Werktags morgens zum Spielen raus: Die Menschheit steckt im Berufsverkehr, die Libelle düst vorbei

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Ein ganz normaler Werktagmorgen. Ich stehe zu einer normalen Zeit auf und gehe vor die Tür. Nicht für die Arbeit, sondern zum Spielen.

Aber sobald ich die Nachbarn mit einem „Guten Morgen" gegrüßt habe und zu einer typischen Pendlerzeit losziehe, entscheidet mein Gehirn ganz von allein:

„Moment, ist das nicht ein Arbeitstag?"

Nein. Heute ist Spieltag.

Nur interessiert es Straßen, Bahnhöfe und die ganze Stadt herzlich wenig, dass ich frei habe. Ringsum läuft alles im Arbeits- und Schulmodus. Rein optisch bin ich mitten in einer Herde, die „Auf in einen weiteren Tag!" ruft.

Und ein paar Dutzend Minuten später steht die Menschheit im Stau, während nur die Libellen zügig durch die Luft ziehen. Als Beobachtung eines freien Tages ist das fast schon zu perfekt.

1. Frühes Aufstehen, und man fühlt sich wieder wie ein Mensch

Wenn sich der Tagesrhythmus in langen Ferien verschiebt, bleibt man manchmal bis tief in die Nacht wach und wacht erst gegen Mittag auf. Dann ist man zwar lange wach, hat aber leicht das Gefühl, mit der Gesellschaft nicht mehr im Takt zu sein.

Steht man dagegen morgens auf, tankt Tageslicht und ist unterwegs, wenn auch andere unterwegs sind, fühlt man sich merkwürdig schnell wieder wie ein Mensch.

Das heißt nicht, dass Frühaufsteher grundsätzlich im Recht wären. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass sich die eigenen aktiven Stunden mit denen decken, in denen Läden öffnen, Leute unterwegs sind und die Stadt läuft. Das gibt einem das Gefühl, am Alltag angeschlossen zu sein.

Außerdem wird der Tag lang, wenn man schon morgens losgeht. Selbst mittags denkt man: „Erst Mittag?" Man bekommt fast die Illusion, der freie Tag habe mehr Stunden. Morgens zu sein, ist stark.

2. Warum bin ich müde, obwohl ich doch genug geschlafen habe?

Ich bin gegen Mitternacht ins Bett, und besonders kurz war die Nacht auch nicht. Trotzdem bin ich direkt nach dem Aufwachen müde.

Hier kommt die Schlafträgheit (englisch: sleep inertia) ins Spiel.

In Übersichtsarbeiten wird sie als vorübergehende Schläfrigkeit, Benommenheit und nachlassende geistige Leistungsfähigkeit unmittelbar nach dem Aufwachen beschrieben. Am stärksten ist sie gleich nach dem Aufstehen. In vielen Studien klingt sie nach etwa 15 bis 60 Minuten deutlich ab, manchmal dauert die vollständige Erholung aber länger. [1]

Es gibt also ganz normal diese Phase:

Körper: „Aufgestanden."
Gehirn: „Nicht genehmigt."

Wer „eigentlich genug geschlafen hat und nur morgens müde ist", muss das nicht gleich auf Schlafmangel schieben. Hält aber starke Müdigkeit jeden Tag lange an, ist das eine andere Geschichte. In diesem Artikel geht es deshalb nur um die ganz gewöhnliche Benommenheit direkt nach dem Aufwachen.

3. Warum manche in langen Ferien nie Langeweile haben: Sie erzeugen ihre Pläne selbst

Das Stärkste an langen Ferien ist nicht die Zahl der Termine. Es ist die Fähigkeit, sich Ereignisse selbst zu schaffen.

Zu Hause spielt man ein Spiel. Fällt einem etwas auf, sucht man es nach. Beim Suchen will man vergleichen. Beim Vergleichen will man ausprobieren. Beim Ausprobieren taucht die nächste Frage auf.

Ehe man sich versieht, hält man das Ganze für ein simples Hobby, während es von außen längst wie ein Forschungsprojekt aussieht.

