Titelvorschlag
Warum ist die Wasserschwein-Show so lustig, obwohl man nichts erwarten kann?
Haupttext
Die Wasserschwein-Show im Takeshima Aquarium ist keine „tolle Show“ im üblichen Sinn.
Schon die offizielle Ankündigung ist erstaunlich ehrlich.
Die Wasserschweine zeigen ganz entspannt ein paar Kunststücke. Erwarten Sie nichts. Was sie machen, ja ob sie überhaupt etwas machen, hängt allein von ihrer Laune ab.
Damit haben sie schon gewonnen.
Jede normale Touristenattraktion würde ihre Show gern mit Worten wie „atemberaubend“, „süße Tricks“ oder „unterhaltsame Vorführung“ bewerben. Das Takeshima Aquarium weckt bei den Wasserschweinen dagegen keine übertriebenen Erwartungen.
Es sagt gleich vorab: „Erwarten Sie nichts.“
Das klingt zaghaft, ist aber ein sehr starkes Erwartungsmanagement.
Denn sobald sich ein Wasserschwein auch nur ein bisschen bewegt, heißt es: „Oh, es hat sich bewegt!“ Auch wenn das Sitzen nicht perfekt ist, zählt es schon als Erfolg, wenn es gemächlich heranschlendert. Selbst wenn es nur dasitzt, wird ihm mit einem „Na ja, ist halt ein Wasserschwein“ verziehen.
Bei einem menschlichen Künstler würde man vielleicht meckern.
Aber einem Wasserschwein verzeiht man es.
Genau das ist der lustige Punkt.
Das Wasserschwein gilt als größtes Nagetier der Welt, ein Pflanzenfresser, der ans Leben am Wasser angepasst ist. Es schwimmt gut und frisst Gras und Wasserpflanzen. Es lebt in Gruppen und gilt meist als friedliches Tier.
Der Reiz des Wasserschweins liegt also nicht in knackigen, präzisen Bewegungen.
Sondern darin, dass es gemächlich ist.
Dass es sein eigenes Tempo geht.
Dass allein seine Anwesenheit die Stimmung irgendwie auflockert.
Dass es nur dann langsam herbeikommt, wenn es etwas zu fressen gibt.
Diese Eigenschaften werden eins zu eins zum Reiz der Show.
Eine normale Show macht Spaß, weil das Können beeindruckt. Die Wasserschwein-Show macht Spaß, weil die Tiere nicht so handeln, wie man es erwartet.
Das ist genau umgekehrt.
Das Publikum verlangt von den Wasserschweinen keine perfekten Kunststücke.
Im Gegenteil: Wer zu viel erwartet, hat verloren.
„Ob es sich wohl bewegt?“ „Nö, bewegt sich nicht.“ „Als das Gras kam, ist es gekommen.“ „Die Pflegerin lässt es mit der Hand eine Verbeugung machen.“ „Ah, jetzt hat es sich irgendwie hingesetzt.“ „Das zählt als Show? Ich lach mich tot“
Allein dieses Zuschauen und Kommentieren wird zur Unterhaltung.
Tatsächlich arbeitet bei der Wasserschwein-Show vielleicht gar nicht das Wasserschwein am härtesten, sondern die Tierpflegerin.
Das Gras bereitstellen.
Den Laufweg vorbereiten.
Die Tiere ansprechen.
Die Zeit überbrücken, wenn sie sich nicht bewegen.
Und wenn sie sich doch ein bisschen bewegen, das dem Publikum als Leistung präsentieren.
Das Wasserschwein hat keine bösen Absichten, es ist einfach ein Wasserschwein. Erst die Arbeit des Teams obendrauf macht daraus eine Show.
Als Ausstellungskonzept ist das ziemlich interessant.
Statt das Tier zu zwingen, menschliche Erwartungen zu erfüllen, stellt man zuerst seine Laune, sein Wesen und seine Grenzen heraus. Dann lädt man das Publikum ein, es mit „So ist das eben“ zu nehmen.
Die Wasserschwein-Show ist also weniger eine Vorführung von Kunststücken als eine Show, in der man das eigene Tempo der Wasserschweine beobachtet.
Und was diese Gelassenheit möglich macht, sind die Erzählkunst und die Stimmungsarbeit der Pflegerinnen und Pfleger.
Deshalb macht es Spaß.
Nicht, weil das Wasserschwein etwas Tolles leistet.
Sondern weil das Wasserschwein ein Wasserschwein bleibt.
Das ist die Stärke der Wasserschwein-Show im Takeshima Aquarium.
Die Kernaussage
Die Wasserschwein-Show ist keine Show, in der das Wasserschwein Kunststücke vorführt, sondern eine, in der die Menschen lachen und das Wasserschwein so annehmen, wie es ist.
Ideen für verwandte Artikel
- Das Wasserschwein kann nichts dafür, aber ein Projekt würde ich ihm nicht anvertrauen (als Projektleiter)
- Lohnt sich das erneuerte Takeshima Aquarium?
- Warum „Erwarten Sie nichts“ gerade so stark wirkt
