Bei den „Street Zombies“ im Universal Studios Japan (USJ) 2026 sorgte eine Szene für Gesprächsstoff: Eine Frau in Crew-Uniform wird von Zombies gepackt, ihr wird ein Teil abgerissen, das wie eine Kopfhaut aussieht, sie sinkt zu Boden, steckt sich an und wechselt auf die Zombie-Seite.
Das Spannendste daran: Sie ist von Anfang an kein torkelndes Opfer.
Eine Person, die sich offensichtlich gut bewegen kann, rennt mit vollem Einsatz davon und lässt sich dann ordentlich fangen.
Und im Zuge des Hinfallens scheint sie das abgerissene Kopfhaut-Teil sogar wieder einzusammeln.
Noch bevor die Zombie-Infektion sich ausbreitet, ist vor Ort schon die „5S“ erledigt (ein japanisches Prinzip für Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz).
Wer sind diese Leute also?
Fängt eine normale USJ-Crew plötzlich an, Stunts zu machen? Ist es eine externe Stunt-Firma? Wie hoch ist der Tagessatz? Von wann bis wann wird gearbeitet? Und überhaupt: Finden sich für so einen Job genug Leute?
Verknüpft man die öffentlichen Informationen, zeichnet sich ein ziemlich klares Bild ab.
1. Fazit: Näher liegt, dass sie keine „echte Crew“ ist, sondern eine Darstellerin in der Rolle einer Crew
Der Vertrag der Person in einem bestimmten Video ist nicht öffentlich, daher lässt sich über sie persönlich nichts sicher sagen.
Allerdings hat das USJ 2026 getrennt von der normalen Einstellung von Teilzeit-Crew Auswahltage für Darstellende der Halloween-Shows veranstaltet.
Gesucht wurde für die Halloween-Shows drinnen und draußen. Die Auswahl besteht aus einer praktischen Prüfung in Tanz oder Schauspiel und einem Vorstellungsgespräch.
Die normalen Park-Crews dagegen sind Beschäftigte für Attraktionsbetrieb, Gästeservice, Show-Unterstützung und Ähnliches, und der Stundenlohn für Teilzeit- und Aushilfskräfte liegt 2026 laut offizieller Angabe bei 1330 bis 1660 Yen.
Wer eine Uniform trägt, ist also arbeitsrechtlich nicht unbedingt eine normale Crew.
Vom Ablauf her ist es naheliegender, dass es Darstellende gibt, die die Crew spielen, damit die Geschichte „Crew wird von Zombies angegriffen“ aufgeht.
2. Nicht zwingend Stuntleute: Das USJ trennt „Schauspiel“ und „Stunt“ selbst als eigene Berufe
Bei einem spektakulären Sturz denkt man schnell an einen Stuntman. Schaut man sich aber das normale Entertainer-Casting des USJ an, gliedern sich die gesuchten Berufe in Tänzer, Sänger, Schauspieler und Schauspielerinnen, Stunt, Figuren und Musiker.
Auch beim USJ sind Menschen, die schauspielern, und Stunt-Profis also nicht in derselben Schublade.
Außerdem kann man sich für die Halloween-Auswahl auch ohne Tanz- oder Theatererfahrung bewerben, und auch die Körpergröße spielt keine Rolle.
Die Frau im Video muss also nicht unbedingt ein Profi sein, der sonst mit Stürzen, Feuer oder Höhe arbeitet.
Möglich sind Tänzerinnen, Bühnenschauspielerinnen, körperlich besonders fitte Darstellende oder Leute, die ganz ohne Erfahrung ausgewählt wurden.
Gebraucht wird nicht die Fähigkeit, wirklich zu verunglücken, sondern die Fähigkeit, nie zu verunglücken, egal wie oft man es macht, und es für das Publikum trotzdem nach Unfall aussehen zu lassen.
3. Die Halloween-Darstellenden 2026 haben weniger einen Einzeljob als ein befristetes Projekt über mehrere Monate
Laut offizieller Ausschreibung galt als Bewerbungsvoraussetzung: Mindestalter 18 Jahre zum 1. Juli 2026, Arbeit in Osaka möglich und Auftritte an mindestens 3 Tagen pro Woche während des Zeitraums.
Die Einsatzzeit reicht je nach Show höchstens von Mitte Juli bis Anfang November, einschließlich Proben.
Das USJ schreibt aber auch ausdrücklich, dass Auftritte an mindestens 3 Tagen pro Woche nicht garantiert sind.
Es ist also nicht so, dass man nur heute einmal Zombie spielt, 13000 Yen mitnimmt und nach Hause geht.