Und wenn man zu Hause genug hat, geht man allein raus. Essen, spazieren, einkaufen, an Orte fahren, die man noch nie gesehen hat.

Dabei gibt es keinen Schritt, in dem man wartet, bis jemand anderes Zeit hat. Der Engpass im freien Tag ist nicht der Terminkalender der anderen.

4. „Gut allein sein können" heißt nicht, Einsamkeit auszuhalten

In der Psychologie unterscheidet man zwischen dem bloßen Alleinsein und dem subjektiven Gefühl der Einsamkeit.

In einer Studie mit mehr als 2.000 Personen war Zeit allein nicht dasselbe wie Einsamkeit. Selbst gewählte Zeit allein und Zeit allein mit dem Gefühl von Selbstbestimmung hing mit ruhigerer Stimmung und einer positiven Motivation für das Alleinsein zusammen. [2]

Entscheidend ist also: Bin ich „notgedrungen allein" oder „auch allein ganz gut mit Dingen beschäftigt, die ich tun will"?

Das Zweite ist etwas ganz anderes.

Wer allein losziehen kann, braucht nicht etwa keine Beziehungen. Mit anderen Spaß zu haben, ist toll. Allein Spaß zu haben, geht auch. Weil beides zusammenpasst, ist der Zeitraum, in dem man etwas unternehmen kann, deutlich größer.

Ein Tag, an dem die Freunde keine Zeit haben, wird nicht zum „Tag, an dem nichts geht". Im Alltag ist das verdammt stark.

5. Der Alltagsprofi im Alleinsein: Die Lücken füllen sich von selbst

Diese Art, allein unterwegs zu sein, wirkt nicht wie eine glänzende Begabung. Zu langen Ferien passt sie aber unverschämt gut.

Selbst bei null Plänen setzt man sich in Bewegung: „Der Laden da macht mich neugierig", „das will ich nachschlagen", „ich zocke mal was", „ich geh spazieren", „ich fahr heute schon morgens raus".

Der Kalender ist leer, aber im Kopf werden ununterbrochen Quests erzeugt. Im Rollenspiel wäre das der Typ, bei dem schon ein Gang durch die Stadt Nebenquests auslöst.

Und wenn „Recherchieren" zu den Hobbys gehört, wird es richtig heikel. Man recherchiert nicht, um die Zeit totzuschlagen. Das Losrecherchieren ist selbst das Spiel, also öffnet allein das Internet schon ein endloses Dungeon.

Freier Tag: „Langweilst du dich?"
Ich: „Moment, ich recherchiere gerade, warum auch immer, die Fluggeschwindigkeit von Libellen."

Da kann man gar nicht mehr verlieren.

6. Nur: Wer werktags morgens rausgeht, wird von der Gesellschaft automatisch zum Pendler erklärt

Jetzt kommt das Problem.

Man kann allein und frei zum Spielen losziehen. Wer morgens startet, hat jede Menge Zeit. Klingt perfekt.

Doch kaum geht man werktags morgens vor die Tür, antwortet die Infrastruktur:

Straße: „Auf dem Weg zur Arbeit, stimmt's?"
Bahn: „Auf dem Weg zur Arbeit, stimmt's?"
Stadt: „Auf dem Weg zur Arbeit, stimmt's?"
Ich: „Zum Spielen."

Das japanische Verkehrsministerium untersucht jedes Jahr, wie voll die städtischen Bahnen zu den Pendler- und Schulzeiten sind. Laut den Zahlen für das Haushaltsjahr 2025 lag die durchschnittliche Auslastung der Hauptstrecken in den drei großen Ballungsräumen bei 143 % im Raum Tokio, 117 % im Raum Osaka und 126 % im Raum Nagoya. [3]

Natürlich lassen sich Bahnzahlen nicht eins zu eins auf Staus auf der Straße übertragen. Trotzdem ist es keine Einbildung, dass werktags morgens sehr viele Menschen zur gleichen Zeit unterwegs sind.

Wer als Freizeitmensch in diesen Strom hineingerät, hat zwar ein Spielziel, aber Verkehrsbedingungen wie ein echter Pendler.

