Ein Spaziergang durch Tenmonkan hat mein Bild von Kagoshima gründlich verändert

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Bevor ich Tenmonkan, das große Einkaufs- und Ausgehviertel von Kagoshima, erreichte, dachte ich, die große Entfernung müsse sich überall bemerkbar machen.

Ich erwartete starken Dialekt an jeder Ecke, unbekannte Geschäfte und ständig das Gefühl: „Jetzt bin ich wirklich sehr weit im Süden Japans.“

Stattdessen sah ich bekannte Ketten, ganz normale Einkaufsstraßen, moderne Gebäude und hörte viele Gespräche, die ziemlich nah am Standardjapanischen lagen.

Mein erster Gedanke war deshalb:

„Moment. Das ist einfach eine normale Stadt.“

Von da an wurde der Spaziergang weniger zu einer Suche nach „typisch Kagoshima“ und mehr zu einer Reihe von Korrekturen meiner eigenen Vorstellungen.

1. Tenmonkan ist nicht eine einzige lange Einkaufspassage

Die erste Frage ist erstaunlich praktisch: Wo soll man eigentlich langgehen?

Ich hatte mir „Tenmonkan-dori“ als eine große durchgehende Einkaufsstraße vorgestellt.

So funktioniert das Viertel nicht.

Der offizielle Tenmonkan-Führer stellt 12 verschiedene Straßen vor, darunter Izuro-dori, Kinsei-dori und Terukuni Omotesando.[1]

Tenmonkan ist also eher ein Netz aus überdachten Passagen, Einkaufsstraßen und Ausgehbereichen.

Beim ersten Besuch muss man nicht alle zwölf vollständig ablaufen.

Man kann an der Straßenbahnhaltestelle Tenmonkan-dori beginnen, durch die tagsüber belebten Passagen in Richtung Kaufhaus gehen und anschließend über G3 und Ginza-dori auf der südlicheren Seite zurücklaufen.

Das Viertel ergibt mehr Sinn als zusammenhängender Stadtteil denn als einzelne Sehenswürdigkeit.

2. CenTerrace wirkt wie ein Stück Gegenwart, das plötzlich neben einer älteren Passage steht

Zwischen den älteren überdachten Straßen taucht ein großer moderner Komplex auf: CenTerrace Tenmonkan.

Zuerst sieht er nach Einkaufszentrum aus.

Dann schaut man nach oben und erkennt einen Turm, der eindeutig wie ein Hotel wirkt.

Genau das ist er.

CenTerrace ist ein 15-stöckiger Mehrzweckkomplex. Offizielle Unterlagen nennen Geschäfte und Besucherservice in den unteren Etagen, die Tenmonkan-Bibliothek im vierten und fünften Stock, einen Saal im sechsten, ein Hotel vom siebten bis zum vierzehnten sowie Gastronomie und Aussicht im fünfzehnten.[2]

Kurz gesagt:

Läden, Bibliothek, Saal, Hotel, Aussicht — alles in einem Gebäude.

Der Kontrast zwischen diesem neuen Komplex und den älteren Passagen direkt daneben macht einen großen Teil des Reizes aus.

3. Viele Menschen — und dann beginnt das Touristenhirn, regionale Unterschiede zu erfinden

In einer vollen Innenstadt achtet man plötzlich auf erstaunlich spezielle Details.

Irgendwann dachte ich sogar: „Sehen hier nicht ungewöhnlich viele Leute so aus, als hätten sie besonders dickes oder volles Haar?“

Das ist eine lustige Beobachtung.

Es ist keine Statistik.

Ein kurzer Blick auf Passanten in einem Einkaufsviertel reicht nicht für die Aussage „Menschen aus Kagoshima haben mehr Haare“.

Frisur, Alter, Haarfarbe, Licht und die zufällige Zusammensetzung der Menschen an diesem Tag können den Eindruck stark verändern.

Die brauchbare Regel lautet:

Eine persönliche Beobachtung ist nicht automatisch eine regionale Tatsache.

