen den Schmutz und verliert den langen Krieg gegen den Sitz.
4. Die Reinigung, die du zuerst machst, ist überraschend unspektakulär
Die Bedienungsanleitung deines Modells hat Vorrang. Wenn du das Modell nicht kennst und den Kunststoff des Sitzes auf der sicheren Seite reinigen willst, geht es grundsätzlich so:
- Bei einem Dusch-WC den Netzstecker ziehen.
- Ein weiches Tuch mit Wasser befeuchten und gut auswringen.
- Bei hartnäckigem Schmutz das Tuch mit verdünntem, neutralem Spülmittel tränken.
- Das Tuch auf die festsitzende Stelle drücken, damit der Schmutz zuerst feucht wird.
- Nicht fest kratzen, sondern mit dem weichen Tuch nach und nach abwischen.
- Zum Schluss mit Wasser nachwischen, damit keine Spülmittelreste bleiben.
- Auch wenn sich der Sitz bei deinem Modell abnehmen lässt: Wie das geht, steht in der Bedienungsanleitung.
Wichtig ist: Nicht „hart gegen hart", sondern bei Hartem erst die Feuchtigkeit zurückbringen.
Wenn etwas durch ständiges Antrocknen festgeklebt ist, muss man nicht von Anfang an mit reiner Reibung darauf losgehen.
Übrigens: Was für die Keramik der Schüssel taugt, ist nicht automatisch für den Kunststoff des Sitzes geeignet. Zumindest bei den Dusch-WCs von TOTO heißt es, man solle säurehaltige und alkalische Reiniger am Kunststoff vermeiden.
Das Wissen „Urinstein? Dann Säure!" solltest du nicht ungeprüft auf den Sitz abfeuern.
5. Abgewischt, aber immer noch gelb. Und die Oberfläche ist glatt. Dann ist es vielleicht gar kein Schmutz
Das ist wichtig.
LIXIL, ein großer japanischer Sanitärhersteller, unterscheidet bei Gelbfärbung an Sitz und Deckel zwischen Schmutz auf der Oberfläche und einer Verfärbung des Kunststoffs selbst. Gelbe Beläge durch anhaftendes Hautfett und Ähnliches lassen sich reinigen. Hat sich das Material selbst durch eine chemische Reaktion mit Reinigungsmitteln o. Ä. verfärbt, lässt sich das durch Putzen nicht beheben.
Die Faustregel ist einfach:
- Rau oder erhaben → vermutlich noch eine Ablagerung
- Nach dem Entfernen der festsitzenden Stellen ist die Oberfläche glatt, aber gelb → möglicherweise Verfärbung des Materials
Wer jetzt denkt „Immer noch gelb! Noch mehr kratzen!" und weitermacht, greift nicht mehr den Schmutz an, sondern den Sitz selbst.
Das ist, als würde man die Burgmauer weiter beschießen, obwohl der Feind längst abgezogen ist.
6. Kommt es nach etwa zwei Wochen wieder, zählt weniger die Putzkraft als die Geschwindigkeit der erneuten Ablagerung
Wird dieselbe Stelle nach dem Putzen in kurzer Zeit wieder gelb, liegt es nicht nur an der Art des Entfernens.
Möglicherweise erreichen die Unterseite des Sitzes dauerhaft kleine Mengen Spritzer.
Das lässt sich leicht prüfen: Nach der Reinigung wischst du ein paar Tage lang die vordere Unterseite regelmäßig mit einem feuchten Tuch ab. Wenn dabei jedes Mal ein dünner Film am Tuch hängt, entsteht das Ganze nicht „plötzlich nach zwei Wochen", sondern wurde täglich in kleinen Mengen angespart.
Um den Rückfall zu verringern, hilft Folgendes:
- Kurz abwischen, bevor der Schmutz festtrocknet
- Die vordere Unterseite des Sitzes als Schwerpunkt behandeln
- Die Sitzposition oder die Stelle, an der der Strahl auftrifft, leicht verändern, damit er nicht dauerhaft kräftig gegen die Vorderseite der Schüssel trifft
- Bei Modellen mit abnehmbarem Sitz die Montagefläche laut Anleitung regelmäßig mitreinigen
Das ist unvergleichlich leichter, als alle zwei Wochen mit Alufolie in der Faust zum Endkampf anzutreten.
7. Fazit: Lass an der Sitzunterseite keine Zivilisation entstehen
Gelbe Beläge und kristallartige Ablagerungen an der Sitzunterseite wirken rätselhaft, weil man die Stelle nie anfasst.
Doch die Hersteller selbst führen die Unterseite des Sitzes als Stelle, an die leicht Urin spritzt. Wenn kleine Mengen Spritzer immer wieder antrocknen und neu dazukommen, wird der unsichtbare Schmutz nach und nach dichter.
Und nur weil es kristallartig aussieht, muss man nicht gleich kratzen.
Ein Toilettensitz besteht nicht unbedingt aus Keramik. Ist es Kunststoff, gilt als Grundregel: weiches Tuch + verdünntes neutrales Spülmittel + mit Wasser nachwischen.
Lässt sich die Ablagerung damit lösen und bleibt nur eine glatte gelbe Färbung, denk auch an eine Materialverfärbung.
Am wichtigsten: Der Schmutz wird nicht „alle zwei Wochen plötzlich herbeigezaubert".
Meist kommt er täglich in winzigen Mengen.
Deshalb ist auch die Lösung kein großer Schlag.
Vor dem Kratzen aufweichen. Abwischen, bevor es festwird. Anderes Material, andere Waffe.
Bevor du zur Alufolie greifst, nimm erst mal das weiche Tuch in die Hand.