Ich spiele in meinem freien Tag auf eigene Kosten die Demoversion des Berufsverkehrs.

7. „Sind hier jeden Tag so viele Leute unterwegs?" Man hat es nur nie gesehen

Wer zu dieser Zeit sonst nicht unterwegs ist, hält den Morgenverkehr für eine andere Welt.

„Sind hier jeden Tag so viele Leute?"

Ja.

Man hat es nur nie gesehen. Werktags verlassen sehr viele Menschen fast zur selben Zeit das Haus und fahren zur Arbeit oder zur Schule.

Wer in langen Ferien in den Morgenstau gerät, betrachtet diesen Alltag mit den Augen eines Touristen. Für alle, die jeden Tag dabei sind, ist es Normalbetrieb. Für den, der zufällig zum Spielen hineingeraten ist, ist es Exkursion.

Und wenn der Stau dann ganz zum Stillstand kommt, fällt der Blick auf einen weiteren Teilnehmer.

Die Libelle.

8. Die Menschheit steht still, die Libelle zieht vorbei

Die Autoschlange steht. Rückt ein Stück vor. Steht wieder.

Daneben fliegt die Libelle. Schnell. Frei. Keine Ampel, keine Fahrspur.

Für einige Libellen wird eine Geschwindigkeit von 35 Meilen pro Stunde genannt, rund 56 km/h. [4] Das heißt natürlich nicht, dass alle Libellen ständig so schnell fliegen. Je nach Art und Situation unterscheidet sich das Tempo.

Für einen Vergleich im Stau reicht es aber allemal.

Menschheit: Straßen gebaut, Ampeln aufgestellt, Autos erfunden, Verkehrsnetz errichtet
↓
Morgenstau: Stillstand

Libelle: vier Flügel
↓
Wusch.

Wozu war die Zivilisation eigentlich gut?

Dazu können Libellen scharf abbiegen, in der Luft stehen und die Richtung wechseln. Während ich überlege, wie viele Minuten es noch bis zur nächsten Ampel sind, nutzt sie ganz selbstverständlich den dreidimensionalen Raum.

Werktags morgens ist die Stichelei der Insekten gegen die Verkehrstechnik einfach zu gut.

9. Was „gut allein sein können" wirklich bedeutet: freie Zeit in Handeln verwandeln

Der Grund, warum man in langen Ferien keine Langeweile hat, sind nicht tägliche Verabredungen.

Es liegt daran, dass man auch allein den Kreislauf am Laufen halten kann: Interesse finden, nachschlagen, ausprobieren, rausgehen, essen, schauen, die nächste Frage auflesen.

Allein sein ist keine Wartezeit. Das macht den Unterschied.

Die Zeit mit anderen genießt man einfach so, wie sie ist. Und in dem Moment, in dem man wieder allein ist, schaltet man auf eine andere Art zu spielen um.

So wird aus langen Ferien kein „Kampf gegen die Langeweile", sondern ein „Stau an Dingen, die man tun möchte".

Man muss aber nicht unbedingt morgens in eine Straße hineinfahren, die wirklich im Stau steht.

10. Fazit: Wer am freien Tag schon morgens spielen geht, wird wieder zum Menschen und gleichzeitig von der Gesellschaft mitgerissen

Morgens aufstehen. Rausgehen. Mit den Nachbarn grüßen. Die Stadt ist in Bewegung. „Ah, ich bin wieder ein Mensch."

So geht es weiter zum Spielen. Aber es ist die Pendlerzeit eines Werktags. Die Straße steht. „Sind hier sonst immer so viele Leute unterwegs?"

Und dann die Libelle. Nur die Libelle ist schnell.

Das Ergebnis, das am Ende steht:

Allein spielen zu können, ist eine starke Fähigkeit, mit der sich lange Ferien unendlich nutzen lassen.
Wird sie aber werktags morgens ausgelöst, nimmt man automatisch am Matchmaking für den Berufsverkehr teil.
Und im Stau ist vermutlich die Libelle stärker.

Die Menschheit gibt sich schon morgens Mühe und füllt die Straße.

Die Libelle fliegt darüber hinweg.

Ende.


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