4. Eine Schlange: „Houraku Manju? Perfekt, eine Kagoshima-Spezialität!“

Dann tauchte eine Warteschlange auf.

Verkauft wurde Houraku Manju, ein rundes gefülltes Gebäck ähnlich dem japanischen Imagawayaki.

Ich hatte Hunger.

Der Name klang lokal.

Also dachte ich: perfekte Kagoshima-Süßigkeit.

Dann prüfte ich die Herkunft.

Minamata in der Präfektur Kumamoto.

Lokale Quellen beschreiben den Ursprung 1953 in Minamata, wo ein Imker auf die Idee kam, Honig in einem solchen Gebäck zu verwenden.[3]

Ich war bis Kagoshima gereist, stand in einer Schlange, und mein erster großer regionaler Snack kam aus der Nachbarpräfektur.

„Kumamoto?!“

Das Problem verschwand schnell.

Wer von weit her nach Kyushu reist, erlebt auch ein stark in Kyushu verwurzeltes Essen als regional, selbst wenn es nicht exakt aus der gerade besuchten Präfektur stammt.

Es gibt keinen Grund, hungrig zu bleiben, nur um Verwaltungsgrenzen kulinarisch rein zu halten.

Frisch gebacken war das Gebäck sehr heiß.

Und sehr gut.

Heiß, aber lecker. Fall erledigt.

5. Wo ist Kumamon? Ich hatte ihn unbemerkt zum Maskottchen von ganz Kyushu befördert

Die Kumamoto-Verbindung führte zu einer weiteren Erkenntnis.

Ich hatte noch keinen einzigen Kumamon gesehen.

Natürlich nicht.

Kumamon ist das Maskottchen der Präfektur Kumamoto.

Weil die Figur aber landesweit so bekannt ist, hatte meine innere Landkarte ihr Gebiet stillschweigend fast auf ganz Kyushu erweitert.

In Kagoshima wurde diese Karte korrigiert.

Offenbar respektiert Kumamon die Präfekturgrenzen ziemlich gut.

Wenn regionale Figuren ständig in Medien auftauchen, speichern wir sie leicht als Symbol einer größeren Region ab.

Vor Ort werden die Grenzen wieder schärfer.

6. Der Greifautomat für 10 Yen ist echt

Eine weitere Werbung ließ mich stehen bleiben.

Ein Greifautomat für 10 Yen pro Versuch.

Zehn.

Wer 100 Yen gewohnt ist, findet schon die Zahl selbst unterhaltsam.

Der offizielle Führer des Third Planet Tenmonkan Asobi Town bewirbt tatsächlich einen „10-Yen-Markt“ mit Greifautomaten, die für 10 Yen gespielt werden können.[4]

Hundert Yen bedeuten zehn Versuche.

Der Gewinn darf klein sein.

Egal.

Das Lustige ist, dass die ganze Maschine für eine 10-Yen-Münze überhaupt loslegt.

Solche merkwürdigen Details bleiben auf Reisen manchmal länger hängen als berühmte Sehenswürdigkeiten.

7. Mein erster eindeutig erkennbarer Kagoshima-Ausdruck kam aus einer Werbung: „Ojatta monse“

Nach einer ganzen Weile hatte ich noch immer nicht die Dialektwand gehört, die ich erwartet hatte.

Dann sah ich die Worte:

おじゃったもんせ — ojatta monse.

Ein offizieller Dialektführer der Präfektur Kagoshima erklärt die Formulierung als höflichen Willkommensgruß in den Regionen Satsuma und Osumi, ungefähr im Sinn von „Willkommen“ oder „Danke, dass Sie gekommen sind“.[5]

Der Führer erklärt außerdem „ojaru“ als ältere respektvolle Form in Verbindung mit Gehen, Kommen oder Sein und „tamonse“ als Ausdruck mit der Bedeutung „bitte“.

Für Reisende lässt es sich praktisch verstehen als:

„Willkommen in Kagoshima.“

„Ojaru“ erinnert viele Japaner außerdem an die Figur Ojarumaru. Die Verbindung liegt im alten Wortschatz, nicht darin, dass die Figur aus dem Kagoshima-Dialekt stammen würde.