Vorstellen kann man es sich so:
Bewerbung im Frühling bis Frühsommer → Auswahl → Proben im Sommer → Aufführungen im Herbst → mit dem Ende des Events endet auch der Vertrag
Das ist ein saisonales Projekt.
Im Alltag arbeitet man in Schichten, aber der Einstieg ist ein Casting.
4. Der Vertrag ist kein Stundenlohnvertrag wie bei der normalen Crew, sondern ein „Werkvertrag für Auftritte“
Im Feld für die Vergütung steht in der offiziellen Ausschreibung sinngemäß, sie richte sich im Rahmen eines Werkvertrags für Auftritte nach den Regeln des Unternehmens. Einen konkreten Betrag nennt sie nicht.
Außerdem können sich auch Mitglieder von Künstleragenturen bewerben, sofern ein Einzelvertrag mit dem USJ möglich ist.
Zumindest der offizielle Bewerbungsweg ist also nicht so aufgebaut, dass nur Leute von einer externen Stunt-Firma gesammelt entsandt würden.
Ob eine bestimmte Darstellerin im Video bei einer Agentur ist, Stunt-Erfahrung hat oder mit einer anderen Produktionsfirma zu tun hat, geht aus den öffentlichen Informationen aber nicht hervor.
Die richtige Formel lautet hier: Man versteht das System, aber nicht den Lebenslauf der Person im Kostüm.
5. Stimmt der „Tagessatz von 13000 Yen“? Es wurde so berichtet, aber für eine andere Attraktion
Im September 2026 berichtete die Zeitschrift „Shukan Bunshun“ (ein großes japanisches Wochenmagazin) über die Zombie-Darstellenden bei „Resident Evil: Requiem The Dive“: Das angebotene Honorar habe 13000 Yen pro Tag betragen, inklusive Fahrtkosten, Quellensteuer, Umsatzsteuer und Nebenkosten.
Laut demselben Bericht gab es für Probentage denselben Betrag, und je nach Schicht habe die Arbeitszeit etwa 12 Stunden betragen können.
Wichtig ist aber: Das heißt nicht, dass alle Darstellenden der Street Zombies 13000 Yen bekommen.
Die offizielle Website nennt für die Halloween-Darstellenden keine konkreten Honorare.
Den Tagessatz der Frau im Video mit „13000 Yen“ zu beziffern, überspringt deshalb einen Schritt.
Man darf zwar die Kopfhaut abreißen, aber nicht die Grundlage.
6. Das Jahresgehalt ist schwer zu berechnen, weil es gar kein ganzjähriger Job ist
Auf diese Arbeit lässt sich ein „Jahreseinkommen“ im üblichen Sinn kaum anwenden.
Der spezielle Halloween-Vertrag läuft höchstens von den Proben im Sommer bis Anfang November, und auch die Zahl der Auftrittstage ist nicht garantiert.
Auch bei der allgemeinen Entertainer-Suche heißt es nur, die Vergütung richte sich als Werkvertrag für Auftritte nach den Regeln des Unternehmens, eine feste Gehaltstabelle wird nicht veröffentlicht.
Statt zu fragen:
„Wie hoch ist das Jahreseinkommen eines USJ-Zombies?“
kommt man der Wirklichkeit näher mit:
„An wie vielen Tagen wird man während der Vertragslaufzeit eingeteilt, zu welchem Tagessatz, und wie werden Proben und Bereitschaftszeiten behandelt?“
Die normale Crew läuft übrigens nach einem anderen System, mit einem Stundenlohn von 1330 bis 1660 Yen für Teilzeit- und Aushilfskräfte im Jahr 2026.
Darstellende und normale Crew sollte man nicht nach derselben Gehaltstabelle betrachten.
7. Arbeitszeit? Die Street Zombies beginnen um 18 Uhr, aber das heißt nicht, dass die Darstellenden um 18 Uhr anfangen
Die offiziellen Zeiten der „Street Zombies“ 2026 sind vom 11. September bis 8. November von 18:00 Uhr bis zum Parkschluss.
Das ist aber die Zeit der Show, nicht der Dienstbeginn der Darstellenden.
Rechnet man Kostüm, Spezial-Make-up, Aufwärmen, Briefing, Requisiten, Sicherheitskontrolle und das Aufräumen nach der Show dazu, liegt die Arbeitszeit der Darstellenden naturgemäß über der Aufführungsdauer.
Die genauen Zeiten für Dienstbeginn und Feierabend der Street-Zombie-Darstellenden sind jedoch nicht veröffentlicht.
Auch die Berichte, bei „Resident Evil“ seien etwa 12 Stunden Bereitschaft möglich, lassen sich nicht einfach auf die Street Zombies übertragen.
Bekannt ist nur so viel: Um 18 Uhr verwandelt sich niemand plötzlich aus Alltagskleidung in einen Zombie und taucht auf der Straße auf.
