Oralsex fühlt sich genauso gut an – warum lieber Geschlechtsverkehr?

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Körperliche Lust und der Wunsch nach einer bestimmten Praktik können sich unterscheiden. Was Befragungen und Forschung zu Verlangen und Ekel aussagen.

Oralsex und vaginaler Geschlechtsverkehr können sich ähnlich gut anfühlen. Trotzdem kann jemand lieber Geschlechtsverkehr haben wollen. Ist das ein Widerspruch?

Nein. Das Lustgefühl und die Motivation, eine Handlung zu suchen, hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Partner, Erwartungen und Umstände spielen ebenfalls eine Rolle.

Ein Paar brauchte laut Bericht etwa anderthalb Jahre

In sozialen Medien schilderte eine Person Schwierigkeiten ihres Partners, beim vaginalen Verkehr zu ejakulieren. Nach ungefähr 18 Monaten gemeinsamen Ausprobierens habe es eine Verbesserung gegeben. Das ist ein Einzelfallbericht, keine übliche Behandlungsdauer.

Auffällig war der Versuch, unangenehme Momente mit gemeinsam akzeptierten Scherzen und Rollenspielen aufzufangen. Statt nach jedem Mal ein Kritikgespräch zu führen, wurde gelegentlich Improvisationstheater daraus.

Probleme beim Samenerguss können mit Stimulationsart, Ängsten, Medikamenten oder körperlichen Ursachen zusammenhängen. Ärztliche oder psychologische Unterstützung kann helfen.[5] Die Verantwortung liegt nicht automatisch bei einer einzelnen Person.

Was sagen die Studien über Lust?

In einer Fragebogenstudie von 2008 mit männlichen Studenten wurden empfangener Oralsex und vaginaler Geschlechtsverkehr ähnlich lustvoll bewertet. Manuelle Stimulation durch die Partnerperson und Selbstbefriedigung lagen im Durchschnitt darunter.[1]

Eine 2009 veröffentlichte US-Auswertung mit Daten von 2001–2002 über 18- bis 26-Jährige ergab: Unter Männern mit entsprechender Erfahrung mochten 92 % vaginalen Geschlechtsverkehr sehr gern und 84 % empfangenen Oralsex sehr gern.[2]

Das sind Angaben zur Beliebtheit jeder Praktik, keine genaue Messung des Orgasmus und keine Wahl zwischen zwei Alternativen. Beide Antworten konnten gleichzeitig „sehr gern“ lauten. Hier war die doppelte Stimmabgabe erlaubt.

Empfinden und Wollen führen getrennte Konten

Eine neurowissenschaftliche Übersichtsarbeit von 2012 unterscheidet Motivation vor dem Sex vom Genuss beim Sex.[3] Gleiche Empfindung bedeutet also nicht automatisch gleiche Vorliebe.

Wer Oralsex ohne Kondom mit Geschlechtsverkehr mit Kondom vergleicht, verändert zwei Bedingungen gleichzeitig: Handlung und Schutz. Der empfundenen Unterschied lässt sich nicht allein auf Mund oder Vagina zurückführen.

Auch Oralsex kann sexuell übertragbare Infektionen weitergeben; Kondome und andere Barrieren senken manche Risiken.[6] Die Sicherheitsfrage bleibt unabhängig vom persönlichen Geschmack wichtig.

Warum reicht ähnliche tierische Anatomie nicht für Anziehung?

Manche Fortpflanzungsorgane von Tieren ähneln menschlichen Organen. Aber sexuelle Anziehung entsteht nicht dadurch, dass man ein einzelnes Körperteil nach seiner Form abgleicht.

Gesicht, Stimme, Bewegungen, Geruch, Vertrautheit und das Wissen, wer vor uns steht, können zusammenwirken. Würde ein ähnliches Organ reichen, hätten Dating-Apps einen verheerenden Fehler in der Partnervermittlung.

Ein Experiment aus dem Jahr 2023 zeigte Wechselwirkungen zwischen sexueller Erregung und Ekel vor sexbezogenen Körperflüssigkeiten.[4] Es untersuchte nicht direkt, weshalb Menschen Tiere gewöhnlich nicht sexuell attraktiv finden. Es zeigt lediglich, wie wichtig Gefühle und Kontext sein können.

Tiere können sexuellen Handlungen mit Menschen nicht zustimmen. Der Vergleich bleibt ein Gedankenexperiment.

Fazit: alles nur Instinkt?

Die Evolution erklärt einen Teil des sexuellen Antriebs. Welche Praktik eine Person in einer bestimmten Situation bevorzugt, hängt auch von Erfahrungen und Beziehungen ab.

Gleichstand beim Lustgefühl, ein Favorit beim Wollen. Das Gehirn verliebt sich eben nicht anhand eines Ersatzteilkatalogs.

Quellen (6)

  1. 2008: Pleasure during different sexual activities
  2. 2009: Young adults' reported sexual likes
  3. 2012: Sexual wanting and liking in neuroscience
  4. 2023: Sexual arousal and disgust
  5. 2026: European guidelines on disorders of ejaculation
  6. 2024: CDC, oral sex and STI risk

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