Amüsant war vor allem, dass mein erstes klares „Da ist Kagoshima-Dialekt!“ von einem Schild kam und nicht von einem Gespräch.

8. Die größte Korrektur betraf mein übertriebenes Klischee von Kyushu

Vor der Reise hatte ich das alte Bild des „Kyushu-Mannes“ mit extremen Internetgeschichten und überzeichneter Fiktion vermischt.

Das Ergebnis war eine viel aggressivere Karikatur als die Wirklichkeit.

Die Straße vor mir sah nicht so aus.

Familien waren unterwegs. Schüler und Studierende kauften ein. Angestellte bedienten Kunden ganz normal. Menschen lebten einfach normalen Stadtalltag.

Ein paar Stunden Spazierengehen beschreiben keine ganze Region und ersetzen weder Kriminalstatistik noch Sozialforschung.

Aber sie können eine sehr grobe Erwartung widerlegen.

Die Vorstellung, das öffentliche Leben in Kyushu sei von Männern geprägt, die ständig Frauen anschreien oder schlagen, passte überhaupt nicht zu dem Tenmonkan, das ich vor mir sah.

Reisen bedeutet nicht nur, Fremdes zu entdecken.

Es bedeutet auch, Karikaturen zu korrigieren, die wir über Orte gebaut haben, die wir nie selbst gesehen hatten.

9. Kagoshimas Eigenart machte die Stadt nicht zu einer anderen Welt — sie tauchte innerhalb einer normalen modernen Stadt auf

Ein Teil von mir wollte, dass alles anders wäre.

Sprache. Läden. Menschen. Straßen.

Ich wollte die Entfernung sehen können.

Doch moderne Städte sind keine regionalen Themenparks.

Es gibt landesweite Ketten. Standardjapanisch ist häufig. Neue Großgebäude stehen herum. Junge Leute schauen aufs Smartphone wie überall.

Und innerhalb dieses vertrauten modernen Alltags erscheinen die lokalen Schichten: ältere Passagen, Houraku Manju mit Ursprung in Kumamoto und langer Beliebtheit auch in Kagoshima, „ojatta monse“ auf einem Schild und ein 10-Yen-Greifautomat um die Ecke.

Vielleicht ist das die spannendere Form lokaler Identität.

Nicht eine ganze Stadt als Präfektur-Dekoration, sondern lokale Geschichte, Essen und Sprache innerhalb eines wiedererkennbaren modernen Alltags.

Fazit: Das Interessanteste an Tenmonkan war, meiner inneren Landkarte beim Reparieren zuzusehen

Tenmonkan war nicht eine einzige Passage.

CenTerrace war nicht nur ein Einkaufszentrum.

Houraku Manju stammte nicht aus Kagoshima.

Kumamon patrouillierte nicht durch ganz Kyushu.

Der 10-Yen-Greifautomat war echt.

„Ojatta monse“ lieferte endlich einen klar erkennbaren lokalen Ausdruck.

Und die wichtigste Erkenntnis war:

Je weiter ein Ort entfernt ist, desto leichter machen wir ihn im Kopf zu einer völlig anderen Welt.

Wenn man wirklich dort ist, erscheinen Alltag und regionale Besonderheiten gleichzeitig.

Genau diese Mischung zu beobachten war viel interessanter, als die Stadt in eine vorher angelegte Checkliste „typisch Kagoshima“ zu pressen.

Quellen (5)

  1. Offizieller Straßenführer Tenmonkan tenmonkan.info
  2. Offizieller Etagenplan und Unterlagen zu CenTerrace Tenmonkan / https://centerrace.com/_static/_teaser/pdf/press01.pdf centerrace.com
  3. Minamata Impact, Houraku Manju minamata-impact.com
  4. Third Planet Tenmonkan Asobi Town 3rd-planet.jp
  5. Offizieller Dialektführer der Präfektur Kagoshima pref.kagoshima.jp

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