Früher hielt ich mich für schüchtern. Bei einem Treffen ohne vertraute Gesichter stellte ich Fragen, erzählte Geschichten und klatschte mit anderen ab. Alle fanden mich offen. Nur mein Namensgedächtnis war offenbar nicht eingeladen.
Das Kennenlernspiel kam zu spät
Etwa zwanzig Menschen waren da, fast alle fremd. Doch ich wechselte den Platz, sprach andere an und stieg bei interessanten Themen in laufende Gespräche ein. Als das geplante Kennenlernspiel begann, hatte ich die spontane Version längst erledigt. Das Eisbrecherspiel wurde arbeitslos, bevor es anfangen konnte.
Manchmal sagte nach meiner Frage jemand: „Das wollte ich auch wissen!“ Offenbar hatte ich nur eine Frage ausgesprochen, die andere ebenfalls beschäftigte.
Ein Gespräch braucht nicht nur meine Stimme
Ich höre zu, greife einen interessanten Punkt auf, frage nach und lasse andere teilnehmen. Niemand hatte mich zum Moderator ernannt, aber plötzlich übernahm ich die Rolle ehrenamtlich.
Neugier unterscheidet sich von einem Verhör. Gute Anschlussfragen folgen der Antwort und respektieren Grenzen. Eine Studie von 2017 über Kennenlerngespräche verband häufigere Fragen, insbesondere Anschlussfragen, mit positiveren Eindrücken beim Gegenüber. Sie untersuchte nicht mein Treffen. Studienzusammenfassung
Wenn man mich fragt, erzähle ich auch von Fehlern, Schwächen und Erkenntnissen. Das ist keine makellose Selbstpräsentation. Gerade solche Geschichten lassen andere vielleicht besser verstehen, wie ich denke.
Gespräche mit KI haben meinen Themenspeicher gefüllt
Ich nutze KI regelmäßig, um über Beziehungen, Veränderungen, Technik und Zukunftspläne nachzudenken. Ich lerne keine Texte auswendig. Ich habe diese Themen schon oft durchdacht, sodass ich bei Fragen leicht daran anknüpfen kann.
Als Kind sprach ich Fremde schnell an. In der Jugend machte ich mir viele Gedanken darüber, wie andere mich bewerten, besonders nachdem ich Menschen mit Worten verletzt hatte. Das Internet könnte mitgewirkt haben, aber eine einzige Ursache kann ich nicht belegen.
Später erkannte ich, dass ehrliche Fragen oft willkommen sind und man Reaktionen beobachten und das Gespräch anpassen kann. Meine kindliche Neugier kam mit einer zusätzlichen Analysefunktion zurück. Die Krisensitzung in meinem Kopf vor jeder Begrüßung ist endlich kürzer geworden. Der Wandel lässt sich nicht allein der KI zuschreiben; echte Begegnungen waren ebenfalls wichtig.
Mein Traum: selbstfahrendes Auto, Smartphone und flauschiger Hund
Gefragt nach meinem idealen Leben sagte ich: frei in einem selbstfahrenden Auto reisen, unterwegs Dinge auf dem Smartphone analysieren und nebenbei einen sehr flauschigen Hund streicheln.
Freiheit, Technik, Neugier und Hunde passen in einen Satz. Außerdem entstehen sofort neue Fragen: Wohin fahren? Was analysieren? Welche Hunderasse? Der Traum liefert seine Gesprächsthemen gleich mit.
Andere nannten mich klug und meinten, ich hätte beim Dating bestimmt Erfolg. Das hört man gern, doch es sind Eindrücke, keine Intelligenzmessungen oder Beziehungsstatistiken.
Wenn mir das Wort fehlt, rätselt der ganze Tisch
Namen und manche Wörter fallen mir oft nicht ein. „Wie hieß dieses Ding, das so aussieht und jenes macht?“ Ich gebe Hinweise, andere raten, schließlich findet jemand die Antwort. Meine innere Suchmaschine fällt aus; die gemeinsame Suche funktioniert.
Ich möchte Namen besser behalten. Aber gute Gespräche und sofortiger Wortabruf sind verschiedene Fähigkeiten. Dieser Abend mit neuen Bekanntschaften hat Spaß gemacht.
Beim Wiedersehen werde ich Gesichter und Gespräche erkennen. Die Namen heißen dann alle „die Person von neulich“.

