Spoiler zur Vorgeschichte aus Manga-Kapitel 65.
Rain Garland ist ein Held, bei dem offenbar niemand einen Lautstärkeregler eingebaut hat.
Er albern herum, übertreibt maßlos und verwandelt selbst ernste Szenen in eine absurde Vorstellung. Allerdings sind die anderen Figuren in Chi Fuyo auch nicht gerade für ihre Zurückhaltung bekannt. Es wird geschrien, überreagiert und mit einer Begeisterung herumgefuchtelt, die jeden normalen Menschen erschöpfen müsste.
Irgendwann akzeptiert man es einfach: So ist Rain eben. Vielleicht wurde er schon mit eingeschaltetem Alarm geboren.
Dann erfährt man in Kapitel 65 etwas über seine Kindheit.
Rain bekam als kleiner Junge nur wenig Aufmerksamkeit von seinen Eltern. Deshalb versuchte er immer wieder, durch albernes Verhalten ihre Blicke auf sich zu ziehen. Aus diesem Muster wurde ein Teil seines späteren Auftretens.[1]
Moment mal. Eben war das noch lustig, und jetzt soll uns plötzlich das Herz wehtun?
1. Nicht einfach ein lustiges Kind, sondern eines, das gesehen werden wollte
Dass Kinder Grimassen schneiden, um Erwachsene zum Lachen zu bringen, ist nichts Besonderes. Doch zwischen Freude am Spaß und dem Gefühl, nur durch Späße überhaupt Beachtung zu bekommen, liegt ein großer Unterschied.
Eine verrückte Bewegung bringt endlich einen Blick. Also macht man weiter. Reicht es nicht, wird die nächste Aktion noch größer. Irgendwann kann es leichter sein, weiter den Spaßmacher zu geben, als ernst über seine Gefühle zu sprechen.
Traurig ist nicht, dass Rain gelernt hat, Menschen zu unterhalten. Traurig ist, wen er damals vor allem erreichen wollte: seine eigenen Eltern.
Man hielt ihn für einen angehenden Komiker. Dabei wünschte sich der Junge bloß, dass jemand Wichtiges im Publikum Platz nimmt.
2. Das Problem: Die anderen sind genauso durchgeknallt
Wäre Rain der einzige Tollpatsch in einer ansonsten ruhigen Fantasywelt, hätte man vielleicht längst gemerkt, dass hinter seinem Auftreten mehr steckt.
Aber wir reden hier von Chi Fuyo.
Auch die übrigen Figuren brüllen plötzlich los, reißen wilde Grimassen und machen aus einer ernsten Besprechung ein akustisches Großereignis. Selbst wenn Rain ausnahmsweise nichts tut, herrscht noch lange keine Ruhe.
Sein Verhalten verschwindet deshalb im allgemeinen Wahnsinn.
Alle wohnen im Zirkus. Nur der Hauptdarsteller hat einen unerwartet traurigen Grund dafür, dort angefangen zu haben.
Gerade deshalb trifft die Enthüllung so hart. Man hat die ganze Zeit gelacht und erfährt erst später, woher ein Teil dieses Humors kam.
3. Eine Rolle am Anfang macht nicht jedes spätere Lachen unecht
Nach der Enthüllung liegt ein vorschneller Schluss nahe: Rain spielt nur eine Figur, und kein einziger Witz ist ehrlich gemeint.
So einfach ist es nicht.
Was als Versuch beginnt, Aufmerksamkeit zu gewinnen, kann über Jahre zur Gewohnheit, zu echtem Spaß und zu einer persönlichen Art werden, Freundschaften zu schließen. Außerdem treibt Rain manche Albernheiten derart weit, dass man ihm mit der Behauptung eines durchdachten Plans fast schon zu viel geistige Disziplin zutrauen würde.
Schon damalige Leserkommentare unterschieden zwischen der traurigen Herkunft seines Verhaltens und der Möglichkeit, dass Rain von Natur aus ebenfalls ziemlich seltsam ist.[2]
Der Anfang seines Clownlebens kann schmerzhaft gewesen sein, ohne dass jedes spätere Lachen eine Lüge ist.
Nicht jedes lustige Bild braucht die Bildunterschrift „in Wahrheit innerlich am Weinen“.
4. Die Albernheiten für seine Eltern helfen ihm heute, Freunde zu finden
Besonders bittersüß ist, dass Rains merkwürdiger Humor ihm auch hilft, seinen Gefährten näherzukommen.[1]
Das Verhalten, mit dem er früher zu Hause Aufmerksamkeit gewinnen wollte, kann heute angespannte Situationen auflockern und Gespräche ermöglichen.
Das macht seine einsame Kindheit nicht ungeschehen. Es löst auch nicht automatisch das Problem, dass es ihm schwerfallen kann, manche Dinge ernsthaft anzugehen.
Aber die Geschichte handelt eben nicht nur von einem traurigen Jungen, der für immer hinter einer Maske gefangen bleibt.
Aus einem Kind, das unbedingt gesehen werden wollte, ist jemand geworden, der echte Verbindungen zu anderen Menschen aufbauen kann.
5. Dürfen wir beim nächsten Schrei trotzdem lachen?
Natürlich.
Kapitel 65 erklärt nicht die gesamte Komik nachträglich zur Tragödie. Es gibt Rain eine zweite Ebene.
Er kann wirklich albern sein, alte Verletzungen mit sich tragen und gerade durch seine Albernheiten anderen Menschen guttun. Das schließt sich nicht aus.
Wenn er also wieder laut loslegt, darf man lachen. Vielleicht denkt man danach an den kleinen Jungen, der einmal nur einen einzigen Wunsch hatte:
„Bitte sieh mich an.“
Erstaunlich, wie ein so lauter Manga auf einmal so still traurig machen kann.
Quellen (3)
- Rain Garland: Charakterprofil und Kindheit chifuyo-db.com
- Zusammenstellung zeitgenössischer Leserreaktionen von 2025 note.com
- Offizielle Manga-Seite bei Magapoke pocket.shonenmagazine.com
