Beschreibung: Was der Cybersicherheits-Test tatsächlich belegt, warum wenige Ablehnungen keine erfolgreichen Angriffe bedeuten und welche Einschränkungen Audns 999-Dollar-Angebot hat.
Eine Werbemail verkündet: DeepSeek schlägt GPT-6 Sol bei Cyberangriffen! Für 999 US-Dollar monatlich gebe es unbegrenzten Zugang. Die Modell-Aliasse heißen Necromicon und Warlock.
Klingt nach einem verbotenen Zauberbuch. Beim Öffnen erscheint allerdings zuerst die Bezahlseite.
Die technische Meldung hat einen realen Kern. Am 20. Oktober 2026 veröffentlichte die Testorganisation Vals AI ein vorläufiges Ergebnis: DeepSeek V4.1 Flash 1017 lag bei einer mehrstufigen Angriffsaufgabe in einem simulierten Unternehmensnetzwerk vor GPT-6 Sol.
1. Was bedeuten 16,3 und 15,7?
Die Aufgabe bestand aus 21 Zielen. Über drei Durchläufe erreichte DeepSeek im Durchschnitt 16,3, GPT-6 Sol 15,7. Die Werbemail nennt außerdem 12 für Grok 4.7 und 1 für Claude Opus 5.5, das während des Durchlaufs die Fortsetzung verweigert habe.
Gemessen wurde der Fortschritt in einem konkreten simulierten Angriffsszenario. Das ist kein allgemeiner Intelligenztest. Vals AI kündigte damals eine spätere vollständige Veröffentlichung an. Ein Vorsprung von 0,6 Zielen nach drei Durchläufen ist interessant, aber noch kein Weltmeistertitel.
2. Andere Prüfungen haben andere Sieger
Im separaten öffentlichen Vergleich von Vals AI treten beide Modelle in neun gemeinsamen Tests an: DeepSeek führt in vier, GPT-6 Sol in fünf. Je nach Steueraufgabe, Code-Migration oder anderem Arbeitsgebiet ändern sich die Stärken.
„DeepSeek gewann diesen Cybertest“ ist eine präzise Aussage. „DeepSeek ist grundsätzlich überlegen“ ist eine Marketingabkürzung. Wer in Mathematik Klassenbester ist, gewinnt nicht automatisch den Sprint.
3. Weniger Ablehnungen bedeuten nicht mehr erfolgreiche Angriffe
Audn präsentiert zusätzlich einen eigenen Ablehnungstest mit 519 schädlichen Anfragen. Laut dem GitHub-Projekt des Anbieters lieferte der aktive DeepSeek-Dienst in 87,2 % der Fälle eine als inhaltlich ausreichend bewertete Antwort und verweigerte in 0,2 % ausdrücklich. Das sind Messwerte des Anbieters selbst.
Der Test fragt, ob eine KI antwortet, nicht ob ihre Angaben richtig sind oder ein realer Angriff gelingen würde. Mutig aufs Gaspedal zu treten ist nicht dasselbe wie Autofahren zu können.
Leistungsfähige Systeme mit wenigen Schutzschranken können Missbrauch erleichtern. Rechtmäßige Sicherheitsforschung benötigt deshalb Genehmigung, isolierte Testumgebungen, Zugangskontrollen und Aufsicht.
4. Stimmen die 763 Milliarden Parameter und die MIT-Lizenz?
Ja. DeepSeek stellt DeepSeek-V4.1-Flash-1017 auf Hugging Face unter MIT-Lizenz bereit. Das Modell umfasst ungefähr 763 Milliarden Parameter, aktiviert je nach Berechnung aber nur ausgewählte Teile.
Offene Modellgewichte ermöglichen unabhängige Untersuchungen und Eigenbetrieb. Allerdings umfassen die Dateien Hunderte Gigabyte. Die Lizenz ist großzügig, die Hardware-Rechnung eher nicht.
5. Was ist für 999 Dollar wirklich unbegrenzt?
Audn bewirbt 999 Dollar für einen Monat mit unbegrenzter Tokenmenge, jedoch maximal drei gleichzeitigen Sitzungen und ohne Rückerstattung. Laut E-Mail kostet jeder weitere parallele Kanal 333 Dollar.
Die Nachricht unterscheidet eine Penclaw-Variante mit Identitätsprüfung von einem Audn-Zahlungsweg, der ohne Prüfung beworben wird. Auch Aussagen zu null Datenspeicherung und keiner Nutzung für Training sind Versprechen des Anbieters, keine hier unabhängig geprüften Garantien. Vor einer Zahlung sollten Vertrags-, Kündigungs-, Datenschutz- und Nutzungsbedingungen direkt auf der offiziellen Website überprüft werden.
Fazit: Der eigentliche Zaubertrick steckt im Marketing
Für einen konkreten simulierten Cybertest gibt es ein echtes vorläufiges Ergebnis zugunsten von DeepSeek. Daraus folgen weder allgemeine Überlegenheit noch verlässliche Angriffserfolge oder geprüfte Datenschutzversprechen.
Die Werbung macht aus Testergebnis, niedriger Ablehnungsquote, offenen Gewichten und teurem Abo eine einzige Superkraft. Man wollte einen dunklen Magier beschwören und erhält stattdessen 999 Dollar monatliche Fixkosten. Der Endgegner sitzt in der Buchhaltung.
Quellen (geprüft am 21. Oktober 2026): DeepSeek-Modell · Vals-AI-Vergleich · Bericht zum Cybertest · Audn-Ablehnungstest · Audn-Angebot







