Titel: „Nigerian Wicked“ bei SNL UK: Warum Glinda, LagOz und ein BBL gegen die Schwerkraft lustig sind
Beschreibung: Im Sketch vom 24. Oktober 2026 tauscht Cynthia Erivo ihre Wicked-Rolle und landet in einer Parodie auf ältere nigerianische Videodramen. Hier sind die Anspielungen auf Nollywood, Lagos und „Defying Gravity“.
Der Witz von „Nigerian Wicked“ besteht darin, Wicked als übertriebenes Melodram im Stil bestimmter älterer nigerianischer Videofilme neu zu erzählen – und Cynthia Erivo ausgerechnet Glinda spielen zu lassen. In den Wicked-Kinofilmen ist Erivo die grüne Hexe Elphaba, Ariana Grande spielt Glinda. Im Sketch trägt Erivo eine blonde Perücke und einen rosa Trainingsanzug, während Ayoade Bamgboye Elphaba übernimmt. Schon der Rollentausch verändert die vertraute Ausgangslage.
Wann lief der Sketch?
„Nigerian Wicked“ war Teil der britischen Ausgabe von Saturday Night Live UK am 24. Oktober 2026. Die Sendung begann auf Sky One um 22 Uhr britischer Zeit, mit Erivo als Gastmoderatorin und Blossoms als Musikgast. Der Sketch war ein vorproduzierter Einspieler innerhalb der Sendung; 22 Uhr bezeichnet nicht seine genaue Einsatzminute. Hammed Animashaun spielte den Zauberer. Der offizielle SNL-UK-Kanal veröffentlichte den Einspieler zusätzlich als eigenes Video.
Von der Ohrfeige zum „LagOz“
Im Original zeigen Elphaba und Glinda ihre gegenseitige Abneigung im Lied „What Is This Feeling?“. Die Parodie ersetzt die aufwendig komponierte Auseinandersetzung durch eine Ohrfeige von Glinda. Musical-Psychologie wird zur unmittelbaren Seifenoper.
Das Ziel ihrer Reise heißt „LagOz“: eine Mischung aus Lagos, einer Großstadt Nigerias, und dem Zauberland Oz. Die Beschreibung „smaragdgrün, weiß, smaragdgrün“ spielt zugleich auf die grün-weiß-grüne Flagge Nigerias an. Selbst der Ortsname ist also ein kultureller Wortwitz.
Beim Zauberer wünscht sich Glinda eine Birkin-Handtasche, Elphaba einen „skinny BBL“. BBL steht für einen kosmetischen Eingriff zur Veränderung der Gesäßform. Die Ankündigung eines BBL, das „der Schwerkraft trotzt“, verdreht den berühmten Wicked-Song „Defying Gravity“. Aus einer großen Hymne über Selbstbestimmung wird ein Satz über Schönheitsideale. Gerade dieser Zusammenstoß von Pathos und Alltagskonsum macht die Pointe aus.
Der angeblich mächtige Zauberer hat jedoch kein Geld. Seine Uhr wird als „Nolex“ bezeichnet, eine Rolex-Verballhornung, die nach Fälschung klingt. Als die beiden Hexen sich fast küssen, platzt eine völlig überzogene Explosion ins Bild. Das laute „LGBTQ!“ am Schluss spielt mit romantischen Deutungen ihrer Beziehung durch einen Teil des Fandoms, allerdings mit absichtlich maximaler Holzhammer-Dramatik.
Was hat das mit Nollywood zu tun?
Nollywood ist die geläufige Bezeichnung für Nigerias Filmindustrie. Der Sketch greift Merkmale bestimmter früher Heimvideo-Dramen auf: intensives Schauspiel, auffällige Toneffekte, abrupte Schnitte und einfache Bildtricks. Das ist die Parodie einer bestimmten Produktionsästhetik, keine Aussage über sämtliche heutigen nigerianischen Filme. Laut UNESCO hat sich die Branche längst in Richtung Kino und internationaler Streamingproduktionen weiterentwickelt.
In Zuschauerkommentaren vom 24. und 25. Oktober wurden die Requisiten, der Name LagOz und der BBL-Spruch gelobt. Andere fragten ausdrücklich, welche Filmtradition hier eigentlich parodiert werde. Der Sketch funktioniert deshalb auf zwei Ebenen: Kenner entdecken präzise Anspielungen, Neulinge erleben Schauspieler, die den größten Unsinn mit absolutem Ernst vortragen.
Fazit
Der Rollentausch, das umfunktionierte Lied und die bewusst überdrehte Videodrama-Ästhetik verstärken sich gegenseitig. Zwei Hexen suchen übernatürliche Hilfe und stellen fest, dass der Zauberer pleite ist. Kurz bevor es romantisch wird, explodiert das Bild. Die stärkste Magie in diesem Oz kommt offenbar aus der Ton- und Schnittabteilung.