8. Ist der Job beliebt? Zumindest scheint es nicht so, als suche man händeringend nach Leuten
Die offizielle Seite zu den Halloween-Auswahltagen bedankt sich nach dem Ende der Anmeldung für alle Termine 2026 für „die vielen Bewerbungen“.
Auch beim normalen Entertainer-Casting heißt es, es habe ebenfalls viele Bewerbungen gegeben.
Außerdem berichtete die „Shukan Bunshun“, dass bei den Zombie-Rollen für „Resident Evil: Requiem The Dive“ etwa 2000 Menschen zum Casting kamen und etwa 100 ausgewählt wurden.
Das ist weder das offizielle Verhältnis für alle Halloween-Darstellenden im USJ noch eine Zahl für die Street Zombies.
Trotzdem ist die Antwort auf die Frage „Wer bewirbt sich bitte für einen Saisonjob, bei dem man Leute als Zombie jagt?“ ziemlich klar:
Ziemlich viele Leute.
Für Menschen, die Bühne, Tanz, Freizeitparks, Schauspiel und das Außergewöhnliche mögen, hat die Arbeit einen Reiz, der sich nicht allein am Geld messen lässt.
9. Warum „Kopfhaut abreißen → hinfallen → einsammeln“ so gut funktioniert
Aus den Bewegungen im Video lässt sich nicht sicher sagen, wie das Spezial-Make-up oder die Requisite genau funktioniert.
Als Inszenierung betrachtet ist es aber sehr gelungen.
Jemand, der wie eine normale Crew aussieht, rennt.
Wird von Zombies gepackt.
Wehrt sich.
Ein Teil, das wie eine Kopfhaut aussieht, wird abgerissen.
Sie stürzt.
Damit das Teil nicht auf der Straße liegen bleibt, scheint sie es im Verlauf des Hinfallens wieder einzusammeln.
Und startet dann als infizierter Zombie neu.
Das ist mehr als nur „gruseliges Make-up“, denn hier wird der Zustandswechsel vom Menschen zum Zombie selbst zur Attraktion gemacht.
Auch das USJ stellt in seiner offiziellen Geschichte für 2026 in den Vordergrund, dass Menschen angegriffen werden und die Umstehenden nacheinander ebenfalls gewalttätig werden.
Es werden also nicht nur fertige Zombies aufgestellt, sondern dass jemand, der eben noch ein Mensch war, vor den Augen der Gäste zerfällt, gehört in diesem Jahr zum Konzept.
Und die Requisite wird ordentlich wieder eingesammelt.
Auch wenn die Welt untergeht: Das Inventar bleibt in Ordnung.
10. Zusammenfassung: Nicht „Ein USJ-Mitarbeiter hat die Kopfhaut verloren“, sondern ein ziemlich durchdachter, kurzer Showjob
Schaut man nur das Video, sieht es so aus:
Eine ganz normale Crew-Frau des USJ wird im Dienst von Zombies angegriffen, verliert ihre Kopfhaut und wird infiziert.
Das ist natürlich der Sieg der Inszenierung.
Was man aus den öffentlichen Informationen ordnen kann, ergibt diese Struktur:
- Die Halloween-Darstellenden werden getrennt von der normalen Crew ausgewählt
- Bewerbung ohne Erfahrung und unabhängig von der Körpergröße möglich
- Es gibt eine praktische Prüfung und ein Vorstellungsgespräch
- Auftritte an mindestens 3 Tagen pro Woche sind Bewerbungsvoraussetzung, aber nicht garantiert
- Befristet von höchstens Mitte Juli bis Anfang November, einschließlich Proben
- Der Vertrag ist ein Werkvertrag für Auftritte
- Beim normalen Casting sind Schauspiel und Stunt getrennte Berufe
- Konkrete offizielle Honorare sind nicht veröffentlicht
- Die Zahlen 13000 Yen pro Tag und etwa 12 Stunden stammen aus einem Bericht über eine andere Zombie-Rolle bei „Resident Evil“
- Für dasselbe „Resident Evil“-Projekt wurden etwa 2000 Bewerbende und etwa 100 Ausgewählte gemeldet
Und weiter:
Was die Frau da macht, sieht aus, als würde sie nur mit „Aaaah!!“ davonrennen und gefangen werden. In Wirklichkeit ist es aber sehr wahrscheinlich ein befristeter Unterhaltungsjob, in dem Auswahl, Proben, Laufwege, Sicherheit, Schauspiel und der Umgang mit der Requisite stecken.
Am professionellsten ist vielleicht gar nicht, dass sie zum Zombie wurde, sondern
dass sie die Kopfhaut nicht liegen gelassen hat